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Bier wird auch in der Region teurer

Brauereien und Gaststätten denken über weitere Erhöhungen der Preise nach - 19.11.2012 10:00 Uhr

Pegnitz  - Diese Woche verkündete der Verband der Privaten Brauereien Bayern in Nürnberg, dass steigende Rohstoff- und Energiepreise den Bierpreis in die Höhe sprudeln lassen. Von durchschnittlich bis zu 70 Cent mehr war da die Rede. Wir haben in Brauereien und Gaststätten nachgefragt.

Steigende Kosten lassen den Bierpreis steigen. Auch örtliche Brauereien und Gaststätten denken über Erhöhungen nach. Das Bild entstand beim Flinderer im FC- Heim.
Steigende Kosten lassen den Bierpreis steigen. Auch örtliche Brauereien und Gaststätten denken über Erhöhungen nach. Das Bild entstand beim Flinderer im FC- Heim.
Foto: Lenk
Steigende Kosten lassen den Bierpreis steigen. Auch örtliche Brauereien und Gaststätten denken über Erhöhungen nach. Das Bild entstand beim Flinderer im FC- Heim.
Steigende Kosten lassen den Bierpreis steigen. Auch örtliche Brauereien und Gaststätten denken über Erhöhungen nach. Das Bild entstand beim Flinderer im FC- Heim.
Foto: Lenk

„Ich trinke zum Glück eh nicht so viel“, sagt Otto Bauer. Der 76-Jährige isst gern im Gasthaus Schlapp’n-Wirt zu Mittag und trinkt dazu „a Pils vom Böheim“. Dem Verbraucher werde immer mehr Geld aus der Tasche gezogen, sagt er und schüttelt den Kopf darüber, dass jetzt wieder der Bierpreis steigen soll.

Die Preisentwicklung bei der Herstellung lasse den Brauereien wenig andere Wahl: Kostete eine Tonne Malz 2010 noch rund 300 Euro, sind es heute schon 430 bis 450 Euro. Und dann ist da noch die Ökostrom-Umlage, die ab dem kommenden Jahr gilt und die generell steigenden Energiepreise.

Vor allem die Preise für Rohstoffe steigen

„Wir haben die Bierpreise erst im Frühjahr erhöht“, sagt Leo Wagner, Marketingleiter bei Kaiser-Bräu aus Neuhaus und verneint eine erneute Preissteigerung. 50 Cent sei auf den alten Preis für einen Kasten Veldensteiner aufgeschlagen worden. Alle zwei bis vier Jahre sei eben eine Steigerung nötig, um „diesem ständigen dynamischen Prozess gerecht zu werden“, sagt Wagner.

Der ständige Abschmelzprozess für die kleineren Brauereien, meint der Marketingfachmann, liege aber auch an den großen Konkurrenten. „Früher haben die Großbrauereien die Preise erhöht und die anderen sind nachgezogen. Heute senken sie die Preise und lassen die Kleineren dadurch aushungern.“ Wegen des Reinheitsgebotes, das für Bier gilt, müssen sie die Preise für Rohstoffe wie Hopfen oder Malz hinnehmen.

„Da gibt es keinen Verhandlungsspielraum“, sagt Wagner von Kaiser-Bräu, die ihren Hopfen aus der Hersbrucker Gegend bezieht. „Wir können den Bauern nicht die Pistole auf die Brust setzen.“

Gerade Malz werde teurer, weil auf vielen Flächen nun Mais für die Biogaskraftwerke angebaut wird. Dazu reihen sich dann auch noch sinkende Konsumentenzahlen. „Um ein bis zwei Prozent ist der Pro-Kopf-Verbrauch in den letzten zehn Jahren gesunken.“

„Die Preise sind jenseits von Gut und Böse“, findet Johann Herold von der gleichnamigen Brauerei in Büchenbach, die ihre jährlich produzierten 1200 Hektoliter in regionalen Getränkemärkten und dem eigenen Wirtshaus vertreibt. „Wir müssen irgendwann erhöhen, spätestens wenn Ersatzteile fällig werden“, sagt er. „Den alten Preis halten wir schon ziemlich lange.“

