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Fühlen, Schmecken, Schwitzen: Bierbrauen ist harte Arbeit

Das Hochholzer Brauhaus bietet Seminare, in denen die Teilnehmer selbst Hand anlegen - 20.05.2012 23:00 Uhr

Detlef Pöverlein in seinem Element: Während es in der kleinen Brauerei in Hochholz qualmt und dampft, erklärt er den Seminareilnehmern alles übers Bierherstellen.

Detlef Pöverlein in seinem Element: Während es in der kleinen Brauerei in Hochholz qualmt und dampft, erklärt er den Seminareilnehmern alles übers Bierherstellen. © Gudrun Bayer


"Schaufel! Wo ist die Schaufel? Sofort die Schaufel her!." Detlef Pöverleins Stimme schallt laut und bestimmt aus dem Inneren der kleinen Ein-Raum-Brauerei im ehemaligen Kuhstall ins Freie. Doch der Mann, der das Feuerschäufelchen in Händen hält, reagiert nicht. Erst vor wenigen Sekunden ist er zum Durchatmen nach draußen gegangen. Geistesabwesend versucht er, den Schweiß abzutrocknen, der ihm von der Stirn in die Augen rinnt. Plötzlich merkt er, dass er gemeint ist und spurtet los, um das Werkzeug wieder dahin zu bringen, wo es gerade gebraucht wird.

Als Bier-Azubi fängt man von vorne an

Bierbrauen ist harte Arbeit, die auch noch viel Geduld verlangt. Das ist eine der Botschaften, die Braumeister Detlef Pöverlein (44) und seine Frau Kerstin (42) mit ihren Seminaren im Hochholzer Brauhaus vermitteln wollen. Samstag für Samstag empfangen sie daher im 26-Einwohner-Örtchen wissbegierige Zehnergruppen.

Punkt sieben Uhr geht es los mit dem Seminar. "Viele finden das sehr früh", gibt Kerstin Pöverlein zu. "Aber im Lauf des Tages sehen sie, dass es nötig ist." Schließlich fangen die Brau-Azubis wirklich ganz vorne an: Beim Aufbrechen des Korns. Und der Tag endet dann tatsächlich mit fertig gebrautem Bier - das allerdings noch vier Wochen ruhen muss, um trinkbar zu werden. Gegen 21/22 Uhr ist das normalerweise  - und oft bleiben die Gruppen danach noch ein wenig im Brauhaus sitzen, um den Tag ausklingen zu lassen und zu ratschen.

Die Gruppe aus dem Raum Schrobenhausen, die an diesem Samstag dran ist, hat es jedoch insgeheim ein klein wenig eilig: Schließlich ist es der Tag des Champions-League-Finales in München. Und einige Seminarteilnehmer möchten das Spiel eigentlich schon ganz gerne daheim vor dem Fernseher genießen. Andererseits: Das Bierbrauen macht ihnen sichtlich Spaß. Denn so ernst Detlef Pöverlein die Sache auch betreibt, so streng er sich als Lehrer auch gibt, so viel Gelegenheit lässt er der Gruppe auch zum Flachsen und Lachen.

Immer wieder muss die Flüssigkeit kochen bevor sie zu richtigem Bier wird.

Immer wieder muss die Flüssigkeit kochen bevor sie zu richtigem Bier wird. © Gudrun Bayer


Lange Wartezeiten

Eineinhalb Jahre lang haben sich die Schrobenhausener auf den Tag gefreut. Sie sind alte Schulfreunde - und das Brauseminar haben sie einem der ihren zum 50. Geburtstag geschenkt. "Unsere Wartezeiten sind zur Zeit leider so lang", erklärt Kerstin Pöverlein. "Auch heuer sind wir schon jeden Samstag ausgebucht." Wer sich jetzt anmeldet, kommt daher erst 2013 zum Zug.

Mehr Termine kann das Ehepaar auch deshalb nicht anbieten, weil es die Brauerei, die es seit 2005 gibt, nebenbei betreibt. Als Hobby, das die beiden allerdings professionell beherrschen: Sie haben sich beim Studium in Weihenstephan kennen und lieben gelernt. Hauptberuflich arbeitet Detlef Pöverlein allerdings als Einkäufer für die frühere Brauerei Schäff in Treuchtlingen, die sich mittlerweile ganz aufs Mineralwasser- und Limonadenherstellen konzentriert.

Alles Bier, das es im Hochholzer Brauhaus zu Kaufen gibt, wird während der Seminare hergestellt. 25 Kästen springen an jedem Samstag 'raus. Jeder Teilnehmer bekommt nach der vierwöchigen Ruhezeit einen Kasten davon. 15 Kästen bleiben übrig - und sind dann frei zu haben. "Wenn es aus ist, ist es aus", sagt Detelef Pöverlein. Wer Hochholzer Bier kaufen will, sollte also besser anrufen, bevor er sich auf den Weg zum Abholen macht. Das Brauer-Ehepaar kann auch nicht sagen, welche Sorte es gerade zu bieten hat: Denn die Seminarteilnehmer dürfen bestimmen, was sie brauen wollen.

