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Zelten in der Oberklasse: Backstage-Camping bei Rock im Park

Ein Wochenende Festivalfeeling mit Luxusfaktor am Dutzendteich - 05.06.2017 16:14 Uhr

Camping erster Klasse: Der Backstage-Zeltplatz wartet mit Lichterketten und befestigten Wegen auf. © Stefan Hippel


"Das Bett ist bequemer als meines zuhause", sagt Tommaso, 24, schwarze Locken, schwarzes Cap, grauer Kapuzensweater. Das ist mal eine Ansage. Tommaso sitzt mit seiner Freundin Luisa vor einem achteckigen Zelt in dezentem Graublau, das aussieht wie die Miniaturausgabe eines Zirkuszeltes, ohne Wimpel und Fähnchen natürlich. Dahinter folgen in Reih und Glied weitere Zelte, zwei Linien in Graublau, der Rest in Grün. Eine kleine Armee, bereitgestellt für eine der größten Massenveranstaltungen, die es in der Region gibt. Und zwar für die Leute, die es auf dieser Massenveranstaltung gerne etwas bequemer haben.

Festivalzeit ist Campingzeit, und auf Rock im Park haben Besucher verschiedenste Möglichkeiten, ihr müde geschütteltes Haupt auf eine Isomatte zu betten: Green Camping im etwas weiter von den Bühnen entfernten Areal um den Luitpoldhain, Zeppelin Stage Camping direkt neben der Hauptbühne, Camping mit Wohnmobil, Motorradcamping, und, natürlich, der ganz normale Wahnsinn auf den Zeltplätzen rund um Dutzendteich und Silbersee.

Kühlbox und Zugang zum Wellenbrecher

In diesem Jahr sind die Veranstalter auf den Trend zum Glamping, also zum Luxuszelten, eingestiegen und haben das Coleman Backstage Camp hinter der Hauptbühne eingerichtet, gesponsert und ausgestattet von der amerikanischen Outdoor-Marke Coleman.

Tommaso und Luisa aus Italien hätten für ihre 15-Quadratmeter-Unterkunft gut 1300 Euro hinlegen müssen, inklusive Tickets, riesigem Luftbett, Schlafsack, Kühltruhe, Stromanschluss und unbeschränktem Zugang zum ersten und zweiten Wellenbrecher, dem Bereich direkt vor der Bühne. Hätten, denn sie wurden vom Veranstalter eingeladen. Das ist wahrer Luxus.

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"Strom und der Zugang zum Wellenbrecher waren zwei Argumente, und, dass die Zelte schon aufgebaut sind", erzählen Felix, Franz, Erik und Micha, alle 31, aus Berlin. Damit umgehen sie das Problem aller Anreisenden: Wer nicht schon Donnerstagvormittag einen Platz reserviert, muss mit den Resten vorlieb nehmen und oft weit weg von den Bühnen eingequetscht zwischen den Nachbarn sein Zelt aufschlagen. Ein Problem für alle, die eine weite Anfahrt haben.

Das war auch ein Grund für eine achtköpfige Gruppe aus Stuttgart, sich für 430 Euro pro Person in vier der grünen Zweier-Zelte einzumieten. "Wir waren die Jahre davor auf einem Camping-Platz in der Nähe, aber der war schon ausgebucht", erklärt Markus die Entscheidung.

Regenstatus: "Fast dicht"

Wie bei allen Neuerungen gab es teilweise Startschwierigkeiten. Beim Zugang zum Wellenbrecher zum Beispiel, "auf der Park Stage sind wir am ersten Tag nicht vorne reingekommen", berichten sowohl die Jungs aus Berlin als auch die Gruppe aus Stuttgart.

Die Gewittergüsse, die Samstagnacht auf das Gelände niedergingen, haben die Zelte größtenteils gut überstanden. "Fast dicht", bescheinigt Mirco aus der Schweiz seiner Luxusbehausung. Auch sonst überwiegen für ihn die Vorteile. Die letzten Jahre hat er im Hotel übernachtet, dieses Jahr hätte er ein VIP-Ticket haben können, auch er kennt den Veranstalter. Doch das bühnennahe Backstage Camp bekam den Zuschlag. Dass der Platz komplett ausverkauft sein soll, wie es offiziell kommuniziert wird, kann er nur schwer glauben. "Hier wohnen einige vom Staff, manche Zelte waren auch leer", beschreibt er die Nachbarschaftssituation in den großen Luxuszelten.

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Etwas mehr Platz dürfte es sein

Die Achtergruppe aus Stuttgart hat auch schon ein paar Verbesserungsvorschläge. Mehr Essensstände in der Nähe zum Beispiel, billigere Getränke, größere Zelte, denn für etwas massigere Personen samt Biervorrat wird es in den 1,85 mal 3,25 Meter großen Zelten doch schnell kuschelig. Die Camp-eigene Bar hat auch keine Begeisterung entfacht, "null Stimmung". Aber: "Das ist meckern auf hohem Niveau", relativieren sie die Kritik. "Insgesamt sind wir sehr zufrieden." 

Julia Ruhnau

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