5°C
Donnerstag, 17.05. - 00:32 Uhr
Login
Info
Anmeldung
Diese Funktion steht nur registrierten Usern zur Verfügung.
Loggen Sie sich bitte hier ein oder registrieren Sie sich kostenlos!
Passwort vergessen
Info
Passwort vergessen
Wenn Sie Ihr Passwort vergessen haben können Sie hier ein neues Passwort anfordern. Geben Sie bitte hierzu Ihre E-Mail-Adresse ein!

E-Mail-Adresse
Druckversion

Graue Haare inbegriffen

Peter Hellmich ist mehr als nur ein Fan der Eysöldener Fußballerinnen - 07.11. 18:30 Uhr

EYSÖLDEN  - Wenn Peter Hellmich etwas macht, dann hundertprozentig. Nur logisch also, dass der Eysöldener den normalen „Fanstatus“ schon längst hinter sich hat. Mittlerweile ist er Betreuer und gute Seele der Fußballerinnen des TSV Eysölden, begeisterter Zuschauer bei den Nachwuchsspielen und gern gesehener Gast auf dem Untermässiger Platz, denn „ein Sonntag ohne Fußball, das geht irgendwie gar nicht“.

Endlich wieder Grund zum Jubel. Doch Peter Hellmich kennt auch die anderen Zeiten und ist vor allem vom Durchhaltewillen der Eysöldener Fußballerinnen angetan.
Endlich wieder Grund zum Jubel. Doch Peter Hellmich kennt auch die anderen Zeiten und ist vor allem vom Durchhaltewillen der Eysöldener Fußballerinnen angetan.
Foto: Giurdanella

Auf den ersten Blick mag es etwas kurios erscheinen, dass Hellmich ausgerechnet die Spiele der Eysöldener Vollmannschaft scheinbar verschmäht. Das hat aber seinen guten Grund: Nach einem Schlaganfall soll sich der frühere Straßenwärter nicht übermäßig aufregen – und das funktioniert nur bei den Damen, bei den Männern eben nicht.

Warum das so ist, kann der 66-Jährige selbst nicht erklären. Zumal Hellmich doch sehr emotional wird, wenn er von „seinen“ Fußballerinnen spricht, die es vor allem in der vergangenen Saison nicht leicht hatten und ohne Sieg aus der Bezirksoberliga abstiegen. „Mei, da gab’s oft Tränen“, berichtet der Eysöldener. Viele Gespräche und Aufmunterung seien da nötig gewesen, sagt er und ist „heilfroh, dass es jetzt wieder besser läuft“.



Dabei habe ihn das Engagement der Spielerinnen im Vorjahr, als es absolut nichts zu gewinnen gab, sehr beeindruckt. Denn es sei wohl gar nicht so leicht, in dem Wissen auf den Platz zu gehen, dass man mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder eine Klatsche bekommt. „Ein Wunder, dass die den Mut nicht verloren haben“, wundert sich der Fan immer noch. Nicht zuletzt wegen der vergangenen Spielzeit seien „wenigstens 20 Prozent meiner grauen Haare von den Damen“.

Dennoch: Die Einstellung der Eysöldenerinnen auf und neben dem Platz lobt Hellmich in den höchsten Tönen. Nie habe er in den 15 Jahren, in denen er den Frauenfußball beim TSV begleitet, einen dummen Kommentar oder eine freche Antwort gehört: „Das imponiert mir“.

Auch die Bereitschaft der Frauen zwischen 18 und Mitte 30, viele Kilometer zu Training und Spiel zu fahren, verdiene seiner Meinung nach Anerkennung. Manche Aktive wohnen in der Oberpfalz und sind schon zum Training 45 Minuten einfach unterwegs, eine Spielerin fuhr eine Saison lang von München nach Eysölden, um das Team nicht hängen zu lassen. Der gegnerische Platz beim Auswärtsspiel wie etwa in Gnotzheim sei auch mal 60 Kilometer entfernt.

Ein Weg, den auch Peter Hellmich zurücklegt, weil er bei jedem Auswärtsspiel dabei ist. „Helfen kann man immer“, erklärt er. Die Torfrau sei schon mal froh, wenn ihr jemand die Bälle zu wirft oder eine junge Spielerin freue sich über Zuspruch. Anscheinend findet der Eysöldener die richtigen Worte.

