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Es sind über 120 Kilometer, die Karsten Wettberg dreimal in der Woche ins Training fährt. Danach geht es wieder nach Hause, nach Elsendorf in Niederbayern. Als junges Talent nimmt man das auf sich, um bei einem großen Club den Durchbruch zu schaffen. Aber Wettberg ist 70 Jahre alt und Fußball spielt er schon lang nicht mehr.
Er ist Trainer des SV Seligenporten, dem mit 1400 Einwohnern kleinsten Ort der Regionalliga. „Mein Herz aber ist und bleibt für immer blau“, sagt Wettberg, der 1991 den TSV 1860 in die 2. Bundesliga führte, und heute noch für die Münchener nach Talenten späht. Für die „Sechzger“-Fans bleibt der kleingewachsene Stratege der „König von Giesing“.
Im April 2009 nutzte Karlheinz Wild, Chefreporter beim kicker und Macher beim SVS, seine hervorragenden Kontakte und holte Wettberg zu den „Klosterern“. So nennt sich die Elf aufgrund des gleichnamigen Zisterzienser-Klosters im Ort. Sie kämpfte gegen den Abstieg in die Landesliga. Wettberg rettete Seligenporten und führte es zwei Jahre später auf Platz sechs und damit in die Regionalliga. Nach 14 Spielen hält der Höhenflug an: Platz zwei, erst vier Niederlagen.
Weil die U23 des 1. FC Nürnberg Dritter ist, kam es am Sonntag im Frankenstadion zum Spitzenspiel — Seligenporten war streng genommen Favorit. Was Karsten Wettberg vor der Partie Angst machte: „Wir wussten, was in unserer Lage auf uns zukommt.“
Und er behielt recht: Wie beim Tennistraining gegen eine Betonwand rannten und schossen die Nürnberger unermüdlich auf das Seligenporter Tor. Nur der Ball hatte sich, vielleicht mit himmlischem Beistand, vorgenommen, nicht ins Tor zu fliegen. Karsten Wettberg grantelte hinterher über die Ballverluste und über das Pokalspiel, das am Mittwoch anstehe — hatte aber trotzdem wieder einmal gewonnen: 1:0, Bernd Rosinger, 76. Minute.
Womit das kleine Seligenporten, das einen großen Teil des Saisonetats mit einem Freundschaftsspiel gegen den FC Bayern deckelte, um ein Kapitel in der Vereinsgeschichte reicher wäre. „Dass wir hier gegen den Club gewinnen, haben wir natürlich nicht erwartet. Und dass wir da oben stehen, erst recht nicht. Vor allem, wenn man unsere Bedingungen kennt“, sagte Wettberg nicht ohne Stolz.
Dabei sind die Bedingungen besser, als bei vergleichbaren Dorfclubs: ein neues Stadion mit 7500 Plätzen, mit Alexander Maul einen 36-jährigen Ex-Profi in der Verteidigung, einen seriösen Macher, dessen Vorbild Uli Hoeneß’ solides wirtschaftliches Arbeiten ist.
Wettberg ärgert etwas ganz anderes: „Dreimal in der Woche zu trainieren ist zu wenig. Fünfmal müsste es sein.“ Selbst wenn er dann knapp 500 Kilometer mehr mit dem Auto in der Woche zurückzulegen hätte. Doch das wäre es dem „König von Giesing“ mit dem kleinen SV Seligenporten offenbar wert.
Mo. 20.05.13
Mi. 01.05.13
Fr. 17.05.13
Fr. 17.05.13