Mittwoch, 14.11.2018

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«Debakel geht weiter“

Letzte Zwangsarbeiter warten weiter auf ein Mahnmal - 02.08.2006

Wie ein Trichter hängt das geplante Mahnmal „Transit“ — hier eine Simmulation — in die U-Bahnstation Plärrer. Foto: Distler


noch lebenden - Zwangsarbeiter auf ein sichtbares Zeichen der Stadt Nürnberg. Nach anerkannten Forschungsergebnissen waren in Nürnberg rund 100 000 Zwangsarbeiter vor allem aus Osteuropa in die Frankenmetropole verschleppt und hier nicht nur in zahlreichen Firmen, sondern auch bei der Stadt selbst gegen ihren Willen zu Arbeit verpflichtet worden (wir berichteten mehrfach).

Im Zuge der Diskussion über die Entschädigung von Zwangsarbeitern in ganz Deutschland hatten sich Firmen aus Nürnberg wie auch die Stadt zu ihrer Verpflichtung bekannt. Doch während es für die Vertriebenen seit Jahren bereits ein Mahnmal gibt, fehlt ein Hinweis auf das Schicksal der Zwangsarbeiter bis heute.

Mittlerweile gibt es zwar einen Vorschlag für eine Erinnerungsstätte. Nach einem künstlerischen Wettbewerb hatte der Münchener Bildhauer Professor Hermann Pitz den Zuschlag für sein beeindruckendes Werk «Transit“ bekommen. Es soll im U-Bahnhof Plärrer auf mehreren Ebenen installiert werden. An dieser Stelle hatten sich die Zwangsarbeiter vor Jahrzehnten häufig getroffen. Der Entwurf Pitz’ besteht aus einer sechs Meter hohen Trichterform, die aus etwa 10 000 Aluminiumfiguren zusammengesetzt ist.

Doch an der U-Bahn-Station muss vor der Installierung zunächst der Brandschutz und ein zweiter Aufzug nachgerüstet werden, heißt es nun aus der Bauverwaltung für die jüngste Kulturausschusssitzung. «Der Künstler wurde aufgefordert, seinen Entwurf den neuen technischen Erkenntnissen anzupassen.“ Er soll auch die Kosten, die auf 50 000 Euro gedeckelt sind, auflisten, «um weitere Planungssicherheit zu erreichen“. Das Ergebnis soll im Oktober dem Ausschuss vorgelegt werden. Und zum weiteren Zeitplan: Die Realisierung des Kunsterwerkes könne «nur parallel zu den Brandschutznachrüstungen bei der U-Bahn ab Mitte 2007 erfolgen. Fertigstellung voraussichtlich bis Ende 2007“.

Als Ryszard Kotlinsky nun von dieser weiteren Verzögerung im fernen Dänemark erfuhr, vergrößerte sich seine Wut und Enttäuschung noch. Der 82-Jährige war in Nürnberg als Zwangsarbeiter ab 1942 eingesetzt. Zusammen mit Rob Zweerman hatte er sich - auch in einem Briefwechsel mit Oberbürgermeister Ulrich Maly - wiederholt für ein Mahnmal eingesetzt. «Das Verschiebungs-Debakel geht weiter“, klagt der ehemalige Zwangsarbeiter. Er wartet bis heute auf ein Zeichen für das erlittene Unrecht. Kotlinsky zweifelt nun an dem Respekt der Stadt für die Betroffenen. «Uns wird etwas vorenthalten“, schreibt er den Nürnberger Nachrichten. «Dieses Gefühl werde ich behalten: Bis zu meinem Begräbnis oder zur Enthüllung des Mahnmals. Je nachdem, was da zuerst kommt.“ 

ANDREAS FRANKE

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