Lieblingsspiele mit dem Ball und dem „schwarzen Mann“
Bei der SpVgg Roth gibt es seit Sommer eine „U5“-Fußballmannschaft — Auf Umwegen zum Traineramt
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06.02. 12:00 Uhr
ROTH
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Im Grunde wollte Joerg Geyer nie Trainer werden. Als ihm sein kleiner Sohn aber klar zu verstehen gab, dass er nur unter ihm oder gar nicht Fußball spielen würde, hatte der 38-jährige Rother fast keine Wahl mehr — und ist seit Juli Coach der U5-Kicker der SpVgg Roth.
Ab mit dem Ball ins Tor... — doch Joerg Geyer (rechts) bringt seiner U 5 natürlich noch viel mehr bei. Und sie ihm auch etwas — nämlich dass zu jedem Training mindestens einmal „Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?“ gehört.
Foto: Schoplocher
Ab mit dem Ball ins Tor... — doch Joerg Geyer (rechts) bringt seiner U 5 natürlich noch viel mehr bei. Und sie ihm auch etwas — nämlich dass zu jedem Training mindestens einmal „Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?“ gehört.
Das Bild mit dem „Sack Flöhe hüten“ drängt sich auf: Zehn Kindergartenkinder in der Gymnasiumhalle, zehn oder mehr Bälle – dazwischen ein Trainer, der versucht, Bewegungen in richtige Bahnen zu lenken. Keine leichte Aufgabe für Joerg Geyer, eher eine Herausforderung.
Aber eine, die Spaß macht – das stellt der Vertriebsleiter schnell klar. Viel weiter kommt er auch nicht, denn schon zupft ihn einer seiner Schützlinge am Hosenbein und will wissen, wann er denn nun endlich einen Ball haben könne. „Dauert noch“, erklärt der Trainer.
Zuerst stehe ein Laufspiel zum Aufwärmen auf dem Programm, lässt der Coach verlauten – was vor allem die Jungs der Truppe mit Murren kommentieren. Als aber der Startpfiff zur Geschicklichkeitsstaffel mit Medizinball fällt, sind auch sie mit Feuereifer bei der Sache. Und stören sich nicht dran, dass mal einer der Kleinen nicht so genau weiß, wo er den „Riesenball“ denn nun hintragen muss.
Manchmal geht’s ohne Worte
Macht aber nichts. Immerhin ist der kleinste Fußballer gerade einmal dreieinhalb Jahre alt. Doch scheinbar begreifen alle intuitiv, dass der Spaß im Vordergrund steht und keiner zu kurz kommt. Natürlich ist das das erklärte Ziel von Joerg Geyer, der es auch plakativer formulieren könnte, etwa in der Art: „Die Freude an der Bewegung soll vermittelt werden“. Derartiges muss der dreifache Vater aber gar nicht erst artikulieren – kurzes Beobachten des Trainings genügt.
Geyer sagt lieber andere Dinge wie „die Eltern ziehen super mit“. Denn in dieser Hinsicht habe er schon anderes erlebt. „Seine“ Eltern bleiben während des Trainings in der Halle oder auf dem Sportplatz. Langsam entwickle sich ein Mannschafsgefühl und ein gutes Gesamtgefüge, wie er schwärmt. Was ihm indirekt natürlich auch die Arbeit erleichtert, denn zum Trösten oder Schuhe binden sind eben doch noch Mama, Papa oder Opa da.
Voll des Lobes ist der U5-Trainer aber auch für die Verantwortlichen der SpVgg Roth, denen er zunächst von der „Problematik“ und dann von seinem Lösungsvorschlag berichtet hatte: Sein vierjähriger Sohn Finn wollte unbedingt Fußball spielen und besuchte auch schon das G-Junioren-Training in der Rother Sandgasse, war aber mit den bis zu drei Jahren älteren „Teamkollegen“ überfordert.
Während der Übungen sei es noch gegangen, aber bei den Trainingsspielen sei die Enttäuschung, keine Bälle zu bekommen und irgendwie nicht dabei zu sein, doch groß gewesen. Irgendwann kam die „Angst“ vor den Großen hinzu. So wurde am Esstisch der Familie Geyer flugs die Idee der U5 geboren.
Die Jugendleitung hätte daraufhin umgehend alle Hebel in Bewegung gesetzt, um die Gründung des „Fußballkindergartens“ zu unterstützen, meint Jörg Geyer dankbar. „Es gab nagelneue Bälle und wir durften gleich auf dem A-Platz trainieren“, erzählt der Trainer begeistert – er, der selber acht Jahre bei der SpVgg dem runden Leder nachgejagt ist.
Schnell machte das neue Angebot im Verein die Runde: Nach den ersten Trainingseinheiten im Freien treffen sich die bis zu 13 Kinder nun einmal pro Woche in der Halle. Helfer hat Joerg Geyer auch schon: Zum einen seinen Sohn Nico, der seit G-Jugend-Zeiten bei der SpVgg kickt und mittlerweile elf Jahre alt ist, und seinen Nachbarn Jörg Ruppert, den Geyer nach eigenen Worten „ein bisschen zu seinem Glück gezwungen“ hat. Anders ausgerückt: „Der Jörg ist da, weil ich ihn dazu verdonnert habe“, berichtet Coach Geyer schmunzelnd.
Auch derartiges Necken trägt seinen Teil zur guten Stimmung bei. Und dass die Kleinen keinen Sinn für tiefsinnigeren Humor hätten, können die Betreuer so nicht bestätigen. Wenn die Frage, ob der Ball mit der Hand getragen werden soll, mit „wenn du kannst, auch mit dem Kopf“ beantwortet wird, entlockt das den Kleinen schon mal ein verschmitztes Grinsen.
Ganz und gar keinen Spaß verstehen die Bambini-Kicker, wenn es um ihr Lieblingssspiel geht. Nein, nicht Fußball, aber ein anderer Klassiker: „Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann?“ darf in keiner Stunde fehlen, das hat Joerg Geyer schon gelernt — wie so manches zwischen „Wie lenke ich den Bewegungsdrang in halbwegs geordnete Bahnen“ und „Wann können Kinder endlich alleine Schuhe binden?“.