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Bunte Fantasiewelten auf Zeit

Bühnenmaler arbeiten mit Kreativität und Muskelkraft - 03.08.2013

Ein bunter Ausbildungsplatz: Vera Simon wird Bühnenmalerin. © Roland Fengler


Der Vorhang im Theater hebt sich. Wir finden uns in einem fremden Raum, einer vielleicht abstrakten Landschaft, wieder und beginnen, Handlung und Ort als eine Einheit zu sehen. Wenn das gelingt, dann hat das auch mit der Fantasie derjenigen zu tun, die lange vor dieser Vorstellung aktiv wurden: den Bühnenmalern. Sie setzen die Konzepte der Bühnenbildner um, schaffen die perfekte Illusion, zaubern alles hervor, was für die Inszenierung gebraucht wird – von Schlammböden über Paläste bis hin zur florentinischen Landschaft .

„Da steckt neben Kreativität auch harte Arbeit und viel Technik drin“, weiß Vera Simon. Die 20-Jährige wird gerade in den Werkstätten des Staatstheaters Nürnberg zur Bühnenmalerin ausgebildet. Wie in jedem Handwerksberuf muss auch sie zuerst die Grundlagen lernen, bevor sie große Bühnenprospekte mit Landschaftsmotiven verantwortlich gestalten darf.

Kommt man in die riesigen, hellen Hallen, die in den ehemaligen Fabrikgebäuden der MAN an der Frankenstraße untergebracht sind, sieht man große Flächen aus Holz oder Leinwand, die geschnitten, gehobelt, gespachtelt oder bemalt werden. Es riecht intensiv nach diesem Material – auch nach Farbe. Zwischendurch erklingt Musik. Wagner…

Fingerübungen am Rokoko-Portrait

Konzentriert arbeitet jeder an seinem Platz. Vera hält gerade ein Selbstportrait von Maurice Quentin de La Tour, einem Künstler des französischen Rokoko, in ihrer Hand. Besser gesagt, eine kleine gerasterte Kopie, die sie auf etwa zwei Quadratmeter vergrößern soll. Eine Fingerübung. Zunächst zeichnet die Auszubildende die Linien mit einem großen Kohlestab vor, dann verwendet sie Farbe für die Flächen. Die Kohle-Linien werden später wieder verwischt. Die junge Frau arbeitet supergenau, Pinselstrich für Pinselstrich nähert sie sich der Vorgabe an.

Natürlich hilft Vera aber auch schon mit, wenn Bühnenbilder entstehen. Da sind Malen und Zeichnen, außerdem Spachteln, Schleifen und Tapezieren angesagt. Im 400 Quadratmeter großen Malersaal werden dann letzte Handgriffe getätigt, wird von einer Galerie aus, also aus einer Entfernung, aus der später der Zuschauer auf die Bühne schaut, das Kunstwerk genau inspiziert, um eventuell noch korrigieren zu können.

Später, im Opern- oder Schauspielhaus, ist dann neben Fantasie und Technik auch Muskelkraft nötig. „Schwach oder zimperlich darf man in diesem Beruf nicht sein“, stellt Vera fest. „Die einzelnen Teile sind oft schwer und beim Malen bleiben schon einmal Farbe, Granulat und anderes an Kleidung und Händen kleben. Das muss man aushalten.“

Bühnenmaler als perfekte Mischung

„Es ist aber auch cool, wenn man beim Aufbau auf und hinter der Bühne dabei ist. Man sieht die ganze Technik, die sich einem als Zuschauer ja nicht erschließt“, so die Auszubildende. „Eines muss man jedoch wissen, weil ja viel Herzblut in jeder dieser Arbeiten steckt: Ein Bühnenbild ist vergänglich. Wenn eine Inszenierung nicht mehr läuft, wird es sozusagen entsorgt.“ Dennoch ist Vera von ihrem Beruf begeistert „Ich wollte ein Handwerk erlernen, aber auch etwas Kreatives tun. Bühnenmaler ist die perfekte Mischung!“ Die Ausbildungsvergütung sei für sie außerdem in Ordnung. Azubis verdienen derzeit 783,70 Euro im ersten und 951,44 im dritten Jahr. Ab 2014 werden es 806,82 beziehungsweise 979,51 Euro sein.

Bühnenmaler und Bühnenplastiker (in diesem Beruf bildet das Staatstheater ebenfalls aus) sind artverwandte Berufe. In den ersten beiden Jahren lernen die Azubis gemeinsam, danach erfolgt eine Spezialisierung auf eine Fachrichtung. Jeder Auszubildende besucht insgesamt zwölf Wochen im Jahr die Gewerbeschule Baden-Baden.

Voraussetzung für einen Ausbildungsplatz ist eine abgeschlossene Berufsausbildung, gerne Mittlere Reife, Vera Simon hat Abitur. Hilfreich ist immer ein Praktikum. Auch technisches Verständnis beziehungsweise gute Noten in Mathematik und Physik sind unumgänglich. Doch Vera beruhigt: „Grundkenntnisse ja, aber komplizierte mathematische Berechnungen sind nicht erforderlich. Gott sei Dank!“ Für Ihre Vorstellung beim Staatstheater hat sie aber verschiedene Arbeiten angefertigt. Zum Beispiel Bleistiftzeichnungen oder Ölbilder. Eine wohlsortierte Mappe ist also für ein Bewerbungsgespräch wichtig.

Leider böten die Theater nicht allzu viele freie Stellen an, blickt Vera in die Zukunft. Dennoch ist die junge Frau zuversichtlich: „Man muss eben flexibel sein und in die Stadt ziehen, in der ein Bühnenmaler gebraucht wird.“

Es gibt allerdings weitere Ausbildungsplätze und Stellen bei Fernsehanstalten, Filmproduktionen, in Bildhauer- und Malerateliers sowie in Ausstattungsbetrieben. Zusatzqualifikationen kann man in Baden-Baden erwerben, auch in Dresden besteht an der staatlichen Fachhochschule die Möglichkeit, ein Studium für Bühnenmaler oder Bühnenplastiker zu beginnen.
 

Weitere Infos zum Beruf:

Anfragen an das Staatstheater: info@staatstheater.nuernberg.de
(ab 12.September).

www.buehnenverein.de

www.gewerbeschulebaden-baden.de 

Elisabeth Porzner-Reuschel/Nürnberger Zeitung

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