Dienstag, 26.03.2019

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Ein Faible für neuere Lyrik aus Franken

Nach 40 Jahren macht Erna Hofmann ihren "Spätlese"-Verlag dicht – und nimmt einiges aus dieser Zeit mit - 26.10.2018 19:26 Uhr

Der „Spätlese“-Verlag (Slogan: „Buchkultur aus Franken“) war ein Ein-Frau-Unternehmen – und das Baby von Erna Hofmann. Über vier Jahrzehnte widmete sich die Nürnbergerin ganz den Themen, die ihr persönlich am Herzen lagen und liegen. Ihr Mann Hans Herbert unterstützte sie nach Kräften, er kümmerte sich vor allem um das Layout und die Gestaltung der Publikationen, dies oft mit einer sehr eigenen künstlerischen Handschrift. © Foto: Stefan Hippel


"Spätlese" ist ein Qualitätsprädikat für Wein, das auch sehr treffend die verlegerischen Absichten und Ziele der mittlerweile 80-jährigen Erna Hofmann beschreibt. Sie sieht sich als bescheidene Arbeiterin im kulturellen Weinberg, bei der die geistige Frucht lange reifen darf, bevor sie in die Kelter wandert. Dadurch wird zwar einerseits der Ernte-Ertrag erheblich verringert, andererseits aber allemal die Qualität erhöht. Die insgesamt relativ wenigen im "Spätlese"-Verlag veröffentlichten Bücher sind sogar mit dem vergleichbar, was der Winzer eine "Trockenbeerenauslese" nennt.

"Mit den Großproduzenten massentauglicher Informations- und Unterhaltungsliteratur hätte ich mich ja ohnehin nie messen können", sagt Erna Hofmann rückblickend. Also widmete sie sich ganz den Themen, die ihr persönlich seit jeher am Herzen liegen. Mehrheitlich sei das aus heutiger Sicht "Wertkonservatives und Identitätsstiftendes" gewesen. Während ihrer aktivsten Zeit in den 1980er und frühen 1990er Jahren habe sie das allerdings als durchaus zeitgemäß und fortschrittlich empfunden.

Mit ihrem Verlags-Slogan "Buchkultur aus Franken" meinte sie stets zu gleichen Teilen die Inhalte wie auch die äußere Form ihrer Produkte. Letztere wurden von Anfang an stark geprägt von der eigenwilligen künstlerischen Handschrift ihres Ehemannes Hans Herbert Hofmann. Das Grundprinzip von dessen Gestaltungsweise war noble Zurückhaltung, eine Art elegante Tiefstapelei. Bei ihm gab es keine Schutzumschläge auf Glanzpapier und keine knalligen Farben, sondern feste, glatte Papp-Einbände und minimalistische Titelgrafiken in diversen Grautönen. "Buchkäufer, die eine derartige Ästhetik anspricht, sind in der jüngsten Vergangenheit leider zusehens seltener geworden", sagt Hans Herbert Hofmann.

"Das ist schon sehr schade, denn gegründet habe ich den Verlag im Jahr 1979 in erster Linie, weil ich meine speziellen Interessen und Vorlieben mit möglichst vielen anderen Leuten teilen wollte", beteuert Erna Hofmann. Diese soziale Absicht veranschaulichen zum Beispiel ein Buch über Maler in Franken in der Zeit zwischen 1350 und 1950 oder ein literarischer Streifzug durch sieben Jahrhunderte Nürnberger Wein-Geschichte. Besonders viel Zeit und Liebe investierte das Ehepaar Hofmann in eine Reihe bibliophiler Editionen neuerer Lyrik aus Franken.

Originell illustriert

Es erschienen aufwändig ausgestattete und in allen Fällen höchst originell illustrierte Bände mit Gedichten von Robert Schopflocher, Inge Obermayer, Inge Meidinger-Geise oder Lucia Angela Camponovo. Die Illustratoren waren bekannte Künstlerinnen und Künstler aus der Region wie Manfred Hürlimann, Gertrude Lang oder Gerry Schmidt.

Zu den absoluten Lieblingen von Erna Hofmann gehört nach wie vor eine Veröffentlichung, die sich vom kaufmännischen Standpunkt aus betrachtet "eher als Flop erwiesen" hat. Es ist der großformatige Bildband "Dunkle Stunde" von Gerwald Panzer. Das Buch enthält 55 Reproduktionen nach Tuschezeichnungen, die in den 1940er Jahren in einem Kriegsgefangenenlager entstanden sind. Diese Dokumente einer verständlicherweise reichlich düster-pessimistischen Weltsicht sind nun wirklich nicht gerade das, was den Durchschnittsbuchkäufer spontan anspricht.

Doch ein einziges Mal gab es immerhin auch einen Bestseller aus dem "Spätlese"-Verlag: Eine Biografie des vorletzten Ansbacher Markgrafen Carl Wilhelm Friedrich, verfasst von Eugen Schöler und illustriert von Hans Herbert Hofmann, verkaufte sich so gut, dass das Drucken einer zweiten Auflage gewagt werden konnte. Dann wendete sich die Verlegerin sofort wieder weit weniger publikumswirksamen Themen zu.

Vier Jahrzehnte lang war sie nicht nur ihre eigene Chefin, sondern überdies Lektorin, Werbe- und Vertriebsleiterin, Buchhalterin, Packerin und Botin in einer Person. Auf die Frage, was ihr denn all dies am Ende eingebracht hat, antwortet sie sofort: "Sehr viel!" Da sei vor allem die Bekanntschaft und Zusammenarbeit mit vielen interessanten Menschen zu nennen, aber auch eine Art der Befriedigung, welche nur das eigene kreative Tun schenken kann.

@Buch-Restbestände zu stark reduzierten Preisen unter der Telefonnummer 09 11/35 45 05, E-Mail: mail@spaetlese-verlag.de 

BERND ZACHOW

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