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So dauerte die Schlüsselszene des Spiels nicht wie sonst nur Bruchteile einer Sekunde, sondern war für die Heimelf quälende sechs Minuten lang.
Sie begann mit dem leichtsinnig-pomadigen Ballverlust von Oliver Skuza im Mittelfeld, der zum 1:1-Ausgleich durch Ersoy Sezer nach Querpass von Akin Bölük führen sollte, und endete mit dem herrlichen Freistoß von Bölük aus rund 20 Metern, der den Ball aus halbrechter Position mit dem rechten Fuß an der Forchheimer Mauer vorbei ins rechte untere Toreck zum 2:1 zirkelte. Jahn-Keeper Rüdiger Beck blickte beeindruckt dem Ball hinterher. Und — flugs — schon war aus der lange Zeit ungefährdeten 1:0-Führung der Gastgeber, die vor allem auf der Harmlosigkeit des Gästeangriffs beruhte, ein 1:2 geworden.
Besonders bitter aber waren auch die vier Minuten zwischen den Gegentoren für den Jahn gewesen, in denen Forchheim das einzige Mal im ganzen Spiel defensiv ins Schwimmen geriet. Aber auch, weil der sonst umsichtige Schiedsrichter Roman Potemkin anstelle des roten verblüffenderweise nur den gelben Karton gegen Berkan Caglar zückte, der zuvor stümperhaft Senad Bajric getreten hatte, der bereits am Boden lag, und den er unmittelbar zuvor gefoult hatte.
„Das 1:1 war irgendwie der Knackpunkt“, fand Michael Hutzler trotzdem hinterher enttäuscht. Im weißen Trainingsanzug mit verschränkten Armen stand der Jahn-Coach enttäuscht im beginnenden Nieselregen. Zwar hatten ihm mit Tobias Ulbricht, Hendrik Hassa und Max Bauernschmitt gleich drei Leistungsträger gefehlt — bei Ulbricht war die kurzfristige, berufliche Absage besonders bitter, weil Hutzler sich „bis 13 Uhr“ noch über dessen Zusage gefreut hatte. Eine Ausrede wollte der Trainer aber nicht daraus machen. Mutig sprach er von einer „ganz und gar nicht unerwarteten Siegchance“. Sein Kader sei „breit genug, wir können diese Ausfälle kompensieren. Aber wir wussten auch, dass die unheimlich spielstark sind.“
Die, damit war Dergahspor gemeint, tanzten unterdessen vor ihren Fans ausgelassen einen lustigen Siegertanz, dessen überschwängliche, allzu wirre Choreografie verriet, dass die Nürnberger alles andere als mit einem „Dreier“ in Forchheim gerechnet hatten. Und: So kreativ, wie da nun einige das Tanzbein schwangen, waren die Gäste auf dem Feld nur selten gewesen.
Einzig der pfeilschnelle Mustafa Jasarevic, der vor kurzer Zeit sogar noch in Forchheim Trainingsgast gewesen war, beschäftigte die linke Forchheimer Abwehrseite um Steffen Konrad fast minütlich.
„Sonst fiel denen doch lange Zeit nichts ein“, fand Hutzler — und hatte recht: Der Jahn stand, vor allem nach der kuriosen Führung durch Oliver Skuza, der einen Clausnitzer-Freistoß mit dem Knie unfreiwillig eingenetzt hatte (37.), ungemein tief, wollte die Räume eng machen und somit Dergahspor nicht zur Entfaltung kommen lassen. Das gelang hervorragend, die gut 180 Zuschauer sahen kaum Torchancen — allerdings auf beiden Seiten nicht. Turgay Karali, Nürnbergs Schlussmann und lautstarker Spielertrainer, parierte gegen Klaus Grütze (29.), ansonsten entschärfte Jahns Beck den Schuss von Mike Zander (31.), der starke Georg Neudecker — der übrigens mit dem FC Bamberg in Verbindung gebracht wird — klärte in Not vor Roman Drescher (33.).
Der Jahn verpasste es nach der Pause durch seinen Besten, Heiko Schaup, das 2:0 nachzulegen; der Mittelfeldspieler scheiterte zweimal aus der Distanz (50./52.), Neudeckers Schuss lenkte Karali gerade noch um den Pfosten (62.). Dann kam die 63. Minute und in deren Folge die einzigen echten Torchancen für Dergahspor — die der Gast eiskalt ausnutzte.
„Das ist heute ganz, ganz bitter“, fand Michael Hutzler knapp. Die sechsminütige Schlüsselszene, die hatte in der Miene des Trainers deutliche Spuren hinterlassen.
Jahn Forchheim: Beck; Konrad, Neudecker, Schmidt, Schmuck — Grütze (80. Kumpir), Schaup — Clausnitzer, List, Saffra (70. Feulner) — Skuza (64. Bajric).
Dergahspor Nürnberg: Karali; Mehmet Bilici, Mesek, Caglar, Drescher, Achmet, Zander, Sezer, Bölük, Ayhan Bilici (61. Akbolut), Jasarevic (88. Toran).
Schiedsrichter: Roman Potemkin (Friesen). Zuschauer: 180. Tore: 1:0 (37.) Skuza, 1:1 (63.) Sezer, 1:2 (69.) Bölük.
Sa. 18.05.13
Mi. 08.05.13
So. 05.05.13
Do. 02.05.13