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Nicht alle kannten wohl den Modus. Gespielt wurde mitnichten nach Europapokalregeln, so dass am Sonntagmittag die Tordifferenz über den Finalteilnehmer entscheiden musste. Trotzdem gingen bereits zehn Minuten vor Schluss erstaunlich viele der 1500 Zuschauer nach Hause, obwohl ihr kleiner Club zu diesem Zeitpunkt lediglich einen Treffer brauchte. Um sich ins Elfmeterschießen zu retten.
Zum Elfmeterschießen kam es nicht mehr. 2:0 hatte die U17 des 1. FC Nürnberg am Mittwochabend überraschend beim VfB Stuttgart gewonnen und sich somit eine glänzende Ausgangsposition für das Halbfinalrückspiel geschaffen. Doch irgendwie schien sie der Zwischenstand nach 80 von insgesamt 160 Spielminuten eher zu hemmen als zu beflügeln; die Nürnberger, so wirkte es jedenfalls, wollten vor allem ihren Vorsprung verteidigen. „Die Angst, etwas verlieren zu können“, wollte Rainer Zietsch, der Leiter des Nachwuchsleistungszentrums, spätestens erkannt haben, als kurz vor der Pause das 0:2 passiert war.
Alles wieder offen also – und mit etwas Verspätung nahmen plötzlich auch die Nürnberger aktiv teil am Geschehen. Verlieren konnten sie jetzt nicht mehr viel, was wohl etwas Druck wegnahm. Als Kapitän Niklas Stark per sehenswerter Direktabnahme der Anschlusstreffer gelang, war der Club wieder im Finale – aber eben nur für eine Minute. Das 1:3 fiel einfach zu schnell. „Für mich war das der Knackpunkt“, sagte Trainer Tobias Zölle, der seine Enttäuschung gut verbergen konnte. Etlichen Spielern gelang das nicht; nach dem Schlusspfiff flossen viele Tränen.
Denn selbst nach dem 1:4 zehn Minuten vor Schluss hätte es noch klappen können mit der Realisierung ihres großen Traumes. Die Schlussphase geriet einigermaßen turbulent, weil der Club mit dem Rücken zur Wand plötzlich mutig Fußball spielte. Und viel Pech hatte. Tobias Weber traf die Latte, der unermüdliche Pascal Itter den Innenpfosten. Statt 2:4 und Elfmeterschießen gab es Stuttgarter Freudentänze und bekannte Gesänge, die sie sich irgendwo abgeschaut haben müssen.
„Wir haben heute die Tore gemacht und besser verteidigt als am Mittwoch“, sagte Stuttgarts Trainer Thomas Schneider, der unlängst bei Dieter Hecking in Nürnberg hospitierte. Letztlich entscheidend aber war ein deutliches Plus an individueller Qualität auf dem Platz; einen wie Ausnahmestürmer Timo Werner, der tatsächlich erst 16 ist und noch ein Jahr in der U17 seines VfB auflaufen darf, haben die Nürnberger nicht, obwohl der Jahrgang 1995 durchaus ein Versprechen auf die Zukunft ist. Der eine oder andere aus seiner Mannschaft habe durchaus das Potenzial für eine Profi-Karriere, glaubt auch Zietsch und dürfte damit vor allem die beiden Juniorennationalspieler Pascal Itter und Niklas Stark gemeint haben. Solange sie sich nicht verrückt machen lassen.
Enttäuschung pur: VfB schockt die Club-Junioren
Dafür hatten sie zuletzt den perfekten Trainer. Tobias Zölle lebt mit seiner angenehm ruhigen Art vor, dass es auch im Jugendteam eines Bundesligisten vorrangig um Aus- und Fortbildung geht, natürlich auch um die Vermittlung von Werten. „Wir können trotz allem zufrieden sein“, lobte Zölle seine doch bitter enttäuschten Talente, „wir haben eine klasse Saison gespielt.“ Und in Stuttgart am Mittwochabend immerhin ein gutes Halbfinale, das zweite ging klar an den VfB.
Doch wer weiß schon, wofür das gestrige 1:4 eines Tages noch gut sein wird. „Es gehört auch zur Ausbildung junger Spieler“, sagte Zölle noch, „mit solchen Niederlagen umzugehen.“
Do. 13.06.13
Mo. 03.06.13
Mo. 03.06.13
Sa. 01.06.13
Fr. 31.05.13