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Der Sigi, sagte Franz Schäfer, „der hat sein ganzes Leben ja noch vor sich“, weshalb sich der Sigi auch bereit fühle für große Aufgaben. Der Sigi heißt Siegfried Schneider und ist einer von drei gewählten Präsidialen des 1.FC Nürnberg – noch. Zur Jahresmitgliederversammlung am 6. Oktober scheidet er ebenso aus dem Amt wie sein Kollege als Vizepräsident, Lothar Schmauß, und wie Präsident Schäfer selbst. Es wird ein großer Zapfenstreich am Valznerweiher, wo man so etwas ja oft genug erlebt hat. Kühne Personalrochaden, kleine Hausrevolutionen, Interimskönige, Reichsverweser; das „C“ im Vereinsnamen stand jahrzehntelang auch für Chaos.
Diesmal ist das anders. Der Wechsel ist gewollt und mit einer Mehrheit, die man sonst nur aus Volkskammerwahlen kommunistischer Apparate kennt, abgesegnet worden: 93,3 Prozent der Vereinsmitglieder stimmten vor einem Jahr für eine Strukturreform, die der weiteren Konsolidierung des Vereins dienen soll. Mit Schäfer endet nach 110 Jahren die Ära der ehrenamtlichen Präsidenten, künftig übernimmt ein hauptberuflicher Vorstand, bestimmt vom wiederum von den Mitgliedern gewählten Aufsichtsrat, die Geschicke des Fußball-Clubs. Schäfer, 73 Jahre alt, tritt wie Schmauß ganz ab, nur Jungspund Sigi kandidiert noch für den Aufsichtsrat – Schneider ist ja erst 60.
Dem Vorstand können bis zu drei Personen angehören, vorerst bleiben es zwei: Sportdirektor Martin Bader und Finanzchef Ralf Woy, bisher berufene hauptamtliche Vizepräsidenten, wechseln formal die Rollen, inhaltlich ändert sich nichts - abgesehen von der Vertragslaufzeit, die wiederum von der neuen Satzung vorgegeben ist. Mindestens drei, maximal fünf Jahre sollen es sein, weshalb Baders Vertrag vom Aufsichtsrat um ein Jahr bis 2013 verlängert worden ist, der von Woy um vier Jahre bis 2015.
„Eine kontinuierliche Weiterarbeit ab 6. Oktober ist damit gesichert, der Verein wird sich noch mehr als bisher auf die Vorstandsmitglieder verlassen müssen“, meint Klaus Schramm, der noch für ein Jahr dem Aufsichtsrat vorsteht. Ab 2011 wählen die Mitglieder den Vorsitzenden dieses Gremiums direkt, größer wird es schon am 6. Oktober – nämlich von bisher sechs auf neun Personen erweitert.
Wie viel Konfliktpotenzial dieses Votum birgt, lässt sich schwer einschätzen. Noch bis nächsten Mittwoch kann jedes Vereinsmitglied kandidieren. Dann erst wird man die Zahl der Bewerber kennen – und auch deren Beweggründe, die erfahrungsgemäß ein breites Spektrum abdecken. Wichtigtuerei und Geltungsdrang zählen ebenso zu den Motiven wie Verantwortungsbewusstsein oder manchmal bloß Langeweile.
Drei Kandidaten haben das noch amtierende Präsidium und der Aufsichtsrat am Mittwoch offiziell vorgestellt: den bisherigen Vize Schneider, den IHK-Vizepräsidenten Harald Leupold, Geschäftsführer der Hafen Nürnberg-Roth GmbH und bisher ehrenamtlicher Vereinsbeirat, sowie einen Mann, der als „Held von Essen“ im Verein noch heute eine Berühmtheit ist.
Ex-Torwart Manfred Müller, dessen Elfmeterparade an der Essener Hafenstraße dem Club 1978 den ersten von sieben Wiederaufstiegen bescherte, ist der prominenteste Bewerber. Mit dem FC Bayern München war Müller später zweimal deutscher Meister und stand 1982 im Finale um den europäischen Meisterpokal. 1984 kehrte er ins Management des 1.FC Nürnberg zurück und half einmal, im November 1986, sogar noch als Bundesliga-Torwart aus; heute betreibt der im Fußball gut vernetzte Müller eine erfolgreiche Fernsehproduktionsfirma.
Die durchaus etwas überstürzte offizielle Präsentation des (nicht anwesenden) Kandidaten-Trios gestern – die Einladung ereilte Journalisten erst wenige Stunden zuvor – ließe auf die Eröffnung eines kleinen Wahlkampfes schließen; diesen Eindruck indes wollten Schäfer und Schramm vermeiden. Nachdem sich Präsident und Vize Schmauß zum künftigen kompletten Amtsverzicht entschlossen hatten, sollten offenbar lediglich keine Personaldebatten wuchern. „Wir freuen uns, wenn sich die Mitgliederversammlung unserem Vorschlag anschließt“, sagt Schramm; selbstverständlich obliege die Entscheidung aber den Mitgliedern, „es steht jedem Bewerber frei, sich bis zu diesem Abend zu präsentieren.“
Eine Petitesse ist die Wahl nicht, die Qualität des (aufgewerteten) Aufsichtsrats entscheidet mit über die Perspektiven des Clubs. Das Votum ist auch Signal für 2011, wenn dann sechs Aufsichtsratsposten neu zur Wahl stehen. Das Kontrollgremium hat zuletzt mit einigen Persönlichkeiten an Qualität gewonnen, diese Entwicklung soll weitergehen – möglichst weit weg vom „C“ wie Chaos.
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