Brauereien haben höhere Energiekosten

Wann die Steigerung kommt oder wie hoch sie ausfallen könnte, müsse er bis Jahresende durchkalkulieren. 650 Euro habe er noch vor rund fünf Jahren für Strom bezahlt, heute sind es fast 1000 Euro pro Monat. Einsparen könne er nur dadurch, dass er selber viel arbeite und kein Personal brauche. Denn die Großbrauereien, die einen „reinen Verdrängungswettbewerb“ durch Dumpingpreise betrieben, seien einfach energieeffizienter, der Aufwand pro Hektoliter insgesamt bei Kleinbrauereien viel größer.

Im Oktober erst hat die Brauerei Gradl den Preis pro Seidla um zehn Cent erhöht, berichtet Stefan Wolfring. Auch den Literpreis im Fass habe er um zehn Cent angehoben, den 20er Kasten um 50 Cent. „In den letzten drei bis vier Jahren sind wir aber nicht hochgegangen“, sagt der Juniorchef. Ob er nun nochmals an der Preisschraube drehen muss, will er erst abwarten und ist vorerst auf der Suche nach Möglichkeiten, die Energiekosten bei der Herstellung zu optimieren. 1500 Hektoliter produziert die Brauerei pro Monat. Er aber meint: „Wenn der Kunde ein gutes regionales Produkt haben möchte, dann gibt er auch mehr aus.“


Ähnlich sieht es auch Foteini Batzaka, die mit ihrem Mann die Gaststätte im ASV-Sportheim betreibt, die Anlaufstelle für Trainingsmüde und Stammtischler ist. „Wer fortgehen will und trinken will, der ist gewillt, auch etwas mehr zu zahlen. Das ist wie mit den Rauchern, die rauchen heute noch unbeeindruckt.“

Batzaka hat sich lange gegen eine Erhöhung gewehrt. In den elf Jahren Pacht hat sie nur zweimal angezogen — je um zehn Cent. Heute, und das erst seit kurzem, verlangt sie 2,10 Euro pro Seidla. Sie bezieht ihr Bier über Jura-Bräu, die geben ihr den Preis vor. „Wenn der Preis steigt, muss ich ihn logischer Weise anpassen, sonst zahle ich drauf“, sagt sie. Denn am Bier verdiene sie selbst nicht viel.

Dass die Brauereien nicht so schnell erhöhen, hofft auch Waltraud Meyer, die seit zehn Jahren das Gasthaus „Schlapp’n-Wirt“ pachtet. Nach acht Jahren hat sie den Preis erst erhöht: auf 2,10 Euro pro Seidla. Sie würde selbst bei einer Erhöhung ihrer Lieferanten von Böheim-Bier und Jura nicht gleich nachziehen. „Ich kann meinen Stammkunden nicht zumuten, dass der Preis immerzu erhöht wird“, sagt sie. Notfalls würde sie selbst irgendwie versuchen zu puffern.

„Es ist ja schon fast peinlich zu sagen, dass sie schon wieder raufgehen“, findet die Pegnitzer Wirtin. Stammgäste wie Franz Schaffer hingegen wollen sich nicht ärgern. „Ich kann das nicht ändern“, sagt der 74-Jährige trocken. Jeden Nachmittag trinkt er seine zwei bis drei Bier im „Schlapp’n-Wirt“. Er meint: „Letztlich entscheidet, was im Geldbeutel ist. Notfalls trink ich halt weniger.“

Bilderstrecke zum Thema
In der sechsten Runde sind wir im Aischgrund unterwegs gewesen, rund um Neustadt a. d. Aisch, Höchstadt/Aisch und Bad Windsheim und auch in Herzogenaurach. Gewonnen haben hier: das Brauhaus Höchstadt, die Brauerei Hofmann in Pahres und die Brauerei Döbler in Bad Windsheim. Die Ergebnisse finden Sie in der Bildergalerie.

 

ANDREA MUNKERT


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