„Hundertprozentigen Schutz gibt es nicht“
Fußball: Immer mehr Gewalt gegen Schiedsrichter — Forchheims Lehrwart baut auf Deeskalationstraining
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30.01. 13:00 Uhr
FORCHHEIM
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Von immer mehr Gewalt gegen die Schiedsrichter im Amateurfußball berichten die Funktionäre. Nicht nur verbal, sondern auch tätlich angegriffen würden die Unparteiischen, vier Spielabbrüche hat es in der laufenden Saison allein auf Kreisebene gegeben. Eine Entwicklung, die die Referees verurteilen. Und die sie durch Deeskalations- und Gewaltpräventionstraining einzudämmen versuchen.
Forchheims Schiedsrichter-Lehrwart Matthias Schmolke.
Foto: privat
Forchheims Schiedsrichter-Lehrwart Matthias Schmolke.
Es sei eine „schlimme Entwicklung“, sagt Matthias Schmolke. Der Lehrwart der Schiedsrichtergruppe Forchheim erinnert sich noch gut an seine Anfänge als Unparteiischer Ende der 90er Jahre. „Hier gab es den ,tätlichen Angriff auf den Schiedsrichter‘ als Theorieteil in der Ausbildung. Dass es zu so etwas tatsächlich kommen könnte, dass konnte sich Schmolke damals noch nicht vorstellen.“
Nun gab es aber im Berliner Amateurfußball zu Beginn der Saison Spielabbrüche, in deren Folge die Schiedsrichter zum Teil krankenhausreif geprügelt wurden. Eine „gesunkene Hemmschwelle“, wie sie Schmolke nennt, schwappte kurz darauf auch zu uns, in den Amateurfußball im Spielkreis Erlangen/Pegnitzgrund. „Es kann doch nicht sein, dass Schiedsrichter bei Jugendspielen mit dem Messer bedroht, oder wie in einem anderen Fall nach Spielschluss von mehreren Spielern mit Autos verfolgt und eingekeilt werden“, findet Max Habermann, der Kreisspielleiter. Er forderte die Vereine dazu auf, die Unparteiischen besser zu schützen.
„Ich finde es gut, dass Herr Habermann das Thema so drastisch angesprochen hat“, sagt Matthias Schmolke. Er merke schon jetzt in der Nachwuchsarbeit der Schiedsrichter einen deutlichen Rückgang. „Wenn Jugendliche von den Übergriffen erfahren, sagen die sich natürlich: ,Ich bin doch nicht blöd und lasse mich 90 Minuten lang wüst beschimpfen!“ Zudem sprängen immer öfter aktive Schiedsrichter ab. „Die Konsequenz wird sein, dass – wie bereits heuer vermehrt geschehen – Partien in den untersten Klassen gar nicht mehr mit einem offiziellen Schiedsrichter besetzt werden können.“
Also appellieren die Funktionäre wie Max Habermann oder Schiedsrichterobmann Christian Klein an die Vereine, ihre Einstellung gegenüber den Unparteiischen zu ändern.
„Da muss sich sicher nicht jeder angesprochen fühlen“, findet Schmolke. Es reiche oft schon, wenn der Referee nicht schon von vornherein als Buhmann angesehen würde, der 90 Minuten fehlerlos zu pfeifen hat. „Und wenn ihm eine Fehlentscheidung unterläuft, dann denken manche, gibt es ein Recht darauf, ihn zu beschimpfen“, hat der Lehrwart beobachtet. Dabei gehöre dem Schiedsrichterwesen eigentlich, findet Schmolke, viel mehr Respekt entgegengebracht. Respekt an der Tätigkeit an sich, Respekt vor der Person, die bestmöglichst versucht, binnen Bruchteilen von Sekunden schwierige Abseitsentscheidungen zu fällen oder Zweikämpfe zu beurteilen. „Eigentlich müssten sich die Vereine doch bemühen das wertzuschätzen und sogar Nachwuchswerbung betreiben.“
Natürlich aber, das gibt der Lehrwart auch zu, provozieren Unparteiische ab und an auch durch sehr autoritäres Auftreten Unmut bei Spielern, Betreuern, Trainern oder Zuschauern. „Wenn der Schiri seine Autorität permanent unnötig mit Gelben Karten untermauern muss, dann schafft das keine gute Atmosphäre.“
Das zu vermeiden, dafür sollen Lehrabende helfen. Hier lernen Schiedsrichter, wie sie in hitzigen Situationen kühlen Kopf bewahren und aktiv dazu beitragen, die Situation zu entspannen. Da gehe es zum Beispiel darum, wie Schiedsrichter den Charakter des Spielers oder Trainers einschätzen können. „Geht der Spieler recht schnell in die Luft, hilft oft ein kurzes, klärendes, beruhigendes, verständnisvolles Gespräch“, findet Schmolke. Andererseits gibt es auch Charaktere, bei denen die Autorität gefordert ist. „Wenn das Aggressionspotenzial allerdings den Pegel übersteigt – ist es schon zu spät. Davor kann man sich auch als Schiedsrichter nie hundertprozentig schützen.“