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Nürnberger Gorillas im Silvesterstress

Zoo verabreicht Nerventee zur Beruhigung – Feuerwerk könnte Idylle im Stall von Gut Aiderbichl stören - 28.12. 11:57 Uhr

NÜRNBERG/MÜNCHEN  - Zu Weihnachten hat Gorilla Fritz seinen ersten Schlaf- und Nerventee getrunken. Jetzt bekommt er die Mischung aus der Apotheke täglich, damit er die Silvesternacht einigermaßen ruhig übersteht. Das Jahr über ist Fritz der Chef im Gorillagehege des Nürnberger Tiergartens, aber Silvester verlässt ihn die Gelassenheit.


Wenn draußen die Feuerwerke hoch gehen, wird er sehr nervös und nimmt sich keine Zeit mehr zum Fressen und Trinken. „Der ist eindeutig unser Sensibelchen“, sagt die Tierärztin des Zoos, Katrin Baumgartner.

Nicht nur Haus-, sondern auch Zootieren, die in größeren Städten leben, kann der Lärm in der Silvesternacht ganz schön unheimlich werden. Im Nürnberger Tiergarten sind die größten Angsthasen ausgerechnet die Gorillas. Auch anderen Tieren, vor allem Zebras und Antilopen, ist der Lärm laut Baumgartner nicht ganz geheuer. Am Tag danach seien viele Ställe zerwühlt und die Tiere müde. „So wie wir, wenn wir schlecht geträumt haben“, erklärt die Tierärztin.

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Während die Nürnberger in den Straßen Silvester feiern, Böller krachen lassen und Feuerwerke inszenieren, erleben die Gorillas im Tiergarten die stressigste Nacht des Jahres. Von ihren Pflegern bekommen sie deswegen einen Tee zur Beruhigung der Nerven.

Im Münchner Tierpark Hellabrunn kauern viele Artgenossen mehr als sonst eng beisammen in ihren Gehegen und warten auf ein Ende der Knallerei. „Da rückt man ein bisschen zusammen“, sagt Vorstandsassistentin Bettina Kirchgässler. Das Verhalten der Tiere sei vergleichbar mit dem bei einem Gewitter: Der Lärm sei „natürlich nicht angenehm, aber es ist nicht so, dass sie in Panik gegen die Wände rennen würden.“ Kirchgässlers Fazit: „Kein Drama“ in München.  

Tiere haben Silvester früher Feierabend

Je weiter abseits ein Zoo liegt, desto weniger Probleme scheint es zu geben. „Bei uns wird nicht sehr viel geknallt“, sagt die Leiterin des Augsburger Zoos, Barbara Jantschke. „Die Tiere können das eigentlich ab.“ Der Zoo liege ein gutes Stück von der Innenstadt entfernt. Zudem beginne der Feierabend für die Tiere früher als sonst, da die Besucher vorzeitig gingen, um sich für ihre Silvesterpartys fertig zu machen. Aufpassen müsse man nur, dass keine Raketen auf die Dächer fielen und sie in Brand setzten.

 Noch ruhiger geht es auf Christine Siebers Kamelfarm im Allgäu zu. Sie hält 30 Kamele, auf denen sie Ausritte durchs Alpenvorland anbietet. Sie seien nicht so schreckhaft wie Wildtiere im Zoo und auch durch einen eventuellen Böller nicht aus der Ruhe zu bringen. Noch nie sei ein Kamel durchgedreht, sagt Sieber. „Dass die mal gucken, mei, klar.“  

Früher bekam Gorilla Fritz Durchfall  

Unklar ist, ob die fröhlichen Feuerwerke nicht die Idylle im Deggendorfer Stall von Gut Aiderbichl trüben könnten, wo Kuh Yvonne seit ihrer Flucht im Sommer untergebracht ist. Aiderbichl-Chef Michael Aufhauser glaubt zwar nicht, dass die Knallkörper Yvonne Déjà-vu-Erlebnisse der vielen Jäger im Wald bescheren. Trotzdem könnte der Lärm der nach der Ankunft von Yvonnes jüngstem Sohn Orky wieder glücklich vereinten Familie einen gehörigen Schreck einjagen. Bei denen sei das halt nicht so einfach wie bei Hunden und Katzen, die man mit ins Bett nehmen könne, sagt Aufhauser.

Spezieller Tee ist für Yvonne nicht vorgesehen. Beim Nürnberger Gorilla Fritz jedenfalls zeigt der Schlaf- und Nerventee seit einigen Jahren gute Wirkung. Früher bekam er am Tag nach Silvester manchmal Durchfall, durch den Nerventee passiert das aber nicht mehr. Zur Sicherheit kriegt er ihn im neuen Jahr noch eine Woche lang. „Ab und zu gibt's ja doch jemanden, der seine Kracher vergessen hat loszuschicken“, sagt Tierärztin Baumgartner. 



Jessica Deringer, dapd

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