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Kult um den Krug

Dokumentarfilm über die Bamberger Biergeschichte - 24.04.2012

Cutter Martin Fischer (links) und Kameramann Jörg Hoffmann waren in acht Bamberger Brauereien unterwegs, um einen Dokumentarfilm über die Bierkultur der Domstadt zu drehen.

Cutter Martin Fischer (links) und Kameramann Jörg Hoffmann waren in acht Bamberger Brauereien unterwegs, um einen Dokumentarfilm über die Bierkultur der Domstadt zu drehen. © privat


Die Volksseele brodelt am Stammtisch. Der Bierpreis soll erhöht werden? Nicht mit uns! Bedrohlich lehnen sich die wutschäumenden Bürger über die Tischplatte, der Gerstensaft schwappt in hohem Bogen aus den Krügen. Die Situation droht zu eskalieren.

90 Minuten Film

Die Szene spielt zum Glück nicht heute, sondern im Herbst 1907. Damals wollten die Bamberger Bierbrauer den Preis für ein Seidla von zehn auf elf Pfennige erhöhen, hatten jedoch nicht mit dem rabiaten Widerstand der Bevölkerung gerechnet. Mit Fuhrwerken wurde damals so lange billiges Bier aus Forchheim herangekarrt, bis die Brauer nachgaben und die Erhöhung rückgängig machten.

Weil bei diesem Triumph der Biertrinker noch keine Fernsehteams dabei sein konnten, versammelten sich vor wenigen Jahren Komparsen in historischer Kleidung in der Brauereigaststätte Hertlein in Staffelbach am Main, um den denkwürdigen Streit nachzuspielen, der als „Bamberger Bierkrieg“ in die Annalen einging. Hinter der Kamera: Jörg Hoffmann.

Der freiberufliche Kameramann ist in Staffelbach aufgewachsen und wollte sein 850-Seelen-Heimatdorf natürlich auch filmisch verewigen, als er den Dokumentarfilm „Bamberg — Ein Bekenntnis zum Bier“ drehte. 90 hochprofessionelle Minuten sind es geworden — obwohl es sich eigentlich nur um ein Liebhaberprojekt unter Freunden handelt.

Dekoratives Holzkästchen

Nur sind diese Freunde eben nicht nur Bierkenner, sondern auch Medienprofis, die einen Film drehen wollten, der qualitativ an die Güte des geliebten Gerstensaftes heranreicht. Ihr überzeugendes Konzept öffnete ihnen die Türen von acht Brauereien, zwei Mälzereien, dem Fränkischen Brauereimuseum und der Brauereimaschinenfabrik Kaspar Schulz.

Wer das dekorative Holzkästlein öffnet, das eine Silhouette des Bamberger Michelbergs ziert, und die Bierfilm-DVD herausholt, findet darauf denn auch umfassende und anschaulich aufbereitete Informationen.

Die Anfänge des Bamberger Brauwesens 1122 im Kloster auf dem Michelsberg, die historischen Berufe des Büttners und des Bierkiesers, die Sandkirchweih, die Bamberger Kellerkultur und natürlich der Bierkrieg werden ausführlich behandelt. Für den nötigen Pathos sorgt Sprecher Hans Mittermüller, der auch für Guido Knopps ZDF-Geschichts-Produktionen hinterm Mikro war.

Serie über Kommunbrauer

Am Tag des Bieres 2010 feierte der Film in beiden Sälen des Bamberger Odeon-Kinos Premiere, alle gefilmten Brauereien hatten dafür Bier gespendet. „Eine Riesenstimmung war das“, erinnert sich Jörg Hoffmann. Die Brauereien und der Bamberger Buchhandel verkaufen seither das Holzkästlein. „Bei Touristen ist das ein beliebtes Mitbringsel“, erzählt Hoffmann, für den nach der Premiere noch lange nicht Schluss war.

Im Internet rief er das Blog bierfilm.de ins Leben, in dem regelmäßig ein Bier des Monats gekürt und beschrieben wird. Auch das Filmen setzte Hoffmann fort: Im Moment arbeitet er an der Serie „Beim Kommunbrauer“. In bis zu 30 Minuten langen Reportagen erzählt Hoffmann von der Wiederauferstehung einzelner Kommunbrauhäuser im nördlichen Oberfranken.

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„Ich möchte das Herzblut und die Begeisterung zeigen, die in dem Männerspielplatz Kommunbrauhaus stecken“, betont Hoffmann. Das Interesse an gutem Bier sei wieder gestiegen, nachdem es lange als Arbeitergetränk abgetan worden war.

Der Staffelbacher erinnert sich gut, wie in seiner Jugend angeregt über die Qualität der aktuellen Sude der umliegenden Brauereien diskutiert wurde. „Die haben nicht immer gleich geschmeckt. Das hat es aber auch interessant gemacht“, sagt Hoffmann.

Die handwerkliche Bierkultur im Kleinen erlebe gerade nach langem Stillstand wieder einen Aufschwung. Zum Beispiel in Unfinden im Landkreis Haßberge, wo eine Gruppe von Bierliebhabern das 1671 errichtete Brauhaus nach mehr als 50 Jahren Verfall wieder zum Laufen brachte und dafür 2008 mit dem Bayerischen Denkmalpflegepreis geehrt wurde.

Selbstversorgung mit Gebräu

Seither versorgen sich die 75 Vereinsmitglieder selbst mit Bier. Beim Uehlfelder Braufest am 16. Juni können auch Auswärtige vom „Üflder Hausbrauerbier“ kosten, von dem das Etikett schwärmt: „Ein Bier voller Geschichten und Schaffenskraft“.

Hoffmanns Film über die Erfolgsgeschichte von Unfinden soll im Juni fertig sein. Weitere Reportagen werden folgen. Denn es lassen sich über die fränkische Bierkultur genug faszinierende Geschichten erzählen. Eine davon ist die aus Hoffmanns Bierfilm.

 

 

VON MARTIN MÜLLER

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