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Attraktive Zukunft

Ein "Hidden Champion" im Herzen der Region - 07.07.2017 18:56 Uhr

Mit einer virtuellen Grundsteinlegung gab Siemens den Startschuss für das erste Moduls des Siemens Campus. © Harald Sippel


Und auch Thomas Braun, vor zweieinhalb Jahren aus München gekommener General Manager des entstehenden Siemens-Campus', hat sich seitdem von der Dynamik in Erlangen beeindrucken lassen. Er präsentierte den Gästen im Vortragssaal des "Himbeerpalastes" den neu zu entwickelnden Stadtteil und entlockte dem Ausschussvorsitzenden Dirk Brückner aus München bewundernde Worte: "Ich bin fasziniert, mit welcher Geschwindigkeit das hier passiert."

Natürlich wissen die Erlanger selbst um die positiven Seiten ihrer Stadt. Matthias Hubert, stellvertretender Ausschussvorsitzender und Geschäftsführer der Sontowski-Gruppe, plauderte aus dem Nähkästchen, als er meinte, in der Immobilienwelt sei Erlangen "schon lange kein weißer Fleck mehr auf der Landkarte", sondern werde als Chancenregion wahrgenommen und "für die hier vorherrschenden Standortvorteile sehr geschätzt".

Die Gründe aus seiner Sicht? Wissenschaft und Forschung beflügeln Wirtschaft und innovative Technologien, die Vernetzung mit international agierenden Top-Arbeitgebern sowie ein prosperierender Mittelstand sind – in Kombination mit Lebensqualität und fränkischer Bodenständigkeit – die Garanten für eine attraktive Zukunft. Dass dann auch noch Oberbürgermeister Florian Janik mit launigen Worten die positiven Seiten der Stadt mit grünem Klee überzog, krönte den Auftritt eines für viele aus fremden bayerischen Landen tatsächlich noch eher unbekannten Stars unter den deutschen Städten.

Der Zukunftsblick auf den "maßstabssprengenden" (Braun) Campus von der Größe der Erlanger Innenstadt beeindruckt selbst Erlanger Insider immer wieder aufs Neue. Superlative sind damit verbunden. So wird der Siemens-Campus in Erlangen – als "visionär, urban und nachhaltig" gepriesen – der erste CO2-neutrale Standort des Konzerns weltweit. Braun: "Ein Aushängeschild." Und auch das hat es noch nie gegeben: einen offenen Standort auf 540 000 Quadratmetern (vergleichbar 75 Fußballfeldern) ohne Begrenzung, ein echter Stadtteil mit Restaurants, Geschäften und Dienstleistung, einem Hotel und Wohnbebauung – und mittendrin Büros für 10 000 bis 20 000 Siemens-Beschäftigte.

Das nach einem Wettbewerb beauftragte Frankfurter Architekturbüro KSP Engel sieht darin einen "Dreiklang aus Funktionalität, Wirtschaftlichkeit und Langlebigkeit", Seehofer gar einen "Leuchtturm bayerischer Zukunftskraft". Die Nachhaltigkeit wird u. a. gewährleistet durch den mit den Stadtwerken vereinbarten Bau eines eigenen Blockheizkraftwerks.

Weite Wege

Die bisherige Realität des Geländes aus Siemens-Sicht: geschlossen und abgegrenzt, weite Wege, weder mit nahem Hotelangebot noch mit Nahversorgung. Künftig wird das 54 Hektar große Grundstück anders genutzt: 300 000 qm für Büros, Hotel, Konferenz und Nahversorgung, 170 000 für Wohnen und 70 000 als Optionsfläche. Der städtebauliche Wettbewerb und die Baurechtsabwicklung sind längst gelaufen, derzeit wird am ersten der sieben Module – das Büros und Parkhäuser umfasst – gearbeitet. So geht es in Vier-Jahres-Schritten weiter, bis von 2025 bis 2030 die Wohnbebauung folgt. Braun: "Wir haben dann einen offenen Campus mit direkter Anbindung an S-Bahn und StUB, eine hohe Aufenthaltsqualität durch Einrichtungen des täglichen Bedarfs und Erholungsmöglichkeiten durch attraktive Grün- und Freibereiche." Daneben soll durch die Ansiedlung von Forschungseinrichtungen und Start-Ups die Innovationskraft, die vom Campus ausgeht, gestärkt werden.

Die Frage, wo im verplanten Gelände denn die von Siemens signalisierten Flächen für den Ausbau der Technischen Fakultät ihren Platz finden könnten, beantwortete Braun eher zurückhaltend: "Wir reagieren auf entsprechende Anforderungen." Braun sah Möglichkeiten im östlichen Bereich. Das musste als Antwort genügen. Ein für die breite Öffentlichkeit eher unbekanntes Wesen ist wohl auch der Wirtschaftsbeirat Bayern, Veranstalter des Meetings. Er sieht sich als rechtlich selbstständiger, branchenübergreifender und "politisch unabhängiger" Berufsverband, der – da wird es auf der Homepage deutlich – "politische Entscheidungen beeinflussen und Wegweiser für die Politik sein" will. In welche Richtung? Er wurde 1948 als Wirtschaftsbeirat der Union e. V. gegründet, sein Präsident ist der ehemalige CSU-Minister Otto Wiesheu und im Präsidium finden sich 17 CSU-Granden. Noch Fragen?  

UDO B. GREINER

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