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NN-Online-Reporterin Gudrun Bayer berichtete live aus der Nürnberger Innenstadt.
18:32 Uhr, Hauptmarkt
Ein heißer Renntag ist vorbei. Der Hauptmarkt leert sich allmählich. Nachzutragen bleibt noch: Laut Rennleiter Alexander Oppelt sind die Verletzungen des gestürzten Italieners tatsächlich nicht so schwer, wie anfangs befürchtet.
Wir schließen unsere Live-Berichterstattung vom 21. "Radrennen rund um die Nürnberger Altstadt" mit der Bilanz von Jürgen Thielemann, dem Organisationsleiter. Sie lautet schlicht und einfach: "Passt scho."
18:00 Uhr, Hauptmarkt
Alexander Krieger ist 20 Jahre alt und auf dem Weg, ein sehr guter Radprofi zu werden. Ein ganz kleines bisschen sauer ist er offensichtlich schon, dass er es in Nürnberg im Hauptrennen nicht auf Platz eins, sondern auf Platz drei geschafft hat. "Unser Ziel war, einen aufs Podium zu bringen. Das haben wir erreicht", erklärt er beim offiziellen Interview nach der Siegerehrung. Danach sagt er: "Na ja, wenn man so lange in einer Dreiergruppe fährt, dann möchte man schon gewinnen. Aber Helmut war heute einfach bärenstark." Helmut Trettwer meint er damit, den Sieger.
Team Heizomat Gunzenhausen heißt der Rennstall, für den Krieger in der Bundesliga fährt. Ein Ehepaar aus Gunzenhausen spricht ihn nach der Siegerehrung deshalb sogar an und erklärt, wie sehr es sich mit ihm freut. Er selbst wohnt allerdings in der Nähe von Stuttgart. "Aber Heizomat ist das beste Team in unserem Bereich, das man derzeit finden kann." Und wenn der 20-Jährige schon im Loben ist: "Das Rennen hier ist klasse. So viele Zuschauer haben wir selten. Und auch die Organisation ist wirklich gut."
17:25 Uhr, Vestnertorgraben
Das 21. Radrennen rund um die Nürnberger Altstadt ist entschieden. Der Sieger heißt Helmut Trettwer und fährt für das Team CBL Corratec Baier Landshut. Dicht hinter ihm wurde Leif Lamapader Zweiter. Er fährt für das Team IRP Irschenberg Rudy Project. Und an dritter Stelle kam Alexander Krieger ins Ziel am Vestnertorgraben. Der erst 20-Jährige fährt für THF Team Heizomat Gunzenhausen. Drei Bayern sind also vorne beim größten bayerischen Radspektakel.
Das Organisationskomitee der Stadt Nürnberg hat jetzt auch eine Zuschauerzahl herausgegeben: 30.000 bis 35.000 Fans waren demnach unterwegs - einschließlich derer, die draußen im Landkreis heute morgen die Jedermänner anfeuerten.
16:58 Uhr, Hauptmarkt
Die Sanitäter geben Entwarnung: Der in der Winklerstraße gestürzte Italiener ist nicht schwer verletzt - das Rennen ist wieder freigegeben und wird mit den bisherigen Zeitabständen fortgesetzt.
16:45 Uhr, Hauptmarkt
Am Hauptmarkt hat sich ein schwerer Sturz ereignet - das Radrennen ist unterbrochen. Noch ist unklar, was genau passiert ist und wann das Rennen fortgesetzt wird. Auch ein Abbruch des Rennens ist möglich.
16:15 Uhr, Hauptmarkt
Der jüngste Sieger des Tages heißt Florian Schels. Der Zwölfjährige aus Nürnberg gewann das "Fette Reifen Rennen" der Zehn- bis Zwölfjährigen. Fette Reifen heißt es deshalb, weil die Reifen der Fahrräder breiter als 30 Millimeter sein müssen. "Bei einem normalen Mountainbike ist das ohnehin so", sagt Florians Vater.
Der Sohn ist da gerade vom Siegerpodest herabgestiegen - mit fetter Beute: Er trägt eine Schärpe um den Oberkörper und eine Urkunde in der einen Hand. Am anderen Arm baumelt ein Leinenbeutel, dessen Inhalt der Zwölfjährige gar noch nicht erkunden konnte. "Sehr heiß" so lautet seine Rennbilanz. Drei Kilometer, also fünf Runde ums Rathaus, hatte er vor dem Sieg hinter sich zu bringen.
