Class="MsoPlainText" Nach dem
deutschen Überfall auf Frankreich unternahm Hitlers Architekt Albert Speer eine
Besichtigungsreise durch die besetzten Gebiete.
Class="MsoPlainText" Dabei wurde er auf große
Vorkommen besonders schönen roten Granits in den nördlichen Vogesen aufmerksam gemacht.
Gestein, aus dem nach Ansicht des NS-Baumeisters die größte Sportarena der Welt
entstehen sollte: Das Deutsche Stadion auf dem Reichsparteitagsgelände Nürnberg.
Class="MsoPlainText" Die Firma Deutsche Erd- und
Steinwerke (DEST) nahm diesen Hinweis von Speer begierig auf und bereitete den Abbau des
wertvollen Materials unverzüglich vor. Das Interesse der DEST an den Plänen des
Nazi-Baumeisters war nicht uneigennützig. Das Unternehmen gehörte zum Firmenimperium des
SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamtes. Mit den Deutschen Erd- und Steinwerken wollte sich
die SS die lukrativen Aufträge sichern, die beim Bau des Reichtsparteitagsgeländes in
Nürnberg vergeben wurden.
Class="MsoPlainText" Im Jahr 1940 beschloss
SS-Reichsleiter Himmler, neue Konzentrationslager zu eröffnen. Er erkundigte sich daher
bei Albert Speer, wo die besten Natursteinvorkommen lägen, die für die Bauvorhaben in
Nürnberg und Berlin benötigt wurden. Der Architekt konnte weiterhelfen. Neben den roten
Steinen aus Natzweiler richtete sich Speers Interesse besonders auf den blaugrauen Granit,
der in der Region um Groß-Rosen abgebaut wurde.
Class="MsoPlainText" Schon bald ließ die DEST
Proben aus den Steinbrüchen in Natzweiler und Groß-Rosen prüfen und schickte die
Ergebnisse nach Nürnberg. Die Qualität wurde in allen Fällen für gut befunden. Am 2.
August 1940 wurde das KZ Groß-Rosen eröffnet, im Frühjahr 1941 wurden die ersten
Häftlinge in Natzweiler interniert.
Class="MsoPlainText" Die SS-Wirtschaftsverwaltung
kontrollierte sechs Steinbrüche im Deutschen Reich. Dazu gehörten neben den genannten
Lagern in Groß-Rosen und Natzweiler auch Mauthausen und Flossenbürg. Die Namen der vier
Ortschaften gingen als Synonyme für berüchtigte Stätten des NS-Grauens in die
Geschichte ein.
Class="MsoPlainText" Ab 1941 bestellte die
Bauleitung des Reichtsparteitagsgeländes Granit aus Natzweiler. Nach einem Liefervertrag
vom 4. September 1941 sollte der gesamte Ausstoß an rotem Granit aus Natzweiler beim
Stadionbau in Nürnberg Verwendung finden. 1942 setzte die DEST monatlich 200 bis 300
Gefangene in den französischen Steinbrüchen ein. Die Häftlinge sollten jährlich
mindestens 25 000 Kubikmeter Granit abbauen. Dieses Produktionsziel war nur durch
besonders brutale Arbeitsbedingungen zu schaffen. Dabei wurden Tausende Gefangene nach dem
Prinzip "Vernichtung durch Arbeit" zu Tode geschunden.
Class="MsoPlainText" Dass KZ-Häftlinge aus
Mauthausen und Flossenbürg ebenfalls Steine für die Nazi-Bauten in Nürnberg brechen
mussten, galt bislang als gesichert.
Class="MsoPlainText" Neu ist allerdings die
Erkenntnis von Paul Jaskot, dass die SS ab Ende 1940 spezielle Steinmetzwerkstätten in
Flossenbürg einrichten ließ und dieses ebenfalls für die Lager Natzweiler, Groß-Rosen
und Mauthausen plante.
Class="MsoPlainText" Im Dezember 1942 arbeiteten in
Flossenbürg 1200 Gefangene als Lehrlinge oder voll ausgebildete Steinmetze. Insgesamt
wurden zu dieser Zeit 2238 Häftlinge innerhalb der SS-Unternehmen ausgebildet. Die
größte Zahl von Steinmetzen, die jemals in einer deutschen Firma beschäftigt war.
Class="MsoPlainText" Bei den Ausstellungsmachern
des "Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände" steht die Baugeschichte
des Nürnberger NS-Geländes schon jetzt im Mittelpunkt ihrer Museumskonzeption. "Die
Bahnbrechenden Forschungen des US-Kunsthistorikers unterstreichen diesen von uns gesetzten
Schwerpunkt", sagt Eckart Dietzfelbinger, Mitarbeiter des Doku-Zentrums. Für den
Historiker ist klar, dass Jaskot mit seinen Recherchen "historisches Neuland"
betreten hat. Eines versteht Dietzfelbinger allerdings nicht:
Class="MsoPlainText" "Warum hat sich bislang
noch kein hiesiger Historiker dieser Sache angenommen? Eigentlich ist das doch eine
Aufgabe der deutschen Forschung." Das "Dokumentationszentrum
Reichsparteitagsgelände" sucht noch Zeitzeugen. Ehemalige KZ-Häftlinge, die in den
genannten Lagern Steine brechen mussten, werden gebeten, sich mit den Museen der Stadt
Nürnberg, 90317 Nürnberg, Telefon (09 11) 2 31-56 66 in Verbindung zu setzen. Das Buch
von Paul Jaskot ist 1999 bei Routledge, London, unter dem Titel "The Architecture of
Oppression" erschienen. Der Band kostet zirka 60 Mark. |