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Die nächsten Talente für Nürnbergs Jugend-Club

Roussel Ngankam und Noah Korczowski wollen so schnell wie möglich Bundesliga-Profis werden - 10.07.2012 22:16 Uhr

Oberstaufen  - Ein Ausbildungsverein, sagt Martin Bader, wolle man nicht ausschließlich sein beim 1. FC Nürnberg. In letzter Zeit war man allerdings vor allem: ein Ausbildungsverein. Julian Schieber, Philipp Wollscheid oder Ilkay Gündogan — sie alle haben erst in Nürnberg richtig Karriere gemacht, jetzt spielen sie bei den Großen der Bundesliga-Branche. Auch deshalb findet man potenzielle Nachahmer im Jahrgang 2012/13.

Roussel Ngankam (links) und Noah Korczowski, beide 18 Jahre jung, wollen so schnell wie möglich Bundesliga-Profis werden.
Roussel Ngankam (links) und Noah Korczowski, beide 18 Jahre jung, wollen so schnell wie möglich Bundesliga-Profis werden.
Foto: Sportfoto Zink / JüRa
Roussel Ngankam (links) und Noah Korczowski, beide 18 Jahre jung, wollen so schnell wie möglich Bundesliga-Profis werden.
Roussel Ngankam (links) und Noah Korczowski, beide 18 Jahre jung, wollen so schnell wie möglich Bundesliga-Profis werden.
Foto: Sportfoto Zink / JüRa

Javier Pinola, das zur Beruhigung aller Javier-Pinola-Fans, ist immer noch wichtig, obwohl er jetzt auch schon ein bisschen alt geworden ist beim 1. FC Nürnberg. Er könne sich, das hat der 29-Jährige kürzlich erklärt, durchaus vorstellen, seinen Vertrag beim 1. FC Nürnberg zu verlängern. Der 1. FC Nürnberg, das hat jetzt Sportvorstand Martin Bader erklärt, könne sich seinerseits durchaus vorstellen, den Vertrag mit Javier Pinola zu verlängern. Sie sind also noch immer bereit, der Erfahrung ihren Platz zu geben beim Club. Dabei hatte man ja zuletzt denken können, der 1. FCN bestehe bald nur noch aus Jugend.

Aus der Not eine Tugend gemacht


Mit Michael Oenning hat das einst alles begonnen. Mitten in der Aufstiegssaison 2008/09 verpflichteten Oenning und der Club drei Junioren-Nationalspieler. Dennis Diekmeier, Marcel Risse und Stefan Reinartz standen damals noch nicht für ein Konzept, dass sie einen Platz in der Mannschaft bekamen, war eher finanziellen Nöten geschuldet. Gut ausgegangen ist das damals trotzdem, der Club stieg auf, Risse, Diekmeier, Reinartz und — mit etwas Verzögerung — Ilkay Gündogan entwickelten sich zu begehrten Bundesliga-Spielern.

Seitdem vergeht kaum ein Trainingslager des 1. FC Nürnberg, in dem nicht irgendwann zwei oder mehr schüchterne junge Fußballer erzählen sollen, warum sie beim 1. FC Nürnberg ihre Chance suchen. Diesmal waren es Roussel Ngankam und Noah Korczowski, die sich im Trainingslager in Oberstaufen vorstellen durften. Angreifer Ngankam spielte zuletzt noch für Hertha BSC, Innenverteidiger Korczowski beim FC Schalke 04. In Nürnberg haben sie sich getroffen, um Profis zu werden. „Wenn man Nürnberg hört, denkt man an junge Spieler“, sagt der 18-jährige Korczowski, der noch in der A-Jugend spielen dürfte. „Mich hat das Konzept in Nürnberg interessiert“, sagt Ngankam, ebenfalls 18 Jahre alt.

Das Ende der jugendlichen Begeisterung?

Ein Konzept ist es inzwischen tatsächlich, das sie da in Nürnberg haben. „Jeder muss sich seine Nischen suchen“, sagt Bader über die Bundesliga-Vereine. Für den Club, das glauben er und Dieter Hecking, geht es um die Überraschung. Darum, dass möglichst oft Spieler Karriere machen in Nürnberg, von denen man das nicht unbedingt erwartet. „Bei Chandler, Wollscheid und Schieber hat vorher auch keiner gesagt, dass Nürnberg mit denen aber Erfolg haben wird“, sagt Bader. Dann hatte Nürnberg einigermaßen Erfolg — und wurde mit seinem Jugend-Club berühmt.