Einen halben Liter Wasser brauchte er danach, um den Durst zu löschen. Das "Fette Reifen Rennen" wurde erfunden, um den Nachwuchs an den Radrennsport heranzuführen. Wer weiß, vielleicht klappt das bei Florian sogar. Noch gehört er jedenfalls keinem Verein an, auch sein Training wäre ausbaufähig. "Ich fahre halt Fahrrad."
15:11 Uhr, Neutor
Ich habe meine zweite Streckenrunde im Oldtimer hinter mir. Diesmal wars ein BMW-Cabrio in Dunkelgrün mit Ledersitzen, leider bin ich nicht dazu gekommen, den Fahrer nach weiteren Details und dem Alter zu fragen. Aber ich soll mich ja auch auf die Strecke konzentrieren.
Die Dernys sind gerade unterwegs. Zweier-Teams mit einem knatternden Moped vorne weg und einem Rennrad im Windschatten. Vergleichbar mit dem Steher-Rennen am Reichelsdorfer Keller, aber eben doch ein bisschen anders. Vor allem stehen die Moped-Fahrer nicht, daher ist der Windschatten geringer.
Jetzt, kurz vor dem Hauptrennen, haben sich zwei Stimmungsnester am Streckenrand gebildet: Der Hauptmarkt und das Neutor. Hier wird gegessen, getrunken, getrötet, geklatscht und gefeiert. Am Hauptmarkt werden jetzt gerade die wichtigsten Teilnehmer des Hauptrennens vorgestellt. Um halb vier Uhr werden sie auf die Altstadt-Runde geschickt. 18 Mal müssen sie durch, das ergibt 63 Kilometer.
14:55 Uhr, Laufer Tor
Seit halb acht Uhr steht Katharina Limberger in der prallen Sonne. Die 20-Jährige hilft als Streckenposten. Ihre Aufgabe: Wenn Zuschauer die Strecke überqueren wollen, muss sie ihnen ein Tor im Absperrzaun öffnen. Oder eben nicht. Denn Queren ist nur erlaubt, wenn gerade kein Fahrradfahrer anrast oder anrollt.
Über die Uni kam Katharina Limberger an den ehrenamtlichen Job. Sie studiert Grundschul-Lehramt, da gehört Sport dazu. "Der SportService der Stadt Nürnberg hat bei allen Sportstudenten nachgefragt, ob sie nicht helfen könnten," erklärt sie. Limbacher, die schon ein paar Mal als Zuschauerin beim Altstadtrennen mit dabei war, sagte ja - obwohl sie selbst eher auf Badminton und Tischtennsi steht. Sie spannte auch gleich noch ihren Freund Tilman Pyka mit ein.
Viel haben die beiden aber nicht vom gemeinsamen Tag. Denn der angehende Bauingenieur steht auf der anderen Seite der Strecke, um dort das Tor zu bedienen. Um ein bisschen für Stimmung zu sorgen, pusten beide kräftig in ihre Tröten, sobald ein Rennteilnehmer in Sicht ist. Leider sind sie damit ziemlich allein. Auf diesem Streckenabschnitt lassen sich derzeit die Zuschauer noch an einer Hand abzählen.
13.30 Uhr, Radstrecke, Anstieg zur Burg
Der angeblich härteste Wettberwerb des Tages findet ausgerechnet in der Mittagshitze statt. Bei "Run and Bike" bilden immer ein Fahrradfahrer und ein Läufer ein Team. Sie müssen entweder sieben Kilometer (zwei Runden) oder elf Kilometer (drei Runden) bewältigen und können dabei ihre Rollen tauschen so oft sie wollen. Schon nach der ersten Runde sehen die Teams tatsächlich gezeichnet aus. Aber ein gewisser Spaß-Faktor muss dabei sein. Schließlich machen zwei Vater-Sohn-Gespanne mit - bei denen der jeweilige Sohn noch ein Kind ist.
Alessandro beispielsweise ist erst sieben Jahre alt und tritt kräftig in ein Kinderrad. Ob Vater Stefan da drauf passt? Tut er, wie er in der nächsten Runde beweist. Allerdings verbiegt der Papa tatsächlich den Lenker von Alessandros Rad. So müssen die beiden, die unter dem Namen "Mama´s Elite" angetreten sind, nach zwei Runden aufhören. Noch jünger, nämlich vierdreiviertel Jahre, ist Phillip. Sein Rad ist wirklich zu klein für einen Erwachsenen, also muss Papa Jochen der Läufer bleiben. Alle beide, angetreten als Team "Blauer Blitz" halten tapfer alle drei Runden durch - obwohl der Abstand zu den Erwachsenen-Mannschaften am Ende mit fast 14 Minuten ganz schön lang wird. Aber im Ziel werden sie empfangen wie Olympiasieger.
