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Das Herz aus voller Kehle: Songwriterin Karo

Bardentreffen-Tipp für den Lorenzer Platz: Musik voller Seele - 25.07. 15:56 Uhr

NÜRNBERG  - Karo ist anders. Anders als zahlreiche Songwriter, die mit dem gleichem Schema an Songs um die Ecke kommen. Intensiver, konzentrierter, besser. Im Interview spricht die Sängerin über Vergleiche mit Cat Power, die Reaktionen auf ihr Debüt-Album "Sing Out, Heart!" und ihr schlimmstes Konzerterlebnis.


Karo tritt am Sonntag, 31. Juli, um 17.45 Uhr am Lorenzer Platz auf.
Karo tritt am Sonntag, 31. Juli, um 17.45 Uhr am Lorenzer Platz auf.
Foto: Tobias Kühn (eartrumpet.net)/oh
Karo tritt am Sonntag, 31. Juli, um 17.45 Uhr am Lorenzer Platz auf.
Karo tritt am Sonntag, 31. Juli, um 17.45 Uhr am Lorenzer Platz auf.
Foto: Tobias Kühn (eartrumpet.net)/oh

Kannst Du Dich vielleicht einmal kurz vorstellen? Wer ist Karo?

Das ist ja gleich mal eine sehr philosophische Frage zum Einstieg ... Karo ist ein erwachsener Mensch weiblichen Geschlechts, der Musik macht und dabei ziemlich wenig darauf achtet, Gefühle zu verstecken. Jemand, der keine Angst mehr vorm Versagen und anderen Menschen hat. Mit anständigen Manieren und recht nett, würde ich sagen.

Schmeicheln Dir die Vergleiche mit Cat Power?

Auf jeden Fall. Einmal hat sie eine tolle Stimme und schreibt wunderschöne Songs und dann ist sie auch bedingungslos offen - auch wenn sie sich auf ihren Konzerten früher oft bis zur Bewusstlosigkeit betrunken  hat, was ich nicht tue.

Als Du in Erlangen im Plattenladen gespielt hast, hast Du gezeigt, dass alle Popsongs nur auf drei Akkorden beruhen. Ist Musik dann nicht eine unglaublich langweilige Angelegenheit?

Es waren vier Akkorde und ich meinte lediglich, dass Oasis die für fast alle ihre Songs benutzen, aber es stimmt schon: Musik ist eigentlich recht beschränkt in ihren Möglichkeiten. Wenn man von unterschiedlichen Oktaven absieht, benutzen wir nur 12 Töne. Umso faszinierender, dass man es immer noch schafft, Musik zu machen, die anders klingt und nicht langweilt.

Hast Du eigentlich eine besondere Beziehung zu Franken?

Schwierig zu sagen. Im Vergleich zu Hessen sind die Leute hier eher unfreundlich und mir fehlt der viele Wald, aber in Würzburg habe ich meinen ersten Auftritt gehabt und in der Isolation Schweinfurts meine ersten richtigen Lieder geschrieben. Wahrscheinlich wäre ich ohne Franken gar nicht auf die Bühne gegangen.

Was gefällt Dir besser: Studio oder Auftritt?

Eigentlich keins von beidem. Wenn ich die Wahl hätte, würde ich lieber mit Freunden rumsitzen und einfach so Musik machen. Aber Konzerte kommen dem am nächsten. Am Ende ist man ja mit dem Publikum eh quasi befreundet. In einem Studio habe ich erst zweimal Probeaufnahmen gemacht und bis ich nicht den richtigen Produzenten kennengelernt habe, kriegen mich in so ein Studio keine zehn Pferde. Da nehme ich meine Musik lieber im Proberaum auf.

Dein bisher schlimmstes Konzerterlebnis?

Als ich auf einem Festival oberhalb von Berlin gespielt habe, brach ein Sturm los, und mir ist das Zelt über dem Kopf weggeflogen. Aber als es weg war und der Wind sich wieder legte, hab ich einfach unter freiem Himmel weitergespielt.

Warum sollen die Leute zu Deinem Auftritt kommen?

Weil es immer etwas Besonderes sein wird.
Ich spiele kein Programm, nichts Einstudiertes. Naja, und dann habe ich eine ziemlich gute Stimme, die sollte man sich schon mal anhören! Klar, ich sage das mit einem Augenzwinkern, aber ich meine es auch vollkommen ernst.

Hattest Du damals eigentlich mit den Reaktionen zu Deinem Debüt so gerechnet? Es gab ja sogar Lob von Thees Uhlmann.

Irgendwie ja und nein. Ich dachte nicht, dass es tatsächlich so viele hochrangige Musikjournalisten hören würden und dass ich Reviews im Musikexpress und der Intro kriege, aber ich habe selbst ein ziemlich distanziertes Verhältnis zu meiner Musik - also, ich kann sie ein bisschen mit fremden Ohren hören, und ich fand die Platte selbst sehr gut (abgesehen von der DIY-Aufnahmequalität). Deswegen dachte ich schon, dass sie vielen Leuten gefallen könnte.

Wie weit bist Du mit den Arbeiten für Deine neue Platte? Hast Du Deine neuen Songs auf eine andere Art geschrieben? Damals im Plattenladen hatten manche Tracks einen viel höheren Noise-Anteil als Sachen wie etwa "The Sailor".

Ich bin mit der neuen Platte zu etwa 90 Prozent fertig, hatte aber jetzt lange Husten und konnte die Vocals nicht aufnehmen. Es soll ja schließlich perfekt werden. Also, nicht in dem Sinn, dass kein Raum für Fehler ist, aber es muss sich richtig anfühlen.

Die Songs sind eigentlich auf dieselbe Art entstanden, aber ich habe seit ein, zwei Jahren einen Looper und der erlaubt mir, Gitarrenspuren unkompliziert beim Spielen aufzunehmen und dann dazu etwas neues zu spielen. Bei den Songs der ersten Platte gab es meistens nur eine Gitarrenspur, weil ich das live auch so gespielt hatte. Jetzt ist live mehr drin und das wirkt sich auch auf die Songs und die Aufnahmen aus.

Hast Du schon das Line-Up vom Bardentreffen gesehen? Kannst Du abseits von Dir noch andere Künstler empfehlen?

Ich muss sagen, dass ich nicht sehr viele Künstler kenne, die spielen. Aber wen ich kenne und sehr gerne mal live sehen würde, sind auf jeden Fall Coconami und Juan de Marcos Afro Cuban All Stars. Bei Youtube bin ich mal über Paul Armfield gestolpert und auch wenn die Musik für meinen Geschmack zu folkig ist, glaube ich, dass der live auch sehr gut sein könnte.

Karo tritt am Sonntag, den 31. Juli, um 17.45 Uhr am Lorenzer Platz auf.  



Text & Interview: Björn Bischoff

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Zum Thema
Bardentreffen: Kreuzigungshof am Sonntag
Seit:
1976
Turnus:
jährlich

Termin:
27.07 bis 29.07.2012
Kurzbeschreibung:
Das Nürnberger Bardentreffen ist ein Liedermacher-Festival, auf dem jedes Jahr bekannte und unbekannte Musiker aus Rock, Pop, Blues, Jazz, Folk etc. auftreten. Es ist kostenlos und findet nur draußen statt.
Auch außerhalb der Bühnen ist eine Vielzahl von Musikern in der Innenstadt anzutreffen - meist von Zuhörern dicht umringt.
Veranstalter:
Stadt Nürnberg
Besucher:
170.000 im Jahr 2011; 200.000 im Jahr 2010
Teilnehmer:
fast 70 Konzerte