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Schon Hunderte Male ist Franziska Handke über den Hauptmarkt gelaufen, hat an der Frauenkirche hochgeblickt, hat den Aufbau des Christkindlesmarktes beobachtet. Nun fühlt sich das alles anders an. Denn am nächsten Freitag, den 25. November, wird sie auf der Empore stehen und den Prolog sprechen, das „Städtlein aus Holz und Tuch“ eröffnen: den Kopf voller blonder Korkenzieherlocken, darauf eine große Krone, gewandet in ein weiß-goldenes Kleid. Das normale Mädchen hat sich dann in das Nürnberger Christkind verwandelt.
Gerade war Franziska bei Oberbürgermeister Ulrich Maly, zum Antrittsbesuch. Die Elftklässlerin, die die Maria-Ward-Schule besucht, wird in der Vorweihnachtszeit wahrscheinlich bekannter werden als er. Jedenfalls in den Kindergärten, Krankenhäusern, Behinderteneinrichtungen und Pflegeheimen, die sie noch besuchen will. 170 Termine sind in der Adventszeit notiert, für mehr ist keine Zeit. Die Zeit wird dann auch knapp für das, was Franziska gerne mag: Filme wie „Twilight“ und Serien wie „CSY: NY“ gucken, Charlotte Links Thriller lesen, den Labrador von Bekannten Gassi führen, per SMS mit Freunden in Kontakt bleiben, Gesellschaftstanz im Allgemeinen und Tango im Besonderen. Am allerliebsten aber, erklärt die 16-Jährige, schläft sie lange. Auch das wird bis Weihnachten zu kurz kommen.
Steht man im Rampenlicht, kann die Helligkeit manchmal auch blenden. Um das zu verhindern, übergeht Franziska Medienberichte über sich einfach. Während ihre Eltern Michael und Gabriele alles, was über ihre Tochter erscheint, in einem dicken Ordner sammeln, betrachtet diese höchstens die Fotos.
Zum Beispiel die von der ersten Kleiderprobe im Staatstheater. Franziska sieht sich darauf im vollen Gewand, als Christkind. „Und dabei dachte ich: Oje!“, erklärt sie unbefangen und mit den Händen gestikulierend. Sie will ganz sie selbst bleiben und gesteht daher auch ohne Scheu: „So leid es mir tut, aber ich mag keine Nürnberger Bratwürste.“
Die Symbolfigur des Christkindlesmarkts muss keine harsche Kritik erwarten – es ist eine Sympathiefigur durch und durch, dessen sanfter Ruhm bis in die Nürnberger Partnerstädte Chicago und Glasgow reicht. Nürnbergs „himmlisches Ehrenamt“, das jede Würdenträgerin zwei Jahre ausfüllt, ist anspruchsvoll, anstrengend. Und auch begehrt. Dass sie sich einmal Locken und Krone wird aufsetzen dürfen, damit, sagt Franziska, habe sie nicht gerechnet.
Kurz entschlossen, zwei Tage vor dem Einsendeschluss, hatte sie beim Presseamt ihre Bewerbung eingereicht. Dann meldete sich der Ehrgeiz. Das Mädchen sammelte mehr als 1600 Unterstützer-Unterschriften, im Internet studierte Franziska die Prolog-Reden früherer Christkinder. Möglicherweise, überlegt sie, hat sie etwas mit denen gemeinsam. Was das ist, könne sie nicht sagen. „Vielleicht ist es die Natürlichkeit?“, fragt Franziska und lächelt.

Mo. 26.12.11
Sa. 24.12.11
Fr. 23.12.11
Mi. 21.12.11
Mi. 21.12.11