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Mitte Mai ging ein Aufschrei durch einschlägige Fan-Foren des 1. FC Kaiserslautern. Einer ihrer besten Nachwuchsspieler hatte sich entschieden, den Betzenberg in Richtung Nürnberg zu verlassen. Philipp Klement, so heißt der junge Mann, war damals erst 18 Jahre alt, aber trotzdem schon sehr begehrt. Die Pfälzer wollten ihn deshalb langfristig mit einem Profi-Vertrag binden, Klement aber ging zum Club. „Sehr offen“ sei man gleich mit ihm umgegangen in Nürnberg, sagt Klement, das habe ihm gefallen, außerdem sei hier „die Perspektive besser“. Klement bereut seine Entscheidung nicht.
Sein Talent fiel auf, nicht erst im Halbfinale und Finale um die deutsche A-Jugend-Meisterschaft. Am 19. Juni konnte Klement die 2:4-Niederlage seiner „Roten Teufel“ in Wolfsburg zwar nicht verhindern, dennoch gab es gute bis sehr gute Kritiken für den kleinen Mittelfeldregisseur. Auch Dieter Hecking hatte es der gebürtige Ludwigshafener angetan, Nürnbergs Bundesliga-Trainer kam sogar extra zum Endspiel in die Volkswagen-Stadt.
Doch Klement, der als zielstrebig und extrem willensstark beschrieben wird, fing auch mit einem dicken Kratzer beim neuen Verein an. In der Sommerpause musste er sich einer komplizierten Hüft-Operation unterziehen, die ihn doch ziemlich weit zurückwarf. Klement litt unter einem sogenannten Impingement-Syndrom, einer schmerzhaften Verknöcherung im Gelenk, die ihn nicht nur beim Fußballspielen behinderte.
Es dauerte bis Anfang November, ehe Klement wieder einigermaßen den Anschluss hergestellt hatte. Dass ihm aber noch einiges fehlt bis zur uneingeschränkten Bundesliga-Tauglichkeit, ist natürlich auch Hecking bewusst, der ihn in den vergangenen Wochen wiederholt mit der Bundesliga-Gruppe üben ließ. Und intensiv beobachtete. Die Trainingserfahrungen bei den Profis, sagt Heckings Kollege Michael Wiesinger, „sind sehr wichtig für Philipp“.
Von hinten ähnelt Instinktfußballer Klement mit seiner Nummer zehn ein bisschen dem ganz jungen Lionel Messi, auch seine enge Ballführung mit dem linken Fuß ist außergewöhnlich. Klement kann mit der Kugel etwas anfangen, muss aber vor allem körperlich zulegen. Noch wirkt das Leichtgewicht fast zerbrechlich; nach harten Zweikämpfen kann es schon mal passieren, dass Klement in hohem Bogen davonfliegt. Zusatzschichten im Kraftraum sollen dabei helfen, ihn weiter zu stabilisieren.
Als „sehr ballsicher und kreativ“ bezeichnet ihn Wiesinger, Trainer von Nürnbergs zweiter Mannschaft, in der Klement reifen soll. Und er macht Fortschritte. Am Samstag vor einer Woche, beim 1:1 in Mannheim, spielte er zum ersten Mal seit dem A-Jugend-Finale wieder über 90 Minuten, am Sonntag gegen den Tabellen-Zweiten Sonnenhof Großaspach (3:1) zum zweiten Mal. Und Klement gefiel auch im fast menschenleeren Frankenstadion; besonders vor der Pause zeigte er viel Übersicht und Spielintelligenz, seine Pässe in die Spitze beschworen oft Gefahr herauf. Elegant kurbelte er die Offensive seiner jungen Elf immer wieder an und zauberte auch vor dem Tor. Seine elegante Direktabnahme aus gut und gerne 25 Metern konnte Gästeschlussmann Volkan Ünlü nur mit viel Mühe abwehren, ebenso Klements Abschluss aus spitzem Winkel. Sehenswert, wie er vorher seinen Widersacher ausgetanzt hatte.
Dass ihm auch einiges misslang, besonders nach rund einer Stunde, führt Dieter Nüssing vorrangig auf Klements Trainingsrückstand zurück. Ohne Sommervorbereitung wird es irgendwann schwer in einer langen Saison, die erst Anfang März fortgesetzt wird. Zeit also für Klement, weiter aufzuholen. Erst im Frühjahr, glaubt auch Amateur- und Jugendkoordinator Nüssing, „ist Philipp voll da“.
Dann erst wird man wohl das wahre Ausmaß seiner Begabung erkennen. „Wir versprechen uns sehr viel von ihm“, sagt Wiesinger, „in Ansätzen ist es schon sehr positiv, was er zeigt.“ Und, nicht ganz unwichtig als Voraussetzung für eine möglicherweise erfolgreiche Fußballer-Karriere: „Philipp ist bereit, an sich zu arbeiten.“ Auf dem Platz und in der Schule, Mitte Januar möchte er zu Hause in der schönen Pfalz sein Abitur bauen. Und danach richtig angreifen. Bei seinem neuen Club.
So. 13.05.12
Sa. 12.05.12
So. 06.05.12
Sa. 05.05.12
Fr. 20.04.12
Do. 03.05.12
Mi. 11.04.12