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Kurzweilige Führung über den Christkindlesmarkt

Geschichten und Legenden lebendig vermittelt - 06.12.2012 09:00 Uhr

Nürnberg  - Zwetschgermoh, Rauschgoldengel, "Kaiserlein" und mehr: Einen Blick in die Vergangenheit wirft der Verein "Geschichte für Alle" bei einem kurzweiligen wie lehrreichen Rundgang rund um den Christkindlesmarkt.

Allerlei Anekdoten vom Christkindlesmarkt werden bei einem Rundgang des Vereins "Geschichte für Alle" erzählt.
Allerlei Anekdoten vom Christkindlesmarkt werden bei einem Rundgang des Vereins "Geschichte für Alle" erzählt.
Foto: Michael Matejka
Allerlei Anekdoten vom Christkindlesmarkt werden bei einem Rundgang des Vereins "Geschichte für Alle" erzählt.
Allerlei Anekdoten vom Christkindlesmarkt werden bei einem Rundgang des Vereins "Geschichte für Alle" erzählt.
Foto: Michael Matejka

"Willst an, der di net ärgern ko, dann nimm dir halt an Zwetschgermoh“, lautet ein Nürnberger Spruch. Das "Zwetschgenmännla“ ist eine Marketing-Idee aus dem Mittelalter.

Längst gibt es alle möglichen Varianten: ob traditioneller Schlotfeger oder neumodischer Clubberer. Zur Entstehungsgeschichte des "Zwetschgenmännla“ erzählt Rundgangsleiter Axel Maussner eine Legende. Es war einmal ein armer und betagter Drahtzieher, der im Sterben lag. Täglich lauschte er einem Kinderchor — und der sang ihn quasi gesund. Als Dank fertigte er Männchen aus Draht, Dörrobst und selbst genähten Kleidern an, die er den Kindern schenkte.

Der Verein "Geschichte für Alle“ bietet auch in diesem Jahr einen weihnachtlichen Rundgang an. Das Motto lautet "Zwetschgermoh und Rauschgoldengel — Geschichte(n) vom Christkindlesmarkt“. Während im katholischen Deutschland Nikolaus und Martin die Geschenke brachten, wurde diese Funktion nach der Reformation dem Christkind übertragen. Die Nachfrage nach Weihnachtsgeschenken stieg stetig, so wurde aus dem „Kindleinsmarkt“ peu à peu der Christkindlesmarkt.

Die Begriffe "lebekuoche“ und "lebzelte“ tauchten im 13.Jahrhundert auf. Eine Erklärung steht im Grimm’schen Wörterbuch. Danach ist der Name vom lateinischen Wort "libum“ (Kuchen) abgeleitet.

Auch Kaiser Friedrich III. war ein Liebhaber der süßen Spezialität, wie Maussner sagt: "Der Kaiser schenkte vor über 500 Jahren den Nürnberger Kindern einen ganz besonderen Lebkuchen, den man heute noch unter dem Namen Kaiserlein kennt.“ In Nürnberg wurden schon im 14. Jahrhundert Tonpuppen produziert, sogenannte "Docken“. Ähnlich der "Barbie“ der Gegenwart stellten diese Puppen Frauen im Schönheitsideal von einst dar.

Anschließend stehen die traurigen Geschehnisse im Fokus, die zur Erfindung des Rauschgoldengels geführt haben sollen. Ein Holzschnitzer kam im 16. Jahrhundert in die Stadt, frisch verwitwet und mit seiner kleinen Tochter im Schlepptau. Die Tochter hatte blonde Locken und verstarb bald nach der Ankunft. Der Vater schuf zum Andenken eine mit Blattgold umwickelte Holzfigur. Diese trug Flügel statt Arme, die den Tod des Mädchens symbolisierten.

Doch bei der Führung gibt es nicht nur weihnachtliche Anekdoten aus vergangenen Zeiten. So berichtet Maussner, dass der Christkindlesmarkt sein Eröffnungsspektakel ausgerechnet dem nationalsozialistischen Oberbürgermeister Willy Liebel zu verdanken hat. Liebel führte ein neues Zeremoniell ein, bei dem ein lebendiges Christkind, flankiert von zwei Rauschgoldengeln, einen Prolog spricht.

"Heute hat das Nürnberger Christkind in der Vorweihnachtszeit rund 150 Termine“, verdeutlicht Axel Maussner beim Rundgang. Doch auch deren Vorgängerin repräsentiert weiterhin die Noris, jettet um die Welt und tritt in Nürnberger Partnerstädten auf.

Von 1948 bis 1961 mimte die Schauspielerin Sofie Keeser das Christkind. Keeser erzählte, dass sie einmal hinter der Frauenkirche in einem Auto auf ihren Auftritt wartete und sehr nervös war. Um sich zu beruhigen, steckte sie sich eine Zigarette an. Da hörte Keeser einen erstaunten Jungen zu seiner Mutter sagen: "Schau hi, des Christkindle qualmt ja!“

Weitere Termine: 9., 16. und 23. Dezember um 11 Uhr

Treffpunkt: Rathausplatz, Haupteingang Altes Rathaus.
  

THOMAS SUSEMIHL


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Zum Thema
Impressionen vom Christkindlesmarkt 2009
Seit:
1628 (erste Erwähnung)
Turnus:
jährlich

Termin:
29.11. bis 24.12.2013
Kurzbeschreibung:
Der berühmte Weihnachtsmarkt mit seinen charakteristischen Holzbuden zieht jedes Jahr aufs Neue zahlreiche Besucher aus dem In- und Ausland an. Alle zwei Jahre wird eine Nürnbergerin im Alter zwischen 16 und 19 Jahren zum Christkind gewählt. Aktuelles Christkind ist Franziska Handke.

Die Buden auf dem Christkindlesmarkt 2012

Budenplan
Besucher:
über zwei Millionen
Teilnehmer:
rund 180 Buden
Eintritt:
frei
Kontakt:
0911 / 23 36-0