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„Ich arbeite zwischen April und Weihnachten praktisch durch. Ich habe schulpflichtige Kinder und möchte Weihnachten mit ihnen verbringen“, erzählt Karl-Heinz Hartnagel, der einen Imbissbetrieb auf dem Markt führt. Der Christkindlesmarkt habe sich immer an der Adventszeit orientiert. Hartnagel wehrt sich gegen eine Verlängerung der Marktdauer, weil es nur darum gehe, dass die Schausteller helfen sollen, die Hotelzimmer zu füllen: „Die Hoteliers müssten viel mehr dazu beitragen und ihre Zusagen auch einhalten, um Nürnberg zu einer Weihnachtsstadt zu machen.“ Außer dem Le Meridien sei kaum ein weiteres Hotel festlich geschmückt. Die meisten Verbesserungen für den Christkindlesmarkt in den vergangenen Jahren seien von den Schaustellern ausgegangen. Die neue Weihnachtsbeleuchtung und dass die Busse die Touristen wieder in der Innenstadt herauslassen können, schreiben die Schausteller auf ihr Konto.
Lorenz Kalb, Geschäftsführer der Kinderweihnacht, sieht die Lage ähnlich wie Hartnagel: „Am 24. ist um 14Uhr Schluss.“ Etwas anderes sei es mit dem Beginn des Christkindlesmarkts. „Angesichts der starken Konkurrenz, müssen wir uns fragen, ob es ratsam ist, dass der Christkindlesmarkt als der letzte große Markt aufmacht?“, fragt Kalb. Das Thema soll im März eine Rolle spielen, wenn im Rahmen eines runden Tisches die Erfahrungen mit dem diesjährigen Christkindlesmarkt diskutiert werden. Auch Wirtschaftsreferent Michael Fraas möchte über die Öffnungszeiten erst im März diskutieren: „Da gehört die Frage auch hin.“
Der Christkindlesmarkt und andere Weihnachtsmärkte sind keine Selbstläufer, das wissen die Schausteller, denn gute Waren, in Handarbeit hergestellt, kosten richtig Geld, ebenso die Dekoration der Buden. In Fürth läuft derzeit die Diskussion, wie der Weihnachtsmarkt aus den roten Zahlen herauskommen kann und in Berlin wird Eintritt verlangt. In anderen Städten wie in Bonn werden alle möglichen Waren angeboten, die mit Weihnachten nichts zu tun haben – damit der Umsatz stimmt. „Essen und Trinken ist zur Finanzierung des Marktes ganz wichtig“, sagt Fritz Stahlmann, der einen Imbissstand betreibt. Damit es unter den Betreibern der Bratwurst- und Glühweinstände einigermaßen gerecht zugeht, teilen sie sich zum Teil die Stände, und die Standorte der Betriebe wechseln auf dem Markt von Jahr zu Jahr. Ein Begrenzung des Ess- und Trinkangebots wie in Nürnberg gebe es auf anderen Märkten nicht so stark.
Laut Kalb laufen die Geschäfte in diesem Jahr gut: „Der zweite Advent war mein bester Tag aller Zeiten.“ Zu den guten Umsätzen hätten vor allem die zahlungskräftigen Anhänger der Düsseldorfer Fortuna beigetragen. Nur beim Weihnachtsschmuck sieht es eher trübe aus. „Die Menschen gehen in Baumärkte und kaufen Kugeln und schmeißen sie dann wieder weg. Qualität zählt leider wenig“, beklagt Kalb die wachsende Wegwerfmentalität.
Gerne hätten die Schausteller, dass die Nürnberger den Christkindlesmarkt wieder mehr als „ihren“ Markt annehmen. „Es wäre schön, wenn er zu einem Treffpunkt für Jung und Alt wird“, sagt Kalb. Die Anhebung etwa des Glühweinpreises auf drei Euro hält Kalb angesichts der Preisentwicklung bei Personal, Energie und Wein für vertretbar: „Bei der Debatte über die Erhöhung des Glühweinpreises ist völlig untergegangen, dass der Glühweinpreis im nächsten Jahr konstant bleibt.“ Die Schausteller halten die strenge Auswahl des Marktamts bei der Auswahl der Budenbtreiber insgesamt für fair. Kalbs Frau etwa musste sich 34 Jahre lang bewerben, um einen Stand mit Feuerzangenbowle aufmachen zu können. Der 80-jährige Heinz Metz verkauft seit 50 Jahren Lebkuchen und Früchtebrot auf dem Christkindlesmarkt. Doch die Tradition wird irgendwann ein Ende haben, weil seine Tochter sich nicht früh genug beworben hat.