In jeder Seminargruppe wird am Anfang ein Feuermeister bestimmt. Er hat am meisten zu tun. Am kühlen Morgen freut er sich über den warmen Job, am Nachmittag muss er mit Schweißströmen bezahlen.

In jeder Seminargruppe wird am Anfang ein Feuermeister bestimmt. Er hat am meisten zu tun. Am kühlen Morgen freut er sich über den warmen Job, am Nachmittag muss er mit Schweißströmen bezahlen. © Gudrun Bayer


Urkunde für das Bestehen

16 Uhr - Zeit für die Kaffeepause. Zum stärkenden Getränk gibt es selbstgebackenen Kuchen von Kerstin Pöverlein. Sie sorgt auch für das Gulasch am Mittag und die Brotzeit am Abend. Sie weiß, wie anstrengend die Arbeit in der kleinen Brauerei ist, deren Gerätschaften die Pöverleins mit Hilfe von Verwandten und Bekannten nach und nach alle selbst geschaffen haben.  "Wir wollten nichts fertig kaufen, bei dem alles auf Knopfdruck funktioniert", sagt die Chefin. "Wir wollen ja, dass die Menschen spüren, wie Bierbrauen geht. Und wir wollen ihnen etwas von unserer Lebenseinstellung mitgeben."

Während sich die Schüler ein wenig ausruhen, fasst der Lehrer den bisherigen Lernstoff noch einmal zusammen. Schließlich wird es am Abend, während der Brotzeit, eine Prüfung geben. Und danach eine Urkunde für jeden, der sie besteht.

Gegen die Hitze in der kleinen Brauerei hilft der gut gekühlte fertige Gerstensaft, der aus dem Faß kommt. Die Seminarteilnehmer dürfen aber erst ab 12 Uhr zugreifen, da ist Detlef Pöverlein streng.

Gegen die Hitze in der kleinen Brauerei hilft der gut gekühlte fertige Gerstensaft, der aus dem Faß kommt. Die Seminarteilnehmer dürfen aber erst ab 12 Uhr zugreifen, da ist Detlef Pöverlein streng. © Gudrun Bayer


Die Schrobenhausener ziehen schon ein bisschen Bilanz. "Es hat mich wirklich positiv überrascht, wie sehr wir hier selber mitarbeiten dürfen", sagt einer. "Ich habe eher gedacht, wir schauen zu und bekommen Vorträge oder so etwas." Sie unterhalten sich darüber, was sie beim Probieren empfunden haben. Denn das ist Detlef Pöverlein sehr wichtig: Nach jedem Arbeitsschritt muss probiert werden, "damit man zum Beispiel Fremdaromen rechtzeitig herausfindet und nachbessern kann."

"Den Sud riechen" und "die Hitze spüren"

Als "fast unterträglich bitter", beschreibt eine Teilnehmerin den Geschmack einer Hopfenpaste, von der jeder nur einen Hauch zum Probieren bekam. "Das hat richtig auf den Lippen gebitzelt", sagt sie. "Mich hat das an das Mittel erinnert, das man Kindern auf die Daumen pinselt, damit sie zum Lutschen aufhören."

Vergessen wird sie diesen Eindruck sicher nie. Und das zeigt, das Detlef Pöverleins Rezept aufgeht: "Die Menschen sollen hier etwas mit nach Hause nehmen, das sie ihr Leben lang begleitet", sagt er. "Sie sollen das knisternde Feuer hören, den bitteren Hopfen schmecken, den Sud riechen, die Hitze spüren... Denn je mehr Sinne angesprochen werden, desto intensiver ist die Erinnerung."

Mit einem Klick zu den wichtigsten Infos über das Hochholzer Brauhaus..

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Unterwegs im Land der 1000 Biere - die dritte Runde

Runde drei unserer Reise durch das Land der 1000 Biere hat uns ins südwestliche Mittelfranken bis Nahe an die Grenze zu Oberbayern geführt. Die ersten drei Plätze belegten hier die Brauerei Gutmann aus Titting, das Hochholzer Brauhaus und die Spalter Brauerei. Klicken Sie rein um zu sehen, welches von den restlichen Bieren das Rennen gemacht hat.


Ein Bier des Hochholzer Brauhauses steht auch in der dritten Runde unserer online-Abstimmung zur Wahl.  In den kommenden vier Wochen kann jeder Bierfreund online seine Punkte für die Biere des südlichen Franken zwischen der Grenze zu Oberbayern und Ansbach vergeben, um seinen Favoriten für die Endauswahl zu qualifizieren. Die Biere mit den besten Durchschnittsnoten schaffen den Sprung in die abschließende Wahl zum Bier des Jahres. Unter den Teilnehmern werden tolle Preise verlost, unter anderem Bier aus dem Landbierparadies und Bierkrüge mit dem Logo der Aktion.

Einen Überblick über die Vielfalt der Brauereien in Nordbayern gibt es in unserem Brauerei-Guide 

Gudrun Bayer

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