Bilderstrecke zum Thema
Der 1. FC Nürnberg hat seine Zelte in Oberstaufen aufgeschlagen. Im ersten von zwei Trainingslagern bringt Dieter Hecking seine Mannschaft konditionell für die Saison 2012/2013 in Form. Verfolgen Sie in unserer täglich aktualisierten Bildergalerie, wie der Club-Tross im Allgäu arbeitet.




In der abgelaufenen Saison allerdings konnte man den Eindruck gewinnen, dass Nürnberg seinen Erfolg eher der Routine zu verdanken hat: Raphael Schäfer, Pinola, Hanno Balitsch, Timmy Simons waren wichtig in einer Rückrunde, die doch relativ lange auf der Kippe stand. Also das Ende der jugendlichen Begeisterung? „Der Eindruck täuscht“, sagt Hecking, „Didavi, Esswein, Pekhart, die sind doch alle jung.“ Sie waren gemeinsam mit Timmy Simons, dem ältesten Nürnberger, auch die besten Torschützen, allerdings waren und sind es auch Spieler, die nicht in einem der Jugendteams am Valznerweiher ausgebildet worden sind.

„Es gibt keine Garantien“

Markus Mendler und Julian Wießmeier, die beide aus Nürnbergs Jugend stammen, spielten hingegen keine große Rolle mehr, was bei Mendler allerdings auch mit einer Verletzung zu tun hatte. In Oberstaufen sind sie trotzdem wieder dabei. Von ihnen verlangt Hecking den nächsten Schritt. Dass demnächst mal wieder einem anderen Nürnberger Talent der erste Schritt gelingt, mag er nicht ausschließen. Sebastian Gärtner, Pascal Itter, Jann George, Besar Halimi oder Sinan Tekerci — es gibt schon einige aus dem eigenen Nachwuchs, denen Hecking eine Bundesliga-Karriere zutraut. „Wir zeigen ihnen Perspektiven auf“, sagt Hecking, „aber es gibt keine Garantien, dass sie in acht Wochen Bundesliga-Spieler sind.“

Diejenigen, die schon Bundesliga-Spieler sind, versuchen zu helfen, dass es vielleicht dennoch ganz schnell klappt. „Du musst mit den Jungen so umgehen, dass sie etwas lernen“, sagt Per Nilsson. Manchmal muss man aber auch einfach nur so mit ihnen umgehen, dass sie sich wohlfühlen. „Das freut einen natürlich“, sagt Ngankam — kurz zuvor hatte ihm Javier Pinola zu einer guten Trainingsleistung gratuliert. 


Logo 1. FC Nürnberg
Gründungsdatum:
04.05.1900
Mitgliederzahl:
über 14.000


Kurzbeschreibung:
Titel, Tränen und Triumphe: Der 1. FC Nürnberg blickt auf eine bewegte, mittlerweile über 113-jährige Geschichte zurück. Seine größten Erfolge feierte der Club in den "goldenen" 20er Jahren, als alleine fünf der insgesamt neun Meisterschaften gelangen. Bis in die 60er Jahre gehörte der Verein zu den ganz großen Namen des deutschen Fußballs. Doch mit dem erstmaligen Abstieg aus dem Oberhaus 1969 begann ein jahrzehntelanges Tief. Abstiege und Skandale prägten den Verein, der sich in dieser Zeit den Ruf einer Fahrstuhlmannschaft verdiente und 1996 gar in die drittklassige Regionalliga abstürzte. Erst im neuen Jahrtausend konsolidierte sich der Verein und knüpfte mit dem DFB-Pokalsieg 2007 an alte Zeiten an - sehr zur Freude der treuen und großen Anhängerschaft des FCN.

Deutscher Meister: 1920, 1921, 1924, 1925, 1927, 1936, 1948, 1961, 1968

DFB-Pokalsieger: 1935, 1939, 1962, 2007

Ein extra Themenarchiv mit "historischen" Berichten rund um den 1. FCN finden Sie unter dem Stichwort "Club-Geschichte(n)".

Der Club-Kader in der Saison 2012/13

Galerie Kader 1. FC Nürnberg 2011/12