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Nach „Rot“ gewürgt

Obmann listet brutale Übergriffe auf Schiris auf - 27.01. 13:00 Uhr

HÖCHSTADT/BAMBERG  - Die Gewalt auf den Fußballplätzen nimmt immer weiter zu. Schiedsrichterobmann Günther Reitzner hat eine erschreckende Bilanz über den bisherigen Ablauf der Saison 2011/12 im Spielkreis Bamberg/Bayreuth-Kulmbach vorgelegt.

„Rudelbildung“ ist keine Erfindung der Fußball-Neuzeit, wie dieses Bild von der WM 1958 dokumentiert: Der ungarische Schiedsrichter Istvan Zsolt stellt „Unschuldslamm“ Erich Juskowiak vom Platz und wird von einem Spielpulk umringt. Fritz Walter (links) und „Ertl“ Erhardt (rechts) sind auch beteiligt.
„Rudelbildung“ ist keine Erfindung der Fußball-Neuzeit, wie dieses Bild von der WM 1958 dokumentiert: Der ungarische Schiedsrichter Istvan Zsolt stellt „Unschuldslamm“ Erich Juskowiak vom Platz und wird von einem Spielpulk umringt. Fritz Walter (links) und „Ertl“ Erhardt (rechts) sind auch beteiligt.
Foto: Schirner
„Rudelbildung“ ist keine Erfindung der Fußball-Neuzeit, wie dieses Bild von der WM 1958 dokumentiert: Der ungarische Schiedsrichter Istvan Zsolt stellt „Unschuldslamm“ Erich Juskowiak vom Platz und wird von einem Spielpulk umringt. Fritz Walter (links) und „Ertl“ Erhardt (rechts) sind auch beteiligt.
„Rudelbildung“ ist keine Erfindung der Fußball-Neuzeit, wie dieses Bild von der WM 1958 dokumentiert: Der ungarische Schiedsrichter Istvan Zsolt stellt „Unschuldslamm“ Erich Juskowiak vom Platz und wird von einem Spielpulk umringt. Fritz Walter (links) und „Ertl“ Erhardt (rechts) sind auch beteiligt.
Foto: Schirner

Ihr ist zu entnehmen, dass die Tätlichkeiten und schweren Exzesse von Spielern, Trainern, Vereinsmitarbeitern und Zuschauern gegenüber den Unparteiischen nicht nur in Oberfranken, sondern bayernweit erheblich zugenommen haben.

Dazu nannte Reitzner einige Beispiele aus den heimischen Fußball-Teilkreisen. So wurde einem jungen Referee nach Spielende von einem Fußballer in die Beine getreten. Platzordner des Vereins waren nicht anwesend. Der Schiedsrichter musste die Polizei selbst rufen.

Ein Pfeifenmann wurde von einem Spieler gewürgt, weil er vorher zwei Feldverweise verhängt hatte. Nachdem ein älterer Unparteiischer geschlagen wurde und darauf zu Boden ging, wurde mit den Füßen auf ihn eingetreten. Nach dem Spiel ging der Schiri zum Duschen in die Kabine. Vorher kam eine nicht ermittelte Person in die Umkleidekabine und streute Pfeffer in die Unterhose des Pfeifenmannes.



Bei einem Bamberger Hallenturnier wurde einem jungen Schiedsrichter nach einer Zeitstrafe von einem Trainer der Notizblock aus der Hand geschlagen. In einer anderen Halle randalierten Zuschauer derart, dass die Turnierleitung das Spiel abgebrochen hat.

Hier noch einige Tatbestände außerhalb des Spielkreises: Ein maskierter Mann kam nach dem Spiel in die Kabine des Schiedsrichters und schlug diesen so heftig, dass er zur stationären Behandlung in ein Krankenhaus eingeliefert werden musste. Ein anderer wurde niedergeknüppelt und kam auf die Intensivstation, wo von den Ärzten ein Blutgerinnsel im Kopf festgestellt wurde. Der Verdacht, dass der Geschädigte erblindet, ist sehr groß.

Wegen der zunehmenden Gewalt auf vielen Sportplätzen ist vom Bayerischen Fußballverband in Oberfranken ein „runder Tisch“ mit den Verbands- und Vereinsfunktionären vorgesehen, um diesem Problem entgegenzusteuern. Letztlich haben nach den Auswüchsen viele Schiedsrichter in jüngster Zeit ihre Tätigkeit beendet. Die Folgen sind personelle Engpässe in einigen SR-Vereinigungen.

Wie Reitzner in seinem Bericht bilanziert, „wird der Referee von vielen Zuschauern als notwendiges Übel betrachtet. In Wahrheit ist er jedoch ein wertvoller und unverzichtbarer Teil des Spiels.“ Der Ausruf „Schiri ans Telefon“ ist so alt wie der Fußball. Doch diejenigen, die ihn leichtfertig ausbrüllen, sollten sich, so der Obmann, besser nach dem Motto orientieren: „Nicht meckern, sondern pfeifen.“ 



df

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