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Die besten Partys beginnen bereits in der Küche

Foodbloggerin und Köchin Tina Kollmann hat in ihrer Wohnung ein Flying Dinner veranstaltet - 18.01.2018 09:00 Uhr

"Und wie kochst du die Polenta?": Tina Kollmann, Foodbloggerin, Köchin und Doktorandin im Fach Chemie, hat über die Online-Plattform tasteplease.com lauter fremde Menschen bekocht. © Florian Eckert


Sie haben alle ihre Hausschuhe mitgebracht: zwölf Frauen und Männer, die neugierig Tina Kollmanns Wohnung in der Südstadt betreten. Und die sich, bis auf die jeweilige Begleitung, nicht kennen. Händeschütteln, Lächeln. "Hallo, ich bin die Anne", sagt eine junge Frau im schwarzen Kleid noch völlig perplex. Denn ihre Freundin Andrea hat sie gerade mit der Einladung zum Dinner überrascht.

Tina Kollmann, 30 Jahre alt, ist keine gelernte Köchin. Sondern Doktorandin der theoretischen Chemie, Dozentin an der Uni Bamberg und spielt Geige, seit sie zwei Jahre alt ist. Ihre Hobbys wollte sie bewusst nicht zum Job machen: "Vielleicht würde ich dann die Leidenschaft verlieren."

Über die dänische Internet-Plattform "Taste please" konnte man sich für das "Flying Dinner" anmelden. Nur zwölf Plätze gab es, denn "meine Wohnung ist zu klein und ich habe keinen großen Tisch", sagt die Gastgeberin und Köchin. Also stellte sie einfach Stehtische auf. Aber der Mittelpunkt des Abends ist, wie auf jeder guten Party, sowieso die Küche.

Die Idee der sogenannten "Pop- up-Restaurants", also privaten Dinner-Abenden, die an zunächst geheimen Orten stattfinden, ist nicht neu. In Nürnberg lädt Tanja Gimberlein ("Vorzüglich & Vegetarisch") immer wieder zu ihrem vegan-vegetarischen "Supper-Club" ein (wir berichteten). Neu ist allerdings die Internet-Plattform www.tasteplease.com, auf der Hobby-Köche zu ihrem Dinner-Abend einladen können. Bezahlt und informiert wird über die Homepage.

Die Macher von "Taste please" hatten Tina Kollmann angeschrieben und gefragt, ob sie nicht als erste Deutsche dabei sein wolle. Die Idee habe sie sofort überzeugt: "Ich koche wahnsinnig gerne für andere Leute, aber das ist nicht ganz billig." Doch von Freunden Geld für eine Einladung verlangen? Irgendwie schwierig.

Die Leidenschaft fürs Kochen hat sie von ihrer Mutter geerbt: "Bei uns gab es keine Fertigprodukte." Mit knapp zwölf Jahren stellte sich Tina Kollmann selbst an den Herd: "Schinkennudeln, Spiegelei mit Spinat – das waren meine ersten Gerichte", zählt sie auf. Heute Abend gibt es sieben Gänge – und kein Spiegelei. Sondern Melonen-Gazpacho, Garnelen mit Beluga-Linsen und Ente samt Polenta und Rotweinzwiebeln. 37 Euro kostet das Menü, inklusive aller Getränke.

Florian Eckert, Tinas Freund, schenkt einen Crémant aus. Zum Warmwerden. Da aber zwölf Menschen zusammenkommen, die gerne gut essen, entwickeln sich schnell Gespräche. Über den besten Spanier oder das leckerste Thai-Curry. Die Köchin setzt nach Crémant, Gazpacho und ein paar Eröffnungsworten routiniert die Garnelen in die Pfanne, rührt die Polenta um. Smartphones werden gezückt, Videos für Instagram und Facebook gedreht und Fotos gepostet. Fotos sind auch für die Foodbloggerin enorm wichtig. Gut gemachte Fotos. Im April 2014 startete die 30-Jährige ihren Blog "Lecker&Co", "da wusste ich gar nicht, was das überhaupt ist"!

Ihre Kochkunst wurde mit den Smartphones festgehalten und gepostet. Am Schluss waren sich alle einig: Bei Tina schmeckt es besser als in manchem teuren Restaurant. © Florian Eckert


Appetitliche Fotos

Wie bei vielen zukünftigen Bloggern, begann die Köchin mit schönen Fotos von ihren selbst gekochten Gerichten, die sie auf Facebook postete. Die Resonanz war groß, ihre Follower wollten die Rezepte zu den appetitlichen Fotos haben. "Da ich kaum nach Rezept koche, sondern sich sehr viel einfach beim Zubereiten ergibt, war das Aufschreiben nicht ganz leicht", sagt Tina Kollmann. Und wenn sie die Rezepte eh aufschrieb, so die Bloggerin, dann könne sie sie ja eigentlich auch gleich online veröffentlichen.

