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Das Radrennen Rund um die Nürnberger Altstadt steht auf der Kippe. Die 21. Austragung in rund vier Wochen ist nicht gefährdet, eine Fortsetzung des Dauerbrenners hängt aber nicht zuletzt davon ab, ob das neue Konzept angenommen wird.
Alle Größen der Szene sind schon in Nürnberg gefahren. Jan Ullrich, Erik Zabel, Marco Pantani, Ivan Basso und nicht zuletzt Lance Armstrong – alles, was im Radsport der vergangenen Jahre Rang und Namen hatte. Optimistische Quellen sprachen von 200.000 Zuschauern am Streckenrand, auch wenn diese Schätzung wohl keiner objektiven Bewertung stand gehalten hätte. Das Rennen zwischen Vestnertorgraben und Opernhaus hatte sich deutschlandweit einen Stellenwert erworben.
Es wurde professionell gearbeitet, Details jedes Jahr verbessert, der Weltcup der Frauen ließ sein Finale in Nürnberg steigen. Der Rundkurs durfte sich geadelt fühlen. Nur, die Protagonisten spielten nicht mit. Ein Skandal jagte den anderen, fast täglich neue Enthüllungen, Doping, Spritzen, Blutplasma. Gefallene Stars statt gefeierter Helden. Bis heute hat sich der Radsport nicht davon erholt.
Insofern mag es nachvollziehbar erscheinen, wenn sich die Macher hinter den Kulissen im vergangenen Jahr für einen neuen Ansatz entschieden. Die fast radikal anmutende Umkehr führte weg vom Profisport, hin zum familienfreundlichen Eventcharakter mit allerlei Jux und Dollerei abseits der Strecke. „Es gibt bis auf kleinere Korrekturen keinen Grund, das Konzept zu ändern“, meint Jürgen Thielemann. Insofern werden auch am 4. September wieder zahlreiche Stimmungsnester die Strecke säumen, und erstmals werden sich Vereine mit ihren speziellen Aktivitäten eigens dem Publikum präsentieren.
Breitensportlich bleibt auch das Renn-Programm angelegt. Beim „Run&Bike“ wetteifern Zweierteams, wobei der Läufer nicht mehr als zehn Meter Abstand zum Radfahrer haben darf. Das Jedermannrennen über 65 und 100 km bekam mit einer neuen Schleife einen Feinschliff verpasst, die Derny-Gespanne rattern mit ihren knatternden Motoren über die Kopfsteinpassagen, und der Nachwuchs darf heuer seine Runden ums altehrwürdige Rathaus drehen.
Alles ganz nett, ja, mehr aber nicht. Der sportliche Wert des vermeintlichen Eliterennens, in dem keine professionellen Mannschaften mehr starten, sondern nur noch unterklassige Kontinentalteams, bleibt überschaubar. Dabei strampeln sich diese Fahrer vor allem in ihrer Freizeit viele Stunden ab, auch sie haben mehrere tausend Radkilometer in den Beinen, wenn sie in Nürnberg antreten. Nur kennt sie keiner. Nobodys locken keine Zuschauer an, und Sponsoren werden es sich zweimal überlegen, ob sie ihr finanzielles Engagement bei ausbleibender Begeisterung erhöhen. „Künftig sollten wir an die Möglichkeit denken, solche Fahrer wieder einzuladen“, bekennt Thielemann.
Nur dafür braucht es auch Geld. Geld, das derzeit aber nicht da ist. Die Rücklagen sind aufgezehrt, die Stadt stellt keine Mittel zur Verfügung. „Die Sponsoreneinnahmen und die Startgebühren decken die laufenden Kosten nicht. Ich hoffe, dass wir mit einer schwarzen Null rauskommen“, sagt Thielemann, wobei Zuversicht anders klingt. Vom 4. September als der Abschiedsvorstellung eines Klassikers mag er nicht sprechen. Noch ist der letzte Vorhang nicht gefallen.

Mi. 15.05.13
Di. 23.04.13