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Anna Mitgutschs neuer Roman

Die Autorin stellt ihr Buch "Wenn du wieder kommst" in Fürth vor - 03.11. 15:02 Uhr

FÜRTH  - Von der Wiedergeburt einer alten Beziehung handelt der neue Roman von Anna Mitgutsch. Am 13. November gastiert sie im Rahmen der „Les-Art“ im Kulturforum Fürth.


Anna Mitgutsch.
Anna Mitgutsch.
Foto: Felbert
Anna Mitgutsch.
Anna Mitgutsch.
Foto: Felbert

In einem Flugzeug nach Israel hatte sie ihn vor 35 Jahren kennengelernt, den amerikanischen Juden Jerome. Sie redet deutsch und hat eine Adresse in England. Sie ist nur sechs Jahre jünger als der noch mitten im Krieg Geborene und rechnet sich schon zu einer nächsten Generation, den Hippies. Immer ging es ihr vor allem um Eigenständigkeit. Nach all den Abenteuern treibt sie nun die Vertrautheit wieder zurück. — Willkommen im Klischee. Der neue Roman der österreichischen Weltbürgerin Anna Mitgutsch quillt über von Versatzstücken. Die verbindet sie, indem sie auf der Stelle tritt, wobei sie ihre namenlose Protagonistin hin und her jetten lässt zwischen den Kontinenten.

Fast 20 Jahre waren sie verheiratet, seit 15 Jahren sind sie geschieden. Nun treffen sie sich wieder in Boston und planen einen Neubeginn. Fast hätte es geklappt, doch da erreicht sie die Nachricht von seinem Tod. Fast wären sie am Ende dieses Paar gewesen, das sie am Beginn sein wollten. Fast glücklich war sie an jenem Wiederanfangstag im April gewesen, weil sie sich geliebt fühlte. Fast alles in diesem Roman ist ein „Fast“. Das wirkt in der Summe vor allem gewollt.


Jeder von beiden hatte ganz dezidiert sein Leben geführt. Ihres bestand aus Bücherschreiben und Unterwegssein, viel mehr erfährt man nicht; seines aus ortsgebundenen pragmatischen Fantastereien. Letztlich hatte er ihre monatelange Abwesenheit nicht mehr ertragen und die Scheidung gefordert. Dann schaffte er sich eine Schar von Ersatzfrauen an, war ein bürgerbewegter Anwalt zerzauster Underdogs, deren Gerüche sich im Haus mit dem der aufgenommenen streunenden Tiere mischten. Was nach dem endgültigen Ende bleibt, sind zwei papierene Figuren, von denen behauptet wird, sie hätten sich unterwegs verloren, weil sie das Abenteuer des Begehrens nicht über die Zeit retten konnten.

„Eine neue Form der Ehe wollten wir führen, anders als unsere Eltern“, und anders als die stillschweigend Tragödien ertragenden Freunde ringsum. Und natürlich bleibt uns bei der Skizze solcher Besonderheit auch der Vergleich mit Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir nicht erspart.

Ungeschickte Stilisierungen kennzeichnen diesen Roman, der sich mit seinen im weinerlichen Ton hingebreiteten Luxusproblemen querlegt beim Lesen. Die Frau ist zum Begräbnis ins gemeinsame Haus bei Boston zurückgekehrt. Sie möchte gern die Witwe sein, wird aber als solche nicht akzeptiert. So erträgt sie das Defilee der Freunde und Verwandten, versucht sich der Tochter wieder zu nähern, die sie einst dem Mann überlassen hatte, findet überall im Haus seine Spuren und führt am Rande der Trauergesellschaft imaginäre Gespräche mit ihm. Hier vielleicht misslingt der Roman am frappierendsten: Die Erzählerin redet unentwegt von Jerome und doch ergibt das kein Bild. Alles ist wie ein Spuk, durch den sie gespenstert. „Was ich auch sage, es klingt falsch, pathetisch und larmoyant.“ Eben! Bleibt also nur Kitsch?

Nicht ganz. Schön sind die Beschreibungen der US-Suburbs mit ihren von Malls und Megamärkten umstellten Containerhäusern, bemerkenswert die Bräuche der dort ansässigen Juden. Aber solche Schilderungen waren Anna Mitgutsch in Romanen wie „Haus der Kindheit“ oder „Familienfest“ auch eindringlicher gelungen.

Anna Mitgutsch: Wenn du wiederkommst. Roman, Luchterhand Verlag, München, 272 Seiten, 19,95 Euro.