Dienstag, 13.11.2018

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Entscheidungen fällen, die alle im Team mittragen

Start-up stellt App im "Josephs" vor - 02.09.2018 19:10 Uhr

Permanent stehen Entscheidungen an. Im Alltag, im Berufsleben. Sie alleine zu treffen, ist oft schwierig genug. Aber im Team? Muss der Chef immer das letzte Wort haben? Muss er alle mitreden lassen oder nur eine handverlesene Anzahl Vertrauter? Angelika Nürnberger und Astrid Köppel kennen die Situation aus ihrem eigenen Berufsalltag. Die beiden Frauen aus Oberfranken haben ein Start-up namens Newworkables gegründet und ihr erstes Produkt im "Josephs" vorgestellt: eine App, die Entscheidungsfindungen erleichtern soll. "Concide" heißt sie, ein Wort das Entscheiden und Konsens beinhaltet. "Entscheiden muss nichts Trennendes haben", sagt Angelika Nürnberger, die selbst lange Jahre ein Unternehmen geleitet hat. Sie weiß, dass man den Menschen zuhören, Meinungen ernst nehmen und als Chef offen für Anregungen sein muss.

"Was ist eine gute Entscheidung? Was passiert, wenn ich eine falsche Entscheidung treffe?" Angelika Nürnberger stellt die Frage in den Raum und jeder, der im Publikum sitzt, weiß, wie es sich anfühlt, wenn solche Gedanken im Kopf kreisen. Dazu muss man gar nicht Chef sein. "Ist Entscheiden eine Last? Muss sie das sein?", fügt sie hinzu. "Entscheiden ist auf jeden Fall ein großes Thema, das viele Fragen aufwirft."

Für die beiden Unternehmerinnen steht der Mensch, der Mitarbeiter im Fokus. Die Frage, wie er sein Potenzial richtig entfalten kann, ist für sie wesentlich, damit eine Firma erfolgreich arbeiten kann. "Concide" soll dabei helfen. Und zwar nicht, indem Entscheidungen getroffen werden, die auf Zustimmung basieren. Sondern: auf Ablehnung. Was zunächst merkwürdig klingt, erweist sich im Laufe des Abends als einleuchtend. Es geht darum, den Widerstand des Teams zu messen und dann einen Konsens zu finden. Dabei hilft die App, die die Mitbestimmung regelt. Auf einer Skala von Null bis Zehn können die Mitarbeiter zu einem bestimmten Thema den Grad ihrer Zustimmung oder Ablehnung angeben. Dabei spiele das Bauchgefühl eine wichtige Rolle, die Intuition, sagt Angelika Nürnberger. Ablehnung sei viel spontaner spürbar. Sich für etwas zu entscheiden erfordere mehr Nachdenken.

Der Lösungsvorschlag, der am Ende den geringsten Widerstand hervorgerufen hat, setzt sich durch. Keiner soll sich übergangen fühlen, seine Idee soll nicht einfach achtlos vom Tisch gewischt werden. So sieht es das Konzept vor, das "Concide" zugrunde liegt. Keine hauchdünne Mehrheitsentscheidung werde am Ende stehen, sondern mit Hilfe der Software ein echter Konsens.

Mit dem Mitarbeiter, der einen hohen Widerstand signalisiere, müsse der Chef ins Gespräch gehen. Aber: ohne zu lange zu diskutieren, sagt Angelika Nürnberger. Mitarbeiter, so ihr Credo, seien engagierter und motivierter, wenn sie in Entscheidungen einbezogen werden und damit auch Verantwortung tragen und das Recht zugesprochen bekommen, ihre Stimme einzubringen. Wichtig sei, bekräftigt auch Astrid Köppel, auf andere zuzugehen und deren Belange mit einzubeziehen. "Das ist im Interesse der Führungskraft. Denn sie erreicht am Ende tatsächlich, dass alle an einem Strang ziehen."

Weitere Infos unter www.concide.de.

Mit der neuen Arbeitswelt beschäftigt sich am Donnerstag, 13. September, ebenfalls eine Veranstaltung im Josephs (Karl-Grillenberger-Str. 3): "Zu alt für neues Arbeiten?! Demografischer Wandel in der digitalisierten Arbeitswelt" lautet das Thema. Beginn 19 Uhr. 

Gabi Eisenack

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