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Karali: „Sich Respekt zu verdienen, das ist am schwierigsten“

Der Trainer und Teilzeittorhüter von Dergahspor, Nürnbergs derzeit zweitbestem Fußballclub, ist noch nicht zufrieden - 01.12.2012

NÜRNBERG  - Von der Bezirksliga hoch in die Landesliga, nächstes Jahr vielleicht noch eine Klasse höher: Binnen vier Jahren hat sich Dergahspor zu Nürnbergs Nummer eins im Amateurfußball gemausert – und dennoch nichts erreicht, zumindest nach den Maßstäben von Trainer Turgay Karali. Der 38 Jahre alte Sportlehrer ist mit dem Erfolg Dergahspor so eng verbunden wie sonst kein Zweiter.

„Ich will hart arbeiten, anstatt viel zu reden. Man muss nicht viel sagen, die Körpersprache ist viel wichtiger“: Trainer Turgay Karali bei der Arbeit.
„Ich will hart arbeiten, anstatt viel zu reden. Man muss nicht viel sagen, die Körpersprache ist viel wichtiger“: Trainer Turgay Karali bei der Arbeit.
Foto: Zink
„Ich will hart arbeiten, anstatt viel zu reden. Man muss nicht viel sagen, die Körpersprache ist viel wichtiger“: Trainer Turgay Karali bei der Arbeit.
„Ich will hart arbeiten, anstatt viel zu reden. Man muss nicht viel sagen, die Körpersprache ist viel wichtiger“: Trainer Turgay Karali bei der Arbeit.
Foto: Zink

Sogar ein eigenes Büro hat Karali in der Geschäftsstelle von Dergahspor am Nürnberger Pferdemarkt. Dort trafen wir uns mit ihm zum großen Wochenendinterview und sprachen mit ihm unter anderem über das Wichtigste in seiner Fußballwelt: Respekt.

Herr Karali, ist es noch legitim, Dergahspor als türkischen Verein zu bezeichnen?

Karali: Nein. Ich denke von uns schon lange nicht mehr, dass wir ein türkischer Verein sind. Wir gehören einem deutschen Verband an und sind somit ein deutscher Verein, das hat jeder so zu akzeptieren.

Aber Dergah hat türkische Wurzeln?

Karali: Gemischte Wurzeln. Über dieses Thema möchte ich eigentlich nicht mehr reden, es ist alles gesagt darüber.


Worüber möchten Sie sich stattdessen unterhalten?

Karali: Über den sportlichen Erfolg, zum Beispiel.

Den hatten Sie ja schon lange vor Dergahspor. Sie sollen sogar Profi in der zweiten türkischen Liga gewesen sein.

Karali: Das stimmt. Von 1993 bis 2000 war ich dort.

Dann haben Sie ja schon mit 26 Jahren aufgehört.

Karali: Es wäre vielleicht noch Luft nach oben gewesen, aber es hat sich der Eindruck eingestellt, dass es für mehr nicht mehr reichen wird, und Fußball war noch nie alles für mich. Manchmal hat man einfach keinen Bock mehr. Vielleicht war es die falsche Entscheidung, aber es war eben so. Also habe ich aufgehört und bin nach Deutschland gekommen.

Wo haben Sie in Ihrer Jugend gespielt?

Karali: Bei keinem Verein. Aufgewachsen bin ich in Deutschland, ich war ein ganz normaler Straßenfußballer. Mit zehn Jahren bin ich zurück in die Türkei, im Verein spiele ich erst, seit ich 14 bin.

Und trotzdem haben Sie noch den Sprung zum Profi geschafft. Wie ist das möglich?

Karali: Viele Jungs fangen früher an, aber wir hatten damals nicht die Gelegenheit dazu. Es war extrem schwer, aber zu schaffen.

In Deutschland wäre das undenkbar.

Karali: Und deswegen ist die Nationalmannschaft so gut, weil die Spieler hier schon früh anfangen und optimale Bedingungen haben. In der Türkei ist das noch nicht so, deswegen hängen die Spieler dort hinterher.

Nach dem Dasein als Profi kamen Sie hierher in die Region und haben höherklassigen Amateurfußball gespielt, bis Sie vor vier Jahren als Spielertrainer bei Dergahspor anfingen. Was hat Sie an der Aufgabe gereizt?

Karali: Das hat sich so ergeben. Mein Freundeskreis hatte viel mit Dergah zu tun. Der Vorstand hat mich angesprochen und ich habe zugesagt. Am Anfang glich der Verein einer großen Baustelle. Der Reiz für mich bestand darin, aus dieser Baustelle ein erfolgreiches, langfristiges Projekt zu machen. Es hat mich sehr viele Nerven und Arbeit gekostet, aber wir haben es geschafft.

