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SC Adelsdorf am Boden zerstört

Bittere Niederlage gegen neun Röthenbacher Türken - 24.06.2012 20:49 Uhr

ADELSDORF  - In Polen und in der Ukraine wird der Fußball zurzeit hofiert und vermarktet, richtig „gelebt“ wurde er aber am Sonntag in Weingarts: Nach der verrückten, hoch emotionalen 5:6 (2:2, 2:2)-Niederlage im Relegationsspiel gegen den Türkischen SV Röthenbach waren die Kicker des SC Adelsdorf am Boden zerstört, der Gegner feierte mit seinen letzten Kräften den nicht mehr für möglich gehaltenen Verbleib in der Kreisliga.

Die Arbeit einer ganzen Saison war umsonst: SCA-Trainer Otmar Bayer konnte sich nicht erklären, warum sein Team gegen neun Türken den Sack nicht zu machen konnte.
Die Arbeit einer ganzen Saison war umsonst: SCA-Trainer Otmar Bayer konnte sich nicht erklären, warum sein Team gegen neun Türken den Sack nicht zu machen konnte.
Foto: Spörlein
Die Arbeit einer ganzen Saison war umsonst: SCA-Trainer Otmar Bayer konnte sich nicht erklären, warum sein Team gegen neun Türken den Sack nicht zu machen konnte.
Die Arbeit einer ganzen Saison war umsonst: SCA-Trainer Otmar Bayer konnte sich nicht erklären, warum sein Team gegen neun Türken den Sack nicht zu machen konnte.
Foto: Spörlein

Das Team von der Pegnitz erinnerte an eine Katze mit ihren neun Leben: Schon in die Relegation kam es nur glücklich, weil der SK Lauf II zwangsabsteigen musste. Dann nach dem 4:2 gegen Hetzles am Mittwoch meldeten sich zahlreiche Stammspieler verletzt ab, andere standen angeschlagen auf dem Rasen. Trainer Ahmet Calik: „Ich hatte auf der Bank nur Leute aus der Zweiten, denen ich ein riesiges Kompliment machen muss.“

Und dann dieser Spielverlauf: Mehrere Male schien „Türkisch Röthenbach“ geschlagen zu sein. Denn der SCA schien dort anzuknüpfen, wo er vergangene Woche beim 4:0 gegen die SpVgg Erlangen II aufgehört hatte: mit einem Sturmlauf.

Kurze Freude übers 1:0


Kapitän Christoph Rösch, der schon in der 1. Minute einen schönen Flankenlauf gestartet hatte, besorgte in der 13. Minute das 1:0, als er von der Mittellinie bis zum 16er fast unbehelligt durchziehen konnte und von dort per Aufsetzer traf (13.). Schon da bewies der TSV erstmals seine an diesem Nachmittag schier unbezwingbare Moral: Nur eine Minute später nutzte Okan Özdemir einen Stellungsfehler von Sebastian Wölfel aus spitzem Winkel zum 1:1, auch Ersatzkeeper Patrick Kretschmann (Stammtorwart Christian Enk ist im Urlaub) sah nicht richtig gut aus.

Aber das schien nur ein „Betriebsunfall zu sein“, denn die Adelsdorfer gaben nicht nur in punkto Lautstärke auf den Rängen klar den Ton an, sondern marschierten auch auf dem Feld weiter. Fast zwangsläufig fiel denn auch das 2:1 durch Florian Weller nach schöner Hereingabe von Youngster Sebastian Schäferlein (20.).

Doch abermals patzte die sonst so gute SCA-Abwehr in der 33. Minute, als nach einer Ecke der Ball lange in der Luft war, drei Gelb-Schwarze eigentlich gut standen, aber nur Tarkan Güner hoch stieg und zum erneuten Ausgleich einköpfte. „Solche blöden Tore haben wir die ganze Saison nicht kassiert“, klagte hinterher Trainer Otmar Bayer.

Zur Pause stand es somit 2:2 – und wer von den etwa 600 Zuschauern geglaubt hatte, es könne kaum noch turbulenter zugehen, sah sich getäuscht. Tore sollten zwar die nächsten 75 Minuten (plus etwa zehn in der Nachspielzeit) nicht mehr fallen, aber dennoch wurde die Dramatik für beide Seiten fast unerträglich.

