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Zwischen Nussköpfen und Engeln

Auf dem Christkindlesmarkt trotzen ganz unterschiedliche Klassiker der Moderne - 13.12.2012

Nürnberg  - Man bekommt inzwischen allerhand auf dem Christkindlesmarkt. Goldschmuck und Plastikspielzeug aus Fernost, Erdnüsse in scharfer Wasabi-Hülle und abgefahrene Kinderklamotten. An manchem Stand fragt man sich zuweilen schon, was dieser auf einem Weihnachtsmarkt zu suchen hat. Doch es gibt sie noch, die Klassiker vom Hauptmarkt.

„Springerle“ wecken Kindheitserinnerungen und sind dabei schöne Hingucker, die in Nürnberg auch noch von Hand gefertigt werden.
„Springerle“ wecken Kindheitserinnerungen und sind dabei schöne Hingucker, die in Nürnberg auch noch von Hand gefertigt werden.
„Springerle“ wecken Kindheitserinnerungen und sind dabei schöne Hingucker, die in Nürnberg auch noch von Hand gefertigt werden.
„Springerle“ wecken Kindheitserinnerungen und sind dabei schöne Hingucker, die in Nürnberg auch noch von Hand gefertigt werden.

Sie hingen schon bei der Großmutter am Weihnachtsbaum. Sie wurden jedes Jahr aufs Neue gekauft oder, aus Salzteig gebacken, aus der Deko-Kiste gezogen. Steinhartes Gebäck, an das man sich als Kind nur einmal heranschlich, um davon zu kosten. Sie waren einfach zu lecker anzusehen, aber eben leider nicht zu kauen, weil die Großmutter die „Springerle“ nicht zum Essen ausgegeben hatte, sondern eben als zeitlosen Schmuck für den Baum.

Zum Essen sind all die kleinen, bunt bemalten, süßen Kunstwerke bis heute viel zu schade. „Springerle“ sind echte Hingucker und dabei wahre Überlebenskünstler auf dem Christkindlesmarkt. Denn die Geschichte der Plätzchen aus Eierzucker geht bis ins 17. Jahrhundert zurück und hat in Franken eine lange Tradition. Dennoch sind die „Springerle“ beinahe in Vergessenheit geraten, nur an wenigen Ständen bekommt man sie in diesen Tagen auf dem Hauptmarkt.



Sie sind reine Handarbeit, die ihre schönen Motive sogenannten Modeln verdankt, auf die der Teig gedrückt wird. Der Name „Springerle“ hängt vermutlich damit zusammen, dass häufig Reiter und Pferde dargestellt wurden. „Springerle“ wurden aber nicht nur an die Tanne gehängt, man verschenkte sie einst auch zu Hochzeiten, Taufen, zur Einschulung und zu anderen feierlichen Anlässen. Dabei reichten die Motive von religiösen Darstellungen über derbe Anspielungen bis eben zu Ross und Reiter.


Zwetschgenmännle sind nicht schier an jeder Ecke zu haben und gehören dabei dennoch zu den Markenzeichen des Nürnberger Christkindlesmarktes — inklusive einer netten Geschichte über ihren Ursprung.
Zwetschgenmännle sind nicht schier an jeder Ecke zu haben und gehören dabei dennoch zu den Markenzeichen des Nürnberger Christkindlesmarktes — inklusive einer netten Geschichte über ihren Ursprung.
Foto: dpa
Zwetschgenmännle sind nicht schier an jeder Ecke zu haben und gehören dabei dennoch zu den Markenzeichen des Nürnberger Christkindlesmarktes — inklusive einer netten Geschichte über ihren Ursprung.
Zwetschgenmännle sind nicht schier an jeder Ecke zu haben und gehören dabei dennoch zu den Markenzeichen des Nürnberger Christkindlesmarktes — inklusive einer netten Geschichte über ihren Ursprung.
Foto: dpa

Sie sind kleine Markenzeichen mit Nussköpfen und dunklen Runzelbäuchen. Die Zwetschgenmännle gehören auf den Christkindlesmarkt wie die eigentümlichen Buden, aus denen heraus sie verkauft werden: Darin sind die Männle stufenförmig aufgebaut, dazwischen sieht man den Händler in der Regel nur bis zur Brust, manchmal nur seinen Kopf. Der Sage nach sollen die Zwetschgenmännle im 18. Jahrhundert von einem Nürnberger Drahtzieher erfunden worden sein. Dieser hatte den Kindern eine Freude machen wollen, aber nichts außer Draht und einen Zwetschgenbaum vor dem Haus. Aus Draht formte er Gestelle und steckte darauf gedörrte Zwetschgen, die in seinem Garten gewachsen waren. Er formte Figuren und schenkte sie den Kindern. Die Klassiker gehen längst auch mit der Zeit. Es gibt sie traditionell mit Kopftuch oder Wanderstab, aber auch als Abc-Schützen, Roller-Fahrer oder am Computer sitzend.