In vier Jahren ist Ihre Mannschaft zweimal aufgestiegen. Überrascht es Sie, dass es so schnell ging?

Karali: Es war von Anfang an das Ziel, erfolgreich zu sein. Dass es so schnell gehen würde, konnte man aber nicht ahnen. Ich hatte vor vier Jahren zwei Wege zur Auswahl: Entweder ich verpflichte Spieler mit Erfahrung aus höheren Ligen oder ich hole Spieler, die sogar in der Kreisklasse auf der Bank sitzen, aber unglaubliches Potenzial haben. Ich entschied mich für den zweiten Weg, er erschien mir spannender.

Sie haben eine Sportlehrerausbildung. Was war wichtiger: Den Jungs auf dem Platz etwas beizubringen – oder daneben?

Karali: Sowohl als auch. Als Mannschaft mit vielen Südländern hat man mit vielen Vorurteilen zu kämpfen. Viele Gegner glauben, sie müssen uns nur ein bisschen provozieren, dann steigen wir schon darauf ein. Da machen wir nicht mit. Wir wollen den Respekt unseres Gegners verdienen, mit Fairness und Einsatzwillen. Jeder soll sehen, dass wir ein eigenes System haben.

Und das wäre?

Karali: Immer ruhig zu bleiben, nichts Unüberlegtes zu tun. Auch wenn wir in Rückstand geraten und keine Chance mehr haben, bis zum Ende zu kämpfen und Vorbild zu sein.

Und alle haben mitgezogen?

Karali: Ja.

Wie hätten Sie reagiert, wenn ein Spieler nicht damit einverstanden gewesen wäre?

Karali: Ich hätte darum gekämpft, dass er bei uns bleibt. Aber wenn es nicht anders gegangen wäre, hätte er uns verlassen müssen.

Sind Sie ein autoritärer Trainer?

Karali: Das möchte ich so nicht sagen. Ich will hart arbeiten, anstatt viel zu reden. Man muss nicht viel sagen, die Körpersprache ist viel wichtiger.

Und Gesten. Ihr Torwart Behlül Memet meint, Sie müssten ihm nur auf die Schulter klopfen – und er sei sofort motiviert.

Karali: Wenn das so ist, habe ich mein Ziel erreicht.

Welche Ziele haben Sie mit Dergah sonst noch?

Karali: Ich will mit meiner Mannschaft erfolgreich sein. Erfolg ist für mich kein Ergebnis, sondern ein gutes Mannschaftsklima. Wenn die Jungs das umsetzen, was ich ihnen beigebracht habe, das ist Erfolg. Wenn die Gegner vor uns in jedem Spiel Respekt haben, dann habe ich etwas erreicht. Man kann jedes Spiel gewinnen, aber sich auch noch den Respekt des Gegners zu verdienen, das ist am schwierigsten. Ich liebe es, erfolgreich zu sein, und dafür gebe ich alles. Keiner darf sich zurücklehnen und denken, er hat schon irgendetwas geschafft.

Ist das nicht schwierig, wenn man aus der Bezirksliga in die Landesliga aufgestiegen ist?

Karali: Wir haben in vier Jahren viel geschafft, das ist richtig. Wenn ich unseren Weg vorhergesagt hätte, hätten alle gesagt: Du musst in ein Krankenhaus, weil du krank bist.

Und auf einmal träumen alle von der Bayernliga.

Karali: Wir glauben fest daran und werden alles tun, um dieses Ziel zu erreichen. Ich weiß nicht, ob wir stark genug sind, aber wir werden bestimmt nicht aufgeben. Vielleicht schaffen wir es auf Platz zwei, Platz eins ist viel zu weit weg, die SpVgg Weiden ist zu stark. Auch unsere Konkurrenten wie Quelle Fürth und SV Etzenricht. Wir werden kämpfen.

Dafür gibt es in der Winterpause Verstärkungen, Manuel Fiori kommt vom SV Süd. Wie lockt man so einen Spieler?

Karali: Indem er sieht, was bei uns entsteht – und wir ihm sagen, dass wir alles erreichen wollen, was möglich ist.


