Hilfe für Blinde: Auf vielen unserer Seiten können Sie durch den Sprung zum ersten Anker die gesamte Navigation überspringen und so direkt zum Inhalt gelangen.
Fingalshöhle bei Obernzenn-Sontheim ist ein bemerkenswerter Ort
OBERNZENN – Ist es eine Höhle oder ein Steinbruch? Handelt es sich um ein Kulturobjekt oder um ein Naturdenkmal? Die Fingalshöhle unweit der Straße Obernzenn-Sontheim ist von allem etwas und vor allem eines: ein bemerkenswerter Ort mit einer eigentümlichen Ausstrahlung.
Aus den Steinbrüchen dieser Gegend mit der Flurbezeichnung «Sontheimer Holz» sind einst die Quader vieler Bürgerhäuser im weiten Umkreis und auch die Steine für die Windsheimer Stadtbefestigung herausgestemmt worden.
In eine der Wände aus düsterrotem Schilfsandtsein haute man einen Felsenkeller, der erst einer Urfersheimer Brauerei und später einem Bauern aus Sontheim als Lagerkeller diente.
Zu Zeiten des Dreißigjährigen Krieges wie auch der Napoelonischen Feldzüge soll das Gelände vom Militär als Quartier und von den Bewohnern umliegender Ortschaften als Versteck genutzt worden sein.
Im ausgehenden 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts zog es immer wieder adlige Gesellschaften aus Schloß Obernzenn hinaus an den idyllischen Platz mit seiner Kellerhöhle unter dem Laubdach von Eichen und Buchen.
Das romantische Gelände entwickelte sich zu einem beliebten Ausflugsziel für die Sommerfrischler aus gehobenen Kreisen. Der sentimentalen Hinwendung zur Natur und einem gewissen Sinn fürs Mystische in der heraufziehenden Epoche der Romantik verdankt der Ort seine fremdklingende Bezeichnung:
Der Steinbruch bezieht seinen Namen von einer Gestalt der irisch-schottischen Sagenwelt und der Ossiandichtung. Abgeleitet wurde er von der sagenumwobenen Fingalshöhle auf der Hebrideninsel Staffa, einer mächtige Basaltgrotte. Daß es im Wald bei Obernzenn keine Höhle gab, tat den Schwarmgeistern keinen Abbruch.
Seckendorff, Guttenberg, Truchseß, Rotenhan und wie die Adelsgeschlechter heißen – alle haben sie in dem aufgelassenen Steinbruch ihre Spuren hinterlassen: Zur Erinnerung an eine fröhliche Landpartie ließ man damals Namen und Jahre in die geglätteten Felswände hauen.
Somit dokumentieren die Buchstaben und Zahlen, die heute noch zu entziffern sind, das Lebensgefühl der gehobenen Gesellschaft um 1800.
Zwei der Inschriften sind in französischer Sprache gehalten. Zum einen hat sich «Bondu», ein künstlerisch begabter Kanonier von Napoleons Truppen, am 2. Mai 1806 im Stein verewigt. Zum anderen findet man dort einen Nachruf auf Hauptmann Vollrath von Erckert. Auftraggeber für das ehrende Gedenken war wohl ein Verwandter, der damals im Dienst der Obernzenner Seckendorff stand.
Hauptmann von Erckert befehligte ein Regiment, das der Ansbacher Markgraf Alexander an den König von England für den Einsatz im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg vermietet hatte. Die fränkischen Söldner hatten den Auftrag, die britischen Truppen gegen die aufständischen Siedler zu unterstützen.
Am 16. Oktober 1777 fiel der Kompaniechef bei der Schlacht von Montgomery. In die Felswand der Fingalshöhle ist eingemeißelt: «Sein Andenken ist tiefer eingegraben im Herzen seiner Witwe, als sein Name auf diesem Stein».