13.20 Uhr, Hauptmarkt
Katharina Zäh ist Trainerin der Sweet Devils. Die 24-Jährige ist mit ihrem Team an die Rennstrecke gekommen um anzufeuern. Und zwar richtig professionell anzufeuern. Ganz schön schweißtreibend ist der Job der süßen Teufelinnen heute. Denn mittlerweile hat es gute 30 Grad. Und das Kopfsteinpflaster des Hauptmarkts verstärkt die Hitze noch.
Seit 2001 gibt es die Sweet Devils als Verein. Sie jubeln nicht für ein bestimmtes Team oder einen bestimmten Sportler, sondern je nach Anlass für alle. Zum Beispiel beim Nürnberger Firmenlauf. Oder eben beim "Rennen rund um die Nürnberger Altstadt". Vielleicht entern sie heute auch noch eine der Bühnen. Denn sie können nicht nur professionell jubeln, sondern auch professionell tanzen.
12:10 Uhr, Hauptmarkt
Sophie Wittmann ist ein bisschen verlegen. So ein Blitzlichtgewitter wie bei der Tour de France ist die 15-Jährige einfach nicht gewohnt. Lachend steht sie links außen am Siegertreppchen auf dem Hauptmarkt. Platz zwei in der Frauenwertung des Hobbyrennens hat sie belegt - und das, obwohl die Schülerin aus Hersbruck nur mit Ausnahmegenehmigung dabei sein durfte. Denn eigentlich ist das Rennen über 18 Kilometer, also fünf Altstadtrunden, Teilnehmern über 16 Jahren vorbehalten.
Für Sophie Wittmann ist das Rennradfahren tatsächlich nur Hobby. Einem Verein gehört sie nicht an. Und das Training besteht in Touren zum Beispiel zur Oma, die in Betzenstein wohnt. "Der Papa hat mich dazu gebracht" erzählt die 15-Jährige. Er fährt offenbar richtig harte, lange Wettkämpfe wie den Ötztaler Radmarathon. Und hat sie nicht nur angesteckt mit seiner Leidenschaft, sondern ihr auch zum Geburtstag vor drei Jahren ein tolles Rad geschenkt. "Das habe ich selber zusammengebaut. Seitdem hat es mich richtig gepackt." Ihr Traum: "Auch einmal beim Ötztaler dabei zu sein wie der Papa."
12:00 Uhr, Hauptmarkt
Langsam werden es mehr Zuschauer. Aber im Nachhinein betrachtet hatte es tatsächlich ein Gutes, dass vor zwei Stunden noch nicht so viele unterwegs waren. Denn dadurch kamen Notarzt und Rettungswagen besser durch. Sie mussten nämlich gegen zehn Uhr quer über den Hauptmarkt zu einem Notfall. Ihr Einsatz hatte allerdings nichts mit dem Radrennen zu tun, sondern mit dem Gottesdienst in der Frauenkirche: Eine Besucherin brach beim Verlassen der Kirche zusammen. Ein anwesender Arzt versuchte zwar, die Frau zu reanimieren, hatte mit seinen Maßnahmen aber leider keinen Erfolg. Sie starb.
11:03 Uhr, Vestnertorgraben/Maxtor
Florian Walden heißt der Sieger des 65-km-Jedermannrennens - gut zu erkennen am orangenen Trikot seines Teams. Aber was heißt hier Jedermann: Wer den Jungs und Mädels zuschaut, merkt sehr schnell: Hier sind austrainierte Sportler mit High-Tech-Renngeräten unterwegs. Wettkampftypen, die um jede Sekunde und jeden Platz fighten. Schließlich gehört das Nürnberger Rennen ja auch zu einer ganzen Serie.
Entsprechend wird hinterher auch hefttig darüber diskutiert, ob die Mannschaftstaktik aufgegangen ist und was beim nächsten Mal besser laufen muss.