Seit fünf Jahren begleitet ihn seine Frau Elfriede, „zu Hause beim TSV“ haben beide einen Stammplatz „am 16er am anderen Ende“. Da sei es leichter, ruhig(er) zu bleiben, wenngleich Hellmich schon gelegentlich ein „Bleib ruhig, Peter!“ zu hören bekommt.

Das Fan-Dasein wirkt sich nicht unerheblich auf die Wochenendplanung des Ehepaars aus: Erstens „muss“ die Arbeit in Haus und Garten entsprechend eingeteilt werden (die Frauen spielen oft Samstagnachmittag), zum anderen gilt es Fahrtstrecken zu optimieren, denn Elfriede Hellmich lässt ihren Mann oft in Untermässing raus, besucht das Eysöldener Spiel und sammelt ihn wieder ein.

Früher konnte der 66-Jährige die Kickerinnen nur aus der Ferne beobachten, weil er zeitgleich mit den Alten Herren auf dem Platz stand. Bei zeitversetztem Anpfiff schaute er irgendwann aus der Nähe zu – und war angetan. „Ich bin stolz auf die Truppe“, sagt Hellmich und freut sich, wenn er zur Weihnachts- oder Saisonabschlussfeier eingeladen und somit als Teil des „Systems“ gesehen wird.

System funktioniert

Ein System , das offensichtlich gut funktioniert, denn der Zusammenhalt stimme – auch ehemalige Spielerinnen würden immer wieder gerne vorbeischauen. Somit ist auch ein Ende des Engagements nicht absehbar. „So lange ich die gern hab und die mich, bleibe ich Fan“, erklärt der 66-Jährige, der seit seinem 15. Lebensjahr TSV-Mitglied ist.

Die Fußball-Leidenschaft im Hause Hellmich geht natürlich weiter. Während Peter Hellmich bekennender Fan des TSV 1860 München ist, fiebert der Rest der Familie (Sohn Stefan wohnt mit seiner Frau Regina und den beiden Söhnen im Haus) mit dem FC Bayern mit. „Eine Löwen-Fahne wollte ich mir schon lange kaufen, aber ich dürfte sie ja nicht aufhängen“, witzelt Hellmich und sieht großzügig darüber hinweg, dass nach einem entsprechendem Sieg die Bayern-Fahne vor seinem Haus weht.

Weiter vererbt hat Hellmich die Fußball-Begeisterung auch in anderer Hinsicht. Während sein Sohn fast 25 Jahre als Jugendtrainer aktiv war, kickt Enkel Nico in der D-Jugend des TSV und erzieltw in der vergangenen Saison 51 Tore.

Theaterspielen für die Kasse

Wie verbunden Hellmichs mit dem Eysöldener Verein sind, lässt sich auch an anderen Dingen ablesen. Nicht nur, dass in der Küche die Spielpläne hängen. Sämtliche Zeitungsartikel, in denen der TSV erwähnt wird – und das können schon bis zu 400 in einem Jahr sein - werden gesammelt und archiviert, verrät der langjährige Leiter der Alten Herren. Wobei die dafür aufgewendete Zeit noch von der Zahl der Arbeitsdienststunden des Eysöldeners deutlich übertrumpft wird.

Und dann ist da noch die Theatergruppe, für die Peter Hellmich seit 25 Jahren auf der Bühne steht. „Das ist so ziemlich die einzige Einnahmequelle des Vereins“, erklärt er seine Bereitschaft, zu allem anderen auch noch Text zu lernen, Proben zu besuchen und Aufführungstermine freizuhalten.

Denn inbegriffen ist auch der Besuch anderer Theaterstücke, denn „wir wollen ja auch, dass deren Zuschauer und Schauspieler zu uns kommen“. Wie gesagt, wenn Peter Hellmich etwas macht, dann macht er es zu 100 Prozent. 



Petra Schoplocher

Ihr Kommentar

Name:
 
Info
Bestätigungswort

Um Ihren Kommentar abzusenden, geben Sie bitte das Bestätigungswort ein. Nicht lesbar? Erzeugen sie durch Klick darauf einen neuen Text.