„Ich würde gerne sagen, dass wir auch bei unseren Heimspielen ein paar Hundert Zuschauer haben, aber das wäre eine große Lüge“.
„Ich würde gerne sagen, dass wir auch bei unseren Heimspielen ein paar Hundert Zuschauer haben, aber das wäre eine große Lüge“.
Foto: Distler
„Ich würde gerne sagen, dass wir auch bei unseren Heimspielen ein paar Hundert Zuschauer haben, aber das wäre eine große Lüge“.
„Ich würde gerne sagen, dass wir auch bei unseren Heimspielen ein paar Hundert Zuschauer haben, aber das wäre eine große Lüge“.
Foto: Distler

Was ist noch möglich, gibt es überhaupt eine Grenze?

Karali: Das weiß ich nicht. Es geht aber nicht nur darum, möglichst weit hochzukommen. Es müssen auch andere Dinge besser werden. Wir brauchen mehr Mitglieder und vor allem mehr Zuschauer.

Schließlich ist Dergah die Nummer eins im Nürnberger Amateurfußball.

Karali: Als wir unser Relegationsspiel zum Aufstieg in die Landesliga gegen Amberg gespielt haben, waren 3000 Zuschauer da. Obwohl sie auswärts fahren mussten. Da wollte jeder wissen: Was macht Dergahspor heute? Ich würde gerne sagen, dass wir auch bei unseren Heimspielen ein paar Hundert Zuschauer haben, aber das wäre eine große Lüge. Wir können nur attraktiv Fußball spielen und versuchen, die Leute zu begeistern.

Machen Sie sich als Trainer über die Zuschauerzahlen überhaupt große Gedanken?

Karali: Natürlich würde ich gerne mehr Zuschauer bei uns sehen, aber der Zuschauerschwund ist ein Problem, das viele Vereine haben. Als Trainer ist es nicht meine Aufgabe.

Wie sehen denn die Aufgaben von Dieter Rebel aus?

Karali: Er arbeitet als Teammanager beziehungsweise als Spielleiter. Er hat die Aufgaben eines Spielleiters.

Rebel ist aber auch derjenige, der den Vertrag mit Manuel Fiori gemacht hat. Gehören Vertragsverhandlungen zu den Aufgaben eines Spielleiters?

Karali: Unsere Vorstandschaft weiß komplett Bescheid.

Und ist damit einverstanden?

Karali: Er macht das ja nicht alleine, wir stehen ständig in Kontakt miteinander und entscheiden zusammen mit der Vorstandschaft.

Wer hat das letzte Wort?

Karali: Alle. Wir entscheiden gemeinsam.

Es muss doch jemanden geben, der im Zweifelsfall Hopp oder Top sagt.

Karali: Das mache ich, wenn es um das Sportliche geht. Es wird kein Spieler zu uns kommen, den ich nicht haben möchte. Ich weiß, dass Dieter Rebel ein empfindliches Thema ist, aber wir sind bis jetzt sehr zufrieden. Es gibt keine Alleingänge bei uns, wir sind ein Team.

Wer kommt außer Manuel Fiori noch?

Karali: Vielleicht holen wir noch einen zweiten Neuen, aber damit reicht es auch. Wir werden noch Bescheid geben, ob es einen weiteren Zugang geben wird.


Turgay Karali durfte bei den Aufstiegsspielen selbst vor einer solch imposanten Kullisse spielen.
Turgay Karali durfte bei den Aufstiegsspielen selbst vor einer solch imposanten Kullisse spielen.
Foto: Pfrogner
Turgay Karali durfte bei den Aufstiegsspielen selbst vor einer solch imposanten Kullisse spielen.
Turgay Karali durfte bei den Aufstiegsspielen selbst vor einer solch imposanten Kullisse spielen.
Foto: Pfrogner

Wie sieht es mit dem Jugendbereich aus?

Karali: Mit der A-Jugend pflege ich einen sehr guten Kontakt und lasse immer wieder Jugendspieler bei uns mittrainieren. Das ist wichtig, um die Jungs an uns zu gewöhnen.

Außer der A-Jugend gibt es nur zwei Jugendmannschaften bei Dergah. Ist der Nachwuchsbereich nicht etwas dünn besetzt?

Karali: Das stimmt, es ist aber nicht so einfach, den Jugendbereich auszubauen. Dafür brauchen wir Sportplätze, auf denen unsere jüngeren Jahrgänge dann trainieren könnten. Aber der Nachwuchs ist ein wichtiges Thema bei uns, und der Vorstand arbeitet daran. 

Interview: MARCEL STAUDT


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Mit der Neueinteilung der Amateurfussballligen zur Saison 2012/13 gibt es fünf Landesligen in Bayern. Die Bezirksoberliga wurde indes auf die Landesligen und Bezirksligen aufgeteilt.

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