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Neuanfang auf dem Hausberg

Zwei Frauen führen ab sofort Regie auf dem Moritzberg - 20.08.2009

Die idyllische Moritzberghütte: Nach dem Aufstieg hat man sich dort eine deftige Brotzeit verdient. © Michaela Moritz


Anfang August haben Marion Engling und Andrea Pütz die Wirtschaft gepachtet. Die 46-jährige Nürnbergerin, die im nahen Rüblanden wohnt, und ihre 34-jährige Partnerin aus Altdorf feiern zur Kirchweih ihren Einstand auf dem Moritzberg. Die Vorgänger Chris Wolfinger und Jennifer Wening haben den Moritzberg nach fünf Jahren verlassen – fünf Jahre, in denen es manche Auseinandersetzungen mit der Stadt Röthenbach, mit der Brauerei, aber auch mit Gästen gab.

Viel Zwist mit den früheren Pächtern

Immer wieder bemängelten die früheren Pächter, dass die Gaststätte schwierig zu erreichen sei und die Stadt Röthenbach den Weiterbau einer Teerstraße bis zum Gipfel verweigere. «Infrastrukturell sind wir nicht an das Gebilde der Bundesrepublik angebunden», erklärte Wolfinger zum Abschied im Lokalblatt «Pegnitz-Zeitung». Bürgermeister Günther Steinbauer indes wies die Kritik zurück: Man wolle den Charakter des Moritzberges nicht verändern, entgegnete er. Vielmehr sei Wolfinger der erste Wirt gewesen, der den Kirchweihbesuchern verboten habe, «ihr Zeug mitzubringen». Vorbei.

Marion Engling und Andrea Pütz wollen sich mit der Vergangenheit gar nicht aufhalten und über ihre Vorgänger nicht urteilen. Lieber blicken sie in die Zukunft und versprechen: «Es wird wieder anders werden.» Als Andrea Pütz, die schon aushilfsweise als Bedienung in der Gaststätte arbeitete, von dem frei werdenden Lokal erfuhr, brauchte es nur einen SMS-Austausch mit Marion Engling, um sich für den Standort zu entscheiden. Bolko von Oetinger, Nachfahr der früher den Moritzberg beherrschenden Familie der Fürer und Eigentümer der Gaststätte wie der angrenzenden Kapelle, war offenbar rasch überzeugt vom Tatendrang der beiden Frauen und übertrug ihnen die Pacht für die nächsten fünf Jahre – nicht, ohne die Renovierung der Gaststätte zu übernehmen, wie die beiden Neu-Pächterinnen dankbar betonen.

Die fehlende Straßenanbindung, die abgeschiedene Lage auf dem Gipfel des 603 Meter hohen Nürnberger Hausberges – das waren keine Hindernisse für die beiden. «Wir wollten keine normale Speisegaststätte», erklärt Marion Engling. Außergewöhnlich ist das historische Ensemble um die aus dem Jahr 1419 stammende Kapelle in jedem Fall. Nun wollen Marion Engling und Andrea Pütz mit ihrem gastronomischen Konzept überzeugen. Das klingt so einfach wie hoffungsvoll. Gute, frische fränkische Küche wollen die beiden bieten. «Bei uns gibt es keine Fertiggerichte und nichts mit Glutamat», also keine geschmacksverstärkten Speisen.

Dafür soll immer frischer Braten auf den Tisch kommen – und alles andere, was die fränkische Küche gut macht. Zudem wird es im Biergarten wieder Service geben. Deshalb firmiert die Lokalität auch als «Berggasthof» und nicht mehr als «Moritzberghütte». Wenn Küche und Service stimmen, dann kommen die Leute auch gerne, davon ist Marion Engling überzeugt. Früher sei sie häufig mit dem Mountainbike oder hoch zu Ross auf dem Moritzberg gewesen. «Da war es immer voll.» So soll es wieder werden. 

Stephan Sohr

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