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Der rote Schnellhefter. Gefüllt mit Ansprechpartnern, Telefonnummern, mit Lage- und Ablaufplänen. Der Schnellhefter und das Handy – Maria Huggenberger steht vor dem Schuldturm auf der Insel Schütt und hält ihr mobiles Büro in den Händen. Am Dienstag und am Mittwoch, da hat sie die Altstadt mit gelben Kreiderechtecken verziert. Und in großen Ziffern Nummern reingeschrieben. Von 1 bis 100. Jeder Stand bekommt exakt die Abmessung, die vertraglich festgelegt wurde. Das Handy klingelt. Maria Huggenberger nimmt ab. „Der Schankwagen? Das ist eine gute Frage.“ Auf zum Hauptmarkt.
Wo die Stände stehen dürfen, das gibt die Stadt vor. Im Laufschritt zeigt die 31-Jährige mit dem Finger auf den Lageplan. Alle zwei Jahre schreibt die Stadt die gastronomische Koordination des Event-Pakets „Klassik Open Air + Bardentreffen“ aus, vor zwei Jahren bekam das Unternehmen Barcode Union GmbH den Zuschlag. In diesem Jahr kommt auch noch die Organisation von „Stars im Luitpoldhain“ hinzu. Die Stadt hat die Standflächen an Barcode vermietet, die Firma vermietet weiter an die Betreiber. Zwischen 300 und 6000 Euro kostet ein Platz, je nach Größe und Örtlichkeit. Der Hauptmarkt etwa ist teurer als der Sebalder Platz.
Seit Donnerstag wird aufgebaut. Früh um acht ging’s los. Erst die Schankwägen, dann das Inventar. Alles braucht seine Ordnung. Denn wohin mit den Gläsern, wenn die Regale fehlen? Ab 14 Uhr, Projektleiterin Huggenberger schaut auf ihren Plan, sind die Stände dran. Also jetzt. Sie rücken an. Das Handy klingelt. „Einfach den Stecker zum blauen Kasten legen. Der Strom wird heute noch angeschlossen. Das kriegen wir hin.“
Der Schankwagen steht rechts neben der Frauenkirche. Das Problem: Dort, wo der Wagen laut Plan stehen sollte, darf er gar nicht stehen – denn da kommt der VIP-Bereich hin. Sie greift zum Handy. „Jürgen, wo bist du? Im kühlen Rathaus? Meinst du, du könntest dich mal kurz in die warme Sonne begeben?“ Jürgen kommt. Die Stadt und Barcode arbeiten eng zusammen. Die junge Frau mit dem blonden Pferdeschwanz lächelt. Weiblicher Charme kann keine Berge versetzen. Kühlwagen dagegen schon.
Jetzt zeichnet sie mit dem Fuß eine imaginäre Linie auf den Boden. Hier, sagt sie zu Jürgen, soll der Bauzaun stehen, um den VIP-Bereich abzutrennen. Wieder klingelt das Handy. „Huggenberger, hallo? Ja, Sie können jetzt aufbauen.“ Das Bardentreffen, ein Großereignis. 66 Bands und Solosänger hat Festival-Leiter Charly Fischer gebucht. „Und ich 100 Betreiber!“, sagt Maria Huggenberger. „Und ich“, kontert Jürgen, „hab mir heut früh zwei Schachteln Zigaretten gekauft und bin neugierig, wie viel ich heut Abend noch hab’.“
Handy am Ohr, Flip-Flops an den Füßen: Maria Huggenberger wirkt extrem entspannt. Für Barcode ist sie auch noch Geschäftsführerin des Hofladens Frankenfein und nebenher studiert sie Kulturwissenschaften und Projektmanagement. Sie liegt ganz gut in der Zeit. Das sei fast schon beunruhigend. „Letztes Jahr war’s viel chaotischer.“
Sie erinnert sich: An den afrikanischen Stand, der in aller Ruhe um ein angekettetes Fahrrad aufgebaut wurde. An den Anruf „Wir haben ein Fahrrad in unserem Stand“, als es in den Töpfen bereits blubberte. An die Polizei, die kommen musste, um das Fahrrad loszuschneiden.
Spannend wird es heute Abend, wenn die letzten Betreiber eintrudeln und sich einfädeln müssen in ihr gelbes Rechteck. Werden die eingeplanten vier auf vier Meter passen? Oder ist der Wagen über Nacht doch überraschend auf fünf mal fünf Meter angewachsen? Der Flammkuchenverkäufer braucht dringend Strom für seinen Kühlwagen. Sonst verderben die Lebensmittel. Zufahrts- und Parkbescheinigungen sowie Schankgenehmigungen müssen verteilt werden. Wieder das Handy. „Aber nicht wie vergangenes Jahr über die Linie fahren! Da ist die Feuerwehrzufahrt.“
Maria Huggenberger muss eine Entscheidung treffen. „Also der Schankwagen“, sie beschreibt mit den Händen eine Fläche, „ kommt hierhin.“ Es folgen drei Telefonate. „Hast du mal Zeit, einen Schankwagen zu verschieben?“ Drei Männer kommen, um zu helfen. Die Projektleiterin lächelt wieder triumphierend und sagt: „Ha! Das gefällt mir.“ Alles hört auf ihr Kommando. Später steht auf einmal Charly Fischer neben ihr. Und sagt „Ist doch gut gelöst mit dem Anhänger.“ Ist ja auch ihr Job.
Mo. 09.04.12
Sa. 03.12.11
Di. 02.08.11
Mo. 01.08.11
Mo. 01.08.11