Kinder haben einen anderen Bezug zum Garten als Erwachsene. Gepflegte Rabatten, kurz geschorener Rasen – damit können sie wenig anfangen. Nicht umsonst heißt eine Sentenz: „Entweder man hat einen schönen Garten oder glückliche Kinder“.
Vielfältig muss ein Garten sein, damit er Kindern gefällt. Ideal sind Gärten, die sich nicht gleich auf den ersten Blick erschließen. Mit Gebüsch, Spalier oder Pergola als leichtem Schleier lassen sich selbst in kleinen Gärten unterschiedliche Räume schaffen. So ist auch eine Gliederung in ruhigere und robuste Gartenbereiche möglich, damit Kinder und Erwachsene sich gleichermaßen dort wohlfühlen.
Ein Stückchen Wildnis brauchen Kinder: Wasser und Sand zum Spielen, Holz, Rinde und Steine, um kleine Burgen und Häuser zu bauen. Pflanzen zum Naschen oder für die Puppenküche sind wichtig, ein Teich für den Froschkönig wünschenswert, vielleicht auch eine kleine Weidenhütte, als Räuberhöhle oder Rückzugsort. Eine Wiese fasziniert mit Marienkäfern und Heuhüpfern – und mit langen Grashalmen, denen sich schrille Töne entlocken lassen. Im sporadisch gemähten Rasen wachsen Gänseblümchen, violette Braunellen und goldgelbe Löwenzahnblüten für selbst gepflückte Sträuße.
Geschickte Kinderfinger lernen rasch, einen der Blütenstiele zu schlitzen, einen zweiten hindurch zu ziehen, auch den zu schlitzen und einen dritten hindurch zu ziehen. Werden Anfang und Ende zusammengefügt, entsteht eine Krone für kleine Prinzen und Prinzessinnen. Noch herrlicher für Kinder sind Pusteblumen: Ganz sacht lässt sich ein Fallschirmchen nach dem anderen auf die Reise schicken, bis nur noch der kahle Knopf übrig ist. Mit ganz viel Puste starten alle auf einmal.
Viele Pflanzen fordern zum Spielen auf: Ahorn-Früchte, die als Nasenklemmer die Nase schmücken, Schneebeeren, die unterm Fuß knacken, Springkräuter, die in der Hand explodieren. Die raschelnden Samenstände der Jungfer in Grün oder der Akelei, die weichen Wollfäden der Clematis: Sie alle wecken die Fantasie und wollen berührt werden. Der Klatschmohn zählt sogar zu den uralten, heute fast vergessenen Kinderspielen. Er klatscht nämlich tatsächlich hörbar, wenn die fast geöffnete Blüte durch eine ruckartige Bewegung wie beim Peitschenknallen aufspringt.
Neben dem Spiel, hilft ein Garten auch beim Lernen von Geduld. Es dauert, bis aus den Blüten reife Kirschen geworden sind, und manchmal sind die Stare schneller als die Menschen. Es braucht auch Zeit, bis der Sonnenblumen-Sämling zum Zwei-Meter-Riesen heranwächst und damit der Kürbis zu einem dicken Ball wird. Spielerisch lernt das Kind, dass die lebendige Umwelt sich zwar beeinflussen lässt, aber doch ihren eigenen Gesetzen folgt.
Im Garten reifen auch die kindlichen Sinne. Gerüche drängen sich auf: der herbe Duft der Erde, der süße frisch gemähten Grases, der würzige Geruch der Ringelblume, der scharf-frische Duft der Minze oder das süße Aroma der Schokoladenblume (Cosmos atropurpurea).
Pflanzen können duften oder stinken. Tief drinnen im Gehirn, im Limbischen System, wird das gespeichert. Pflanzen fühlen sich sogar warm und kalt an, glatt und rau, weich und hart, seidig und wollig. Sie rascheln und rauschen, knistern und klappern. All diese Sinneserfahrungen vermitteln Kindern Geborgenheit in der Natur.
Pflanzen mit giftigen Inhaltsstoffen: Giftige Pflanzen wie Goldregen, Eisenhut und Engelstrompete sind grundsätzlich tabu für Gärten, in denen Kinder spielen. Attraktive giftige Früchte wie die Brombeeren ähnelnden Beeren des Wandelröschens oder die roten Beeren des Aronstabs werden ebenfalls entfernt. Aber Kinder müssen wissen, dass nicht alles in den Mund gesteckt werden darf, und sie müssen unterscheiden lernen.
Damit das gelingt, können mit zunehmendem Alter weniger gefährliche Arten wie Salomonsiegel, Torfmyrte oder die Altersform des Efeus als Lern- und Anschauungsmaterial in den Garten einziehen.
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