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Boeing setzt sich weiter von Airbus ab

Messe in Farnborough als Sprungbrett - 11.07.2012 12:00 Uhr

Am Dienstag kündigte der zu General Electric gehörende Flugzeugfinanzierer Gecas einen Auftrag über 75 Exemplare der "MAX" und 25 herkömmliche 737-NG an.

Am Dienstag kündigte der zu General Electric gehörende Flugzeugfinanzierer Gecas einen Auftrag über 75 Exemplare der "MAX" und 25 herkömmliche 737-NG an. © dpa


Nach dem Erfolg des auf Spritsparen getrimmten Airbus A320neo ein Jahr zuvor sammelte Boeing nun seit Beginn der Messe Kaufabsichten für 170 Exemplare des Konkurrenzmodells Boeing 737-MAX ein. Airbus konnte indes einen Punktsieg bei den Langstreckenmaschinen vermelden: Die Fluggesellschaft Cathay Pacific will gleich 26 Mal die Langversion des Großraumjets A350 bestellen. Und der kanadische Flugzeugbauer Bombardier präsentierte einen neuen Kunden für seine C-Serie.

Die Aktien der Unternehmen reagierten unterschiedlich auf die Nachrichten. Für die Titel der Airbus-Mutter EADS ging es bis zum Dienstag Nachmittag um 0,39 Prozent auf 28,405 Euro nach unten. Boeing-Papiere legten dagegen um 0,82 Prozent auf 74,64 US-Dollar zu.

Der Verkaufserfolg von Airbus beschränkte sich am Dienstag auf den in Aussicht gestellten Großauftrag aus Hongkong. Cathay Pacific wandelt eine bestehende Order über 16 Maschinen der Standardversion A350-900 in Bestellungen für die Langversion um und will außerdem zehn weitere A350-1000 haben.

Laut Preisliste haben die zehn zusätzlichen Maschinen und der Wechsel zur Langversion einen Gesamtwert von 4,2 Milliarden Dollar (3,4 Mrd Euro). Airbus hat inzwischen zwar schon 548 Exemplare der A350 verkauft, die 2014 erstmals ausgeliefert werden soll. Für die Langversion haben sich allerdings erst 62 Kunden fest entschieden.

Bei Boeing waren es wie schon am Montag Leasinggesellschaften, die Großaufträge in Aussicht stellten. Die General-Electrics-Tochter Gecas will 75 Exemplare der 737-MAX-8 sowie 25 herkömmliche 737-800-NG bestellen. Laut Preisliste haben die Maschinen einen Gesamtwert von fast 9,3 Milliarden US-Dollar.

Allerdings sind bei Flugzeugen Nachlässe im zweistelligen Prozentbereich üblich. Die Finanzierungsgesellschaft Alafco aus Kuwait kündigte eine Order über 20 Exemplare der "MAX" mit einem Listenpreis-Wert von 1,9 Milliarden Dollar an. Bereits am Montag hatte der Flugzeugfinanzierer ALC 75 Exemplare der "MAX" bestellt und sich Kaufoptionen auf weitere 25 Jets des Typs gesichert.

Außerdem bereitet die US-Fluggesellschaft United Continental angeblich einen Auftrag über 100 "MAX"-Maschinen vor. Dies erfuhr die Nachrichtenagentur Bloomberg von mit der Sache vertrauten Personen. Eine Bekanntgabe wird allerdings erst für Donnerstag erwartet.

Boeing kommt inzwischen auf 549 Festbestellungen für die "MAX", weitaus weniger als die gut 1.400 Aufträge für den Airbus A320neo. Beide Flieger sollen dank neuer Triebwerke und neuartiger Flügelenden deutlich weniger Treibstoff verbrauchen als ihre Vorgänger. Boeing hatte nach dem Airbus-Erfolg im vergangenen Sommer mit der Entwicklung der "MAX" nachgezogen.

Jetzt will Boeing vor mit einer größeren Reichweite seiner Flieger punkten. Die "MAX" soll je nach Ausführung gut 6.500 Kilometer weit fliegen können. Das sind bis zu 1.000 Kilometer mehr als bei der herkömmlichen 737-NG, wie der Marketingmanager des 737-MAX-Programms, Joe Ozimek, sagte. Nach Darstellung von Programmchefin Beverly Wyse könnte die Langversion 737-MAX-9 in den meisten Fällen sogar den betagten Langstreckenjet 757 ersetzen.

Mit der Ankündigung einer spritsparenden Neuauflage seines Verkaufsschlagers 737 hatte Boeing im vergangenen Jahr auf den Markterfolg von Airbus reagiert. Deren A320neo soll 15 Prozent weniger Treibstoff verbrauchen als die herkömmliche A320. Beide Hersteller sehen ihren neuen Jet im Vergleich mit dem Konkurrenten vorne.

In das Segment der Mittelstreckenjets mit 100 bis 149 Sitzen drängt auch der kanadische Hersteller Bombardier. Die lettische Fluggesellschaft Air Baltic kündigte jetzt eine Order über zehn Exemplare der Bombardier C-Serie in der Version CS300 an. Außerdem sicherte sich das Unternehmen eine Kaufoption über zehn weitere Flieger des Typs. Bombardier will die C-Serie im Jahr 2013 erstmals ausliefern, Air Baltic ist Ende 2015 an der Reihe.

Auch Chinesen und Russen arbeiten an eigenen Mittelstreckenfliegern. Die Auslieferung der MC-21 des russischen Konsortiums UAC und die C919 des chinesischen Herstellers Comac sind für 2016 angekündigt. 

dpa

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