Zunächst verzweifelten die Adelsdorfer Anhänger, weil beste Chancen nicht ins Tor wollten: Ein Freistoß des eingewechselten Michael Kaufmann klatschte an den Pfosten (55.), dann scheiterten Pascal Benes und Rösch nacheinander aus aussichtsreicher Position.


Der Turm in der Abwehrschlacht: Torwart Hasan Uzun (hier gegen den Adelsdorfer Florian Weller) hielt Röthenbach lange im Spiel und wurde im Elfmeterschießen zum Helden.
Der Turm in der Abwehrschlacht: Torwart Hasan Uzun (hier gegen den Adelsdorfer Florian Weller) hielt Röthenbach lange im Spiel und wurde im Elfmeterschießen zum Helden.
Foto: Niko Spörlein
Der Turm in der Abwehrschlacht: Torwart Hasan Uzun (hier gegen den Adelsdorfer Florian Weller) hielt Röthenbach lange im Spiel und wurde im Elfmeterschießen zum Helden.
Der Turm in der Abwehrschlacht: Torwart Hasan Uzun (hier gegen den Adelsdorfer Florian Weller) hielt Röthenbach lange im Spiel und wurde im Elfmeterschießen zum Helden.
Foto: Niko Spörlein

Es folgte ein (vermeintlicher) Knackpunkt der Partie: Der starke Osman Cepni, schon vorbelastet, wollte Johannes Götz beim Vormarsch zunächst stoppen, zog dann aber zurück, berührte den jungen Adelsdorfer aber trotzdem ganz leicht, woraufhin dieser außer Tritt geriet. Die folgende Ampelkarte, die Schiedsrichter Michael Schmitt (VfL Dobenreuth) zückte, war seine einzige wichtige Entscheidung, über die man diskutieren konnte, sonst bot er eine konzentrierte Leistung.

Der Türkische SV – ohnehin läuferisch unterlegen – war nun eines wichtigen Defensivstrategen beraubt. Das Tor zur Kreisliga stand weit offen für den SCA, der in der regulären Spielzeit, der kurz darauf durch Weller das 3:2 auf dem Fuß hatte, sich aber zwei Minuten später bei Kretschmann bedanken musste, der mit einer tollen Parade einen Schuss von Ibrahim Boz entschärfte.

Einen Bärendienst erwies in der 87. Minute Atakan Aytekin seinem Team, als er nach einem Adelsdorfer Foul zuerst vehement „Gelb“ für den Gegner forderte, woraufhin ihm Schmitt zurecht selbst den Gelben Karton unter die Nase hielt. Der anschließende höhnische Applaus brachte ihm den Platzverweis ein.

Die gesamte Verlängerung – nun bei stürmischem Wind und Dauerregen – rannte der SCA an, aber meist planlos. „Pech und Unvermögen gepaart“ sah da Coach Bayer. Alexander Triebel traf die Latte, Dominik Leuner den Pfosten, Weller denselben, zudem avancierte TSV–Keeper Hasan Uzun zum Helden des Röthenbacher Anhangs.

Und so schafften es die neun tapferen Türken tatsächlich ins Elfmeterschießen, wo sie schon wieder fast „tot“ waren, als Routinier Fatih Kanber neben das Tor zielte. Aber dann scheiterte als letzter der fünf Adelsdorfer Schützen ausgerechnet Kapitän Rösch. Nun drückten sich einige sonstige Leistungsträger, stattdessen sollte Ersatzkeeper Kretschmann ran, was diesen ziemlich zu überraschen schien. Fast ohne Konzentrationsphase musste er anlaufen – sein Kollege Uzun hatte die Ecke geahnt und parierte. Der Rest ging im Jubel unter.


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Bittere Niederlage gegen den Türkischen SV Röthenbach

Bayer erwies sich als guter Verlierer: „Wir haben heute einfach nicht unsere Leistung abgerufen: zu langsam, zu wenig über die außen – vielleicht waren es auch die Nerven. Jetzt müssen wir eben nächste Saison wieder angreifen.“

Außer sich vor Freude war sein Gegenüber Calik: „Wir haben heute sehr viel Glück gehabt und gekämpft wie die Löwen, aber Gott war auf Seiten von denen, die benachteiligt wurden. ich bin stolz auf mein Team.“

SCA: Kretschmann - Wölfel, Triebel, G. Wildenauer, Götz - Leuner, Benes, Lausen, Rösch - Schäferlein, Weller (Einwechselspieler: Kaufmann, Mönius, P. Wildenauer). 

VON HOLGER PETER


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