Der vielleicht größte Klassiker hängt am Eingang zum Christkindlesmarkt: der riesige Rauschgoldengel. Wann genau und von wem die ersten dieser Engel erschaffen wurden, ist nicht gesichert. Doch gab es den Rauschgoldengel lange bevor ihn die Nationalsozialisten für ihre Zwecke missbrauchten und ihn 1933 zum werbewirksamen und gut verkäuflichen Symbol des Christkindlesmarkts stilisierten. Abbildungen gibt es bereits aus dem letzten Drittel des 18. Jahrhunderts. Auch diese Tradition kennt eine schöne Sage, nach der der erste Engel aus Trauer über ein verstorbenes Kind hergestellt worden war. Zur Herstellung des besonderen Kleides wurde einst Messing zu dünnem Blech ausgewalzt, zwischen Leder dünn geschlagen und schließlich geschnitten. Heute werden Rauschgoldengel vor allem aus Aluminiumfolie hergestellt. Bis heute kommen sie auch aus Nürnberg und der Region. Zu kaufen gibt es Rauschgoldengel nicht mehr an allzu vielen Ständen. Im 19. Jahrhundert gehörten sie hingegen zum klassischen Sortiment in den Buden — und auf die Baumspitze daheim.


Feiner Weihnachtsschmuck — es gibt ihn bis heute auf dem Christkindlesmarkt. Auch wenn nun Billig-Ware aus dem Supermarkt mit Niedrigpreisen lockt.
Feiner Weihnachtsschmuck — es gibt ihn bis heute auf dem Christkindlesmarkt. Auch wenn nun Billig-Ware aus dem Supermarkt mit Niedrigpreisen lockt.
Foto: dpa
Feiner Weihnachtsschmuck — es gibt ihn bis heute auf dem Christkindlesmarkt. Auch wenn nun Billig-Ware aus dem Supermarkt mit Niedrigpreisen lockt.
Feiner Weihnachtsschmuck — es gibt ihn bis heute auf dem Christkindlesmarkt. Auch wenn nun Billig-Ware aus dem Supermarkt mit Niedrigpreisen lockt.
Foto: dpa

Zu kämpfen hat klassischer Christbaumschmuck ohnehin. Gerade einmal an 27 der knapp 200 Stände gibt es ihn heuer zu kaufen. In Zeiten der Wegwerfmentalität ist das kein wirkliches Wunder. So mancher greift eben doch lieber zur Billigware aus dem Supermarkt oder will vielleicht auch einfach nicht warten, bis der Christkindlesmarkt wieder eröffnet. Die Großeltern hielten es da noch anders. Ging die gläserne Christbaumspitze entzwei, holte man sich natürlich ein schönes neues Exemplar vom Christkindlesmarkt.


Die Krippe im Zentrum des Hauptmarktes gehört seit Jahrzehnten dazu. Inzwischen wird das Ensemble durch ein Netz geschützt.
Die Krippe im Zentrum des Hauptmarktes gehört seit Jahrzehnten dazu. Inzwischen wird das Ensemble durch ein Netz geschützt.
Foto: Roland Fengler
Die Krippe im Zentrum des Hauptmarktes gehört seit Jahrzehnten dazu. Inzwischen wird das Ensemble durch ein Netz geschützt.
Die Krippe im Zentrum des Hauptmarktes gehört seit Jahrzehnten dazu. Inzwischen wird das Ensemble durch ein Netz geschützt.
Foto: Roland Fengler

Manche Klassiker gibt es hingegen im Überfluss. Lebkuchenherzen oder gebrannte Mandeln, die wohl ihren Ursprung im 17. Jahrhundert haben. Sie bekommt man freilich auch auf Kirchweihen oder dem Volksfest. Auch Nürnberger Bratwürste sind längst das ganze Jahr über in der Stadt daheim. Doch ein Christkindlesmarkt ohne Bratwürste? Undenkbar!
  

VON IRINI PAUL


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Zum Thema
Impressionen vom Christkindlesmarkt 2009
Seit:
1628 (erste Erwähnung)
Turnus:
jährlich

Termin:
29.11. bis 24.12.2013
Kurzbeschreibung:
Der berühmte Weihnachtsmarkt mit seinen charakteristischen Holzbuden zieht jedes Jahr aufs Neue zahlreiche Besucher aus dem In- und Ausland an. Alle zwei Jahre wird eine Nürnbergerin im Alter zwischen 16 und 19 Jahren zum Christkind gewählt. Aktuelles Christkind ist Franziska Handke.

Die Buden auf dem Christkindlesmarkt 2012

Budenplan
Besucher:
über zwei Millionen
Teilnehmer:
rund 180 Buden
Eintritt:
frei
Kontakt:
0911 / 23 36-0