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Schon Hunderte Male ist Franziska Handke über den Hauptmarkt gelaufen, hat an der Frauenkirche hochgeblickt, hat den Aufbau des Christkindlesmarktes beobachtet. Doch als sie kurz vor Start des Christkindlesmarktes wieder über den Markt läuft, fühlt sich das alles anders an. Denn dieses mal wird sie auf der Empore stehen und den Prolog sprechen, das „Städtlein aus Holz und Tuch“ eröffnen: den Kopf voller blonder Korkenzieherlocken, darauf eine große Krone, gewandet in ein weiß-goldenes Kleid. Das normale Mädchen hat sich dann in das Nürnberger Christkind verwandelt.
Den Antrittsbesuch bei Oberbürgermeister Ulrich Maly hat sie schon absolviert. Die Schülerin der Maria-Ward-Schule, wird in der Vorweihnachtszeit wahrscheinlich bekannter werden als er. Jedenfalls in den Kindergärten, Krankenhäusern, Behinderteneinrichtungen und Pflegeheimen, die sie besucht. 170 Termine sind in der Adventszeit notiert, für mehr ist keine Zeit. Die Zeit wird dann auch knapp für das, was Franziska gerne mag: Filme wie „Twilight“ und Serien wie „CSI: NY“ gucken, Charlotte Links Thriller lesen, den Labrador von Bekannten Gassi führen, per SMS mit Freunden in Kontakt bleiben, Gesellschaftstanz im Allgemeinen und Tango im Besonderen. Am allerliebsten aber, erklärt die 17-Jährige, schläft sie lange. Auch das wird vor Weihnachten zu kurz kommen.
Die Symbolfigur des Christkindlesmarkts muss keine harsche Kritik erwarten – es ist eine Sympathiefigur durch und durch, dessen sanfter Ruhm bis in die Nürnberger Partnerstädte Chicago und Glasgow reicht. Nürnbergs „himmlisches Ehrenamt“, das jede Würdenträgerin zwei Jahre ausfüllt, ist anspruchsvoll, anstrengend. Dass sie sich einmal Locken und Krone wird aufsetzen dürfen, damit, sagt Franziska, habe sie nicht gerechnet.
Kurz entschlossen, zwei Tage vor dem Einsendeschluss, hatte sie beim Presseamt ihre Bewerbung eingereicht. Dann meldete sich der Ehrgeiz. Das Mädchen sammelte mehr als 1600 Unterstützer-Unterschriften, im Internet studierte Franziska die Prolog-Reden früherer Christkinder. Möglicherweise, überlegt sie, hat sie etwas mit denen gemeinsam. Was das ist, könne sie nicht sagen. „Vielleicht ist es die Natürlichkeit?“, fragt Franziska und lächelt.

Mo. 24.12.12
Mo. 24.12.12
So. 23.12.12
So. 23.12.12
So. 23.12.12