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Olli Kahn war stärker

Die Geschichte des ASV-Fußballers Thomas Mayer - 19.01. 16:00 Uhr

NEUMARKT  - Seit Sommer spielt der Allgäuer Thomas Mayer beim Landesligisten ASV Neumarkt. Der Aufstieg in die Bayernliga wäre für ihn eine Rückkehr in höhere Fußballgefilde. Der Verteidiger war bereits Profi – und will in Neumarkt noch einmal durchstarten.

14000 Zuschauer im Burghauser Stadion, Liveübertragung in der ARD, Mayer tritt an, und... Kahn hält.
14000 Zuschauer im Burghauser Stadion, Liveübertragung in der ARD, Mayer tritt an, und... Kahn hält.
Foto: imago
14000 Zuschauer im Burghauser Stadion, Liveübertragung in der ARD, Mayer tritt an, und... Kahn hält.
14000 Zuschauer im Burghauser Stadion, Liveübertragung in der ARD, Mayer tritt an, und... Kahn hält.
Foto: imago

Wir schreiben das Jahr 2007. Es ist die erste Runde im DFB-Pokal, und erst das zweite Pflichtspiel des 23-jährigen Thomas Mayer für den Regionalligisten Wacker Burghausen. Der Neuzugang von Bayernligist TSV Aindling bekommt es heute mit echten Kalibern zu tun: Hamit Altintop, Philipp Lahm und Christian Lell versuchen es immer wieder über den rechten Flügel. Doch Mayer, der linke Verteidiger, hält dagegen. Wie auch seine Teamkameraden. Der FC Bayern München lässt vor 14000 Zuschauern in der Wacker-Arena den Ball so schnell wie eine Flipperkugel zirkulieren. Doch wie es das Pokalgesetz will, hat Wacker eine Chance – und geht 1:0 in Führung. Miroslav Klose kann zwar in der zweiten Hälfte per Kopf ausgleichen, doch Burghausen zwingt den Rekordmeister in die Verlängerung und schließlich ins Elfmeterschießen.



Der letzte Schütze ist: Thomas Mayer. Wenn er verschießt, ist Wacker draußen. Mayer schießt, Olli Kahn hält und rennt schreiend über den Platz, als hätte er gerade die Champions League gewonnen. „Ich habe ihn gar nicht so schlecht platziert, aber ein bisschen zu schwach geschossen“, sagt Mayer im Januar 2012. Seine Trauer hält sich in Grenzen, zumal er Bayern-Fan ist, und: „Den entscheidenden Elfer hat ja der vor mir versemmelt.“ Er resümiert: „Was bleibt, ist die Erinnerung an ein starkes Spiel von uns.“ Er tauscht mit Christian Lell – heute Hertha Berlin – das Trikot. Ein paar Monate später erfährt er, dass sich nach dem Bayern-Spiel der 1.FC Nürnberg, der Hamburger SV und einige Zweitligisten nach ihm erkundigt haben. „Das macht mich heute noch stolz.“ Ein paar Jahre später, als Spieler des ASV Neumarkt, registriert er, dass es der Zenit seiner kleinen, feinen Fußballerkarriere war. Denn: Nach sechs weiteren Spielen für Wacker verletzt sich Mayer so schwer am Knie, dass er für elf Monate ausfällt.

Mal in und mal out

Die Rückkehr ins Team gelingt, er wird sogar erneut Stammspieler. Doch nach dem Trainerwechsel von Ingo Anderbrügge im ersten Jahr auf Günter Güttler im zweiten ist Mayer plötzlich out, in und wieder out. Das zweite Jahr – Burghausen ist mittlerweile Drittligist – vergeht zwischen Tribüne und Stammplatz, je nach Trainer.


Ohne Fernsehkameras in der Landesliga: Thomas Mayer beim ASV.
Ohne Fernsehkameras in der Landesliga: Thomas Mayer beim ASV.
Foto: Etzold
Ohne Fernsehkameras in der Landesliga: Thomas Mayer beim ASV.
Ohne Fernsehkameras in der Landesliga: Thomas Mayer beim ASV.
Foto: Etzold

Er wechselt zum SSV Reutlingen in die Regionalliga, doch kurz nachdem er dort seinen Vertrag verlängert, meldet der Verein Insolvenz an, alle Kontrakte werden aufgelöst. Für Thomas Mayer beginnt eine schwere Zeit. Als er beim Bayernligisten TSV Gersthofen kickt, erinnert sich ASV-Spieler Michele Rinchiuso im vergangenen Sommer an den alten Weggefährten aus Aindlinger Zeiten.

„Er hat Andy Speer gefragt, ob ich mal mittrainieren könnte, der war natürlich begeistert“, erinnert sich Mayer. Beiratsmitglied und Sponsor Johann Pröpster ist es auch – und Mayer arbeitet seither Vollzeit in der Versandabteilung von dessen Blitzschutzfirma. Der in Schwabmünchen geborene Mayer hat in der Reutlinger Zeit an der Fernuni Sportmanagement studiert und darf sich jetzt Sportfachwirt nennen.

Seit Sommer wohnt er mit Rinchiuso in der Nürnberger Südstadt in einer Wohngemeinschaft. Sonntags jobbt er zusätzlich in der Redaktion des kicker Sportmagazins – und schreibt über die Zweite Bundesliga. Hier schließt sich auch ein kleiner Kreis: Mayers Vater hat es als Schiedsrichter bis in diese Liga geschafft.

Bei 100 Prozent Fitness ist Mayer beim ASV bislang aber noch nicht wieder angelangt. „Es kamen immer wieder Folgeverletzungen nach der schweren Knie-OP. Die Zeit in Burghausen war definitiv die erfolgreichste, doch jetzt bin ich wieder in der Spur.“

Die Anstellung bei einem Landesligisten ist für ihn dennoch kein Abstieg, ganz im Gegenteil: Die Aussicht auf die Bayernliga juckt ihn extrem. „Beim ASV gefällt‘s mir wahnsinnig gut, das Team hat eine hohe Qualität und der Charakter stimmt.“ Die Bayernliga, so betont er, wäre nicht nur ihm wichtig, sondern dem ganzen Verein.
  



VON MARTIN SCHANO

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