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Sprachvielfalt in Mittelfranken

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Mittelfranken ist ein Dreiländereck. Nicht im politischen Sinne, aber im sprachlichen. Im Regierungsbezirk grenzen die drei großen süddeutschen Dialekte aneinander: Fränkisch, Schwäbisch und Bairisch.

Bairisch wird hier deshalb mit ai geschrieben (und nicht mit ay), weil damit nicht die Sprache im gesamten Freistaat gemeint ist. In Bayern wird nicht nur Bairisch gesprochen, sondern auch Fränkisch und Schwäbisch, außerdem, bei Aschaffenburg, Hessisch.

„Bairisch, Fränkisch und Schwäbisch bilden zusammen das sogenannte Oberdeutsche“, sagt Sibylle Reichel, Mitarbeiterin beim „Sprachatlas von Mittelfranken“. Oberdeutsch heiße deshalb so, weil Süddeutschland höher liegt als Norddeutschland.

Entsprechend werden die norddeutschen Dialekte zusammenfassend als „Platt" oder „Niederdeutsch“ bezeichnet. Dazwischen liegt in sprachlicher Hinsicht „Mitteldeutsch“, das aus Thüringisch, Sächsisch, Pfälzisch usw. besteht (siehe Bild).

Schwäbisch und Bairisch sind in Mittelfranken kaum in Reinform zu hören. Das Erlanger Forscherteam ist sich hierzu einig: „Es gibt wenig deutliche Grenzen, aber viele Übergangsgebiete.“ So wird zwischen Fürth und Hersbruck eine Mischung aus Fränkisch und Bairisch oberpfälzer Prägung gesprochen.

In der Gegend um Weißenburg ist daneben auch schwäbischer Einfluss zu hören. Beispielsweise sagt man hier bereits du hascht und du bischt für "du hast" und "du bist".

Für das Bairische gibt es „Kennwörter“, die in anderen Dialekten nicht vorkommen. Das sind zum Beispiel die Wochentagsnamen Ertag und Pfinztag für „Dienstag“ bzw. „Donnerstag“. Sabine Reif, die als freie Mitarbeiterin für das „Ostfränkische Wörterbuch“ in Bayreuth arbeitet, sagt zur Herkunft: „Ertag kommt vom Kriegsgott Ares, während Pfinztag auf das griechische Wort für „fünf“ zurückgeht“. Beide Kennwörter sind in Mittelfranken nur im äußersten Osten verbreitet, in der Oberpfalz und in Altbayern jedoch in großen Gebieten üblich.

Fränkisch in Reinform ist am ehesten in der Ansbacher, Neustädter und Höchstädter Gegend zu hören. Auch in Rothenburg spricht man Fränkisch, jedoch in einer Form, die dem Dialekt im östlichen Baden-Württemberg ähnelt.

Im äußersten Nordwesten Mittelfrankens, also in Steigerwaldorten wie Ippesheim oder Oberickelsheim wird bereits Unterfränkisch gesprochen. Hauptkennzeichen hierfür sind die endungslosen Grundformen (zum Beispiel du musst zahl oder wir können komm).

Aus der Vielzahl der Wörter, die der „Sprachatlas von Mittelfranken“ erforscht hat, sollen hier noch zwei Beispiele herausgegriffen werden. Erstes Thema ist der Kartoffelkloß. Steffen Arzberger von der Universität Erlangen fand heraus, dass es bei der Beilage zum Braten wichtige sprachliche Unterschiede gibt: „Im Norden Mittelfrankens sagt man entweder Klöß (z.B. Glees) oder Knödelein (meist Gniidla), je nach Gegend.“ Im Süden dagegen werden Klöß aus rohen Kartoffeln gemacht, Knödel aber aus gekochten.

Interessant auch die Grußformeln. Auch hierzu hat Steffen Arzberger die Daten des „Sprachatlas“ ausgewertet. Wenn sich Einheimische grüßen (und zwar nur Einheimische untereinander), so unterscheide sich die Grußformel in überwiegend katholischen Orten und überwiegend evangelischen Orten. Katholiken sagen eher Grüß Gott zueinander, während Lutheraner häufiger Guten Tag wünschen.

Solche Unterschiede kann man jedoch als Besucher nur zufällig erlauschen. Fremde werden auch in evangelischen Orten von den Bewohnern einheitlich mit dem in Süddeutschland üblichen Grüß Gott begrüßt.

Alexander Mang
29.12.2005 14:16 MEZ

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