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Der "Zoiglstern" steht für Liebe zur Braukunst

In Neuhaus an der Pegnitz hat eine Tradition des Bierbrauens überlebt - 18.06.2012 14:30 Uhr

Der ausgeklappte „Zoiglstern“ an der Hauswand zeigt an, welches Kommun-
Wirtshaus geöffnet hat und das selbst gebraute Bier ausschenkt.

Der ausgeklappte „Zoiglstern“ an der Hauswand zeigt an, welches Kommun- Wirtshaus geöffnet hat und das selbst gebraute Bier ausschenkt. © Melanie Strauß


Wer in Neuhaus an der Pegnitz in ein Wirtshaus geht, an dem außen der sogenannte „Zoiglstern“ baumelt, der landet bei einem der drei Kommunbrauer. Seit dem 16. Jahrhundert hat diese Tradition des Bierbrauens überlebt. Die Wirte Reindl, Benaburger und Döth üben bis heute das vom damaligen Bamberger Fürstbischof geschenkte kommunale Brau- und Schankrecht aus.

Wie anno dazumal geht es in den abwechselnd geöffneten Gaststuben recht gemütlich zu: Jung und Alt sitzen dichtgedrängt an den Tischen und lassen sich ihre Halbe, die direkt aus dem Brauhaus kommt, zum unschlagbaren Preis von 1,90 Euro

Josef Laus, Brauerei-Chef (links) und Bruder Wolfgang Laus, Braumeister, bei der Auslieferung.

Josef Laus, Brauerei-Chef (links) und Bruder Wolfgang Laus, Braumeister, bei der Auslieferung. © Kaiser Bräu


schmecken. Wegen des überdurchschnittlich hohen Alkoholgehalts des würzigen Gerstensaftes wird auch gerne eine deftige fränkische Brotzeit – Fleischsulze, Stadtwurst, Hack- oder Schmalzbrot – dazu bestellt. Vor allem auf den persönlichen Kontakt mit ihren Gästen legen die Wirte Wert: Man kennt sich und beim Genuss eines Bieres kommen auch Auswärtige und Einheimische schnell ins Gespräch.

Ein bisschen größer ist da schon das Verbreitungsgebiet der Hersbrucker Bürgerbräu. In einem Radius von gut 30 Kilometern ist das Bier der Hersbrucker zu haben. Bis zu 25.000 Liter rollen täglich in Flaschen vom Fließband. Von dort transportieren die Mitarbeiter der Traditionsbrauerei den wertvollen Saft in roten Kästen oder Fässern in die Wirtschaften, Läden und Tankstellen der Region. „Nach alten, lange erprobten Rezepten“ wird in Hersbruck gebraut, erzählt Geschäftsführer Hermann Weid. Heraus kommen verschiedene Biersorten: Das Lager – der Favorit unter den Einwohnern – das Kellerbier – eine unfiltrierte Bierart –, das Land- oder die Weißbiere. Möglichkeiten, den süffigen Gerstensaft zu probieren, gibt es viele.

Die ursprünglichste Atmosphäre bietet das alljährliche Brauereifest: Dann wird direkt im Hof der Bürgerbräu angestoßen. Bis nach China gelangt hingegen das Bier aus der Neuhauser Brauerei „Kaiser Bräu“. Seit 1929 stellt das Unternehmen der Familie Laus seinen Gerstensaft her – und hat seine Produktionsstätten dabei stetig vergrößert. Unübersehbar sind in Neuhaus am Bahnhof die großen metallenen Tanks der Brauerei. Neben den Chinesen haben auch Italiener in der Region rund um den Gardasee und an der Adria das Bier aus dem oberen Pegnitztal für sich entdeckt. „Authentisches Bier aus Deutschland“ – im Ausland ein Exportschlager.

Das Hauptabsatzgebiet liegt freilich im mittelfränkischen Bereich. Zwischen Nürnberg, Bayreuth, Amberg und Neumarkt ist die Marke Veldensteiner seit Jahrzehnten das „wichtigste Pferd im Stall“. Außerdem probieren sich die Brauer um Chef Josef Laus jährlich an neuen Bierkreationen: Ein Chocolate Stout, India Pale Ale oder Haferbier entstehen in der Bierwerkstatt, die zum Ziel hat, die vielen Facetten eines Bieres im Bewusstsein der Verbraucher zu schärfen.

Bei all den Unterschieden der drei Brauereien haben sie doch eine Gemeinsamkeit: Alle drei setzen beim Bierbrauen auf Rohstoffe aus der Region. Hopfen, Malz, Brauwasser und Hefe – nur fränkische Erzeugnisse kommen in ihre Sudpfanne. Und so wie sich die Neuhauser und Hersbrucker Bierexperten anhören, wird sich daran auch in Zukunft nichts ändern.

 

Ulla Meckler

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