Die Fotografie hat sie perfektioniert. Im Wohnzimmer steht ihr "Set", auf dem sie die Teller arrangiert. Unterstützung hat sie von ihrem Freund Florian, der ebenfalls professionell fotografiert. Etwa zweimal in der Woche veröffentlicht sie einen Beitrag: "Ich koche, worauf ich Lust habe." Das kann mal ein "Gugelhupf à la Stollen" sein oder ein Rotkohl-Eintopf, vegane Pasta oder Kürbis-Frikadellen. 6000 Zugriffe hat "Lecker&Co" pro Tag.

In der Küche stehen die meisten Gäste. Darunter Steffi und Basti, die direkt gegenüber wohnen. "Als wir die Adresse erfahren haben, haben wir uns totgelacht", erzählt Steffi, die erst "etwas skeptisch" war, mit Unbekannten zu speisen. Doch Nürnberg ist ein Dorf. Schon an der Eingangstür stellen Basti und Tinas Freund Florian fest, dass sie gemeinsam in die Grundschule gegangen sind.

Das Menü startete mit einer Melonen-Gazpacho. © Florian Eckert


Der Abend ist entspannt. Das Menü wird zügig in sieben Gängen angerichtet. Auf die phänomenale Melonen-Gazpacho mit einem Rote-Bete-Cracker ("erst gedörrt, dann kurz frittiert") und "Linsen & Garnele" folgen ein Kalbstatar à la Vitello Tonnato und ein Pilzstrudel mit Rotkraut. Die Entenbrust brät in der Pfanne, Tina Kollmann würzt die Polenta. "Kann man dir helfen?", fragt Birgit. "Ihr seid die Gäste!", ist die Antwort.

"Das muss man sich schon trauen, vollkommen Fremde in die Wohnung zu lassen", sagt Carina, die mit ihrem Mann Klaus dabei ist. Sichtlich zufrieden genießen sie die auf den Punkt gebratene Entenbrust. "Hast du ein Vorbild?", will ein Gast wissen und Tina antwortet wie aus der Pistole geschossen: "Felix Schneider vom SoSein in Heroldsberg. Ich habe in jedem Gang etwas entdeckt, was ich nicht kannte. Entweder eine Zubereitungsmethode oder die Zutat." Und sofort entspinnt sich ein Gespräch über Nürnbergs Sterne-Restaurants.

Auf den Punkt gebratene Entenbrust mit Rotweinzwiebeln und Polenta war einer von sieben Gängen. © Florian Eckert


Supernett und sympathisch

Wobei man Sterne-Köche auch von ihrer schlechten Seite kennenlernen könne, sagt Kollmann, während sie das Lebkuchenmousse mit Kirschen anrichtet. Alexander Herrmann, gegen den sie schon in der TV-Show "Kampf der Köche" in Sat1 den Löffel schwang, sei "supernett und sympathisch". Doch bei "MasterChef", dem Casting-Format auf Sky, habe es ganz andere Töne gegeben. "Es ist halt alles Show, da kommt es nicht aufs Kochen an!" Unter die letzten zehn ist Tina Kollmann gekommen, darauf ist sie stolz. Bei "The Taste" will sie trotzdem nicht mitmachen.

Gegen 22 Uhr steht die Käseplatte auf dem Küchentisch. Noch ein Glas guten Wein, dann ist das erste "Flying Dinner" zu Ende. Die Gäste gehen hochzufrieden. "Besser als in manch hochpreisigen Restaurant", sagt einer beim Hinausgehen. Tina Kollmann hat Feuer gefangen: Am Donnerstag, 25. Januar, startet das zweite "Flying Dinner". Thema: Thai Food. "Die thailändische Küche gehört zu meinen liebsten", sagt die Köchin. Hingehen und ausprobieren!

Anmeldung für das "Flying Dinner: Thaifood" – fünf Gänge, 42 Euro, am Donnerstag, 25. Januar, unter www.tasteplease.com Infos unter www.leckerundco.de

Hier geht es zum Rezept

Mehr Informationen in unserer Rubrik Essen und Trinken! 

Katja Jäkel Redaktion Genuss & Leben/Aufgetischt E-Mail

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