Marcel Hartmann und Daniel Scholz sind kurz nach dem Rennen entsprechend erschöpft. Sie sitzen am Maxplatz und wollen nur eines: Den Flüssigkeitsverlust ausgleichen, also trinken. Sie tragen zwar unterschiedliche Trikots, gehören aber zu einer Gruppe aus Hanau, die die ganze Serie mitfährt und sich im Rennen unterstützt. Ihr Bericht von der Strecke, die sie bis hinaus nach Kalchreuth geführt hat: Draußen sind weit mehr Zuschauer unterwegs, als in der Innenstadt. "Immer wieder standen welche da und haben geklatscht und angefeuert", lobt Marcel Hartmann. Bis zu 4000 Kilometer trainiert er pro Jahr, erzählt er weiter. Klingt wirklich nicht nach "Jedermann".
10:05 Uhr, vor dem IHK-Gebäude
Martin Scheib hat einen prima Sitzplatz - hinterm Steuer seines traumhaft restaurierten DKW. Allerdings muss das Auto stehen, denn heute haben ja die Radler Vorfahrt. Zumindest bis um 13.30 Uhr. Um die Zeit nämlich darf Martin Scheib mit seinem DKW ein bisschen über die Altstadtrunde rollen. Große Oldtimerparade ist dann angesagt, veranstaltet vom 1. Nürnberger Automobilclub. Die Parade gehört zum Rahmenprogramm des "Rennens rund um die Nürnberger Altstadt". Ganz ohne Autos gehts halt doch nicht...
Bis zu seinem Einsatz sitzt Martin Scheib hinterm Steuer, liest Zeitung, unterhält sich mit den anderen Oldtimer-Fahrern oder mit Neugierigen. Denn das ist der Sinn seines heutigen Auftretens: Blicke auf sich ziehen und Werbung machen für schöne alte Autos.
9:35 Uhr, Strecke, Anstieg am Tiergärtnertor
Wow, ich darf die Strecke abfahren - in einem weißen Mercedes SL 300, Baujahr 1967. Was für ein schönes Auto. Allerdings: Der Blick hinaus ist enttäuschend. Kaum Zuschauer entlang der Strecke. Und das mitten in der Stadt. Die Hobbyfahrer, die sich hier gerade über 18 Kilometer, sprich fünf Altstadtrunden kämpfen, hätten mehr Zuspruch und Applaus verdient. Nicht nur, dass noch kaum Zuschauer da sind. Auch die Event-Stationen am Streckenrand werden gerade erst aufgebaut. Nürnberg erwacht ganz schön langsam an diesem Radrenntag.
8:50 Uhr, Hauptmarkt
Das Jedermannrennen ist gestartet. Und pünktlich zum Startschuss durch SPD-Stadtrat Jürgen Vogel, der derzeit Oberbürgermeister Ulrich Maly vertritt, lässt sich die Sonne blicken.
Der Boden ist trocken, die 800 Starter kommen trotz Kopfsteinpflasters problemlos in Tritt. Norbert Suter hat sein erstes Ziel erreicht: Er startet von der ersten Reihe aus. Das bedeutet: Keine Behinderungen, keine Sturzgefahr im Pulk. In drei Stunden will er zurück sein. Die Sieger werden jedoch schon nach etwas mehr als zwei Stunden erwartet.
8:21 Uhr, Hauptmarkt
Jürgen Thielemann gibt letzte Anweisungen. Seit 20 Jahren ist der Leiter des städtischen SportService auch der Cheforganisator des Rennens "Rund um die Nürnberger Altstadt". Höhen und Tiefen hat er in dieser Zeit miterlebt. Denn das Rennen spiegelte von Anfang an das jeweilige Ansehen des Radsports in Deutschland wieder. Es gab die Zeiten, in denen 50.000 Zuschauer den Stars wie Jan Ullrich, Erik Zabel und Marco Pantani begeistert zujubelten. Es gab die Zeiten, in denen die Dopinggeständnisse der Stars die Menschen dazu brachten, dem Rennradsport den Rücken zu kehren.
Das Nürnberger Rennen hat überlebt. Auch, weil es sein Konzept immer wieder angepasst hat. Jetzt, bei der 21. Auflage, geht es nur noch ein bisschen um Profisport, aber dafür umso mehr um das Erlebnis Radsport für Jedermann. Daher ist der Hauptmarkt wieder zum Herz der ganzen Veranstaltung geworden.
8:02 Uhr, Hauptmarkt
Norbert Suter ist einer der Ersten. Ganz allein sitzt er auf einer Bierbank und schaut sinnierend über den Hauptmarkt, sein Fahrrad lehnt am Absperrzaun. In einer Dreiviertelstunde gehts los. Dann startet das Jedermannrennen über 100 und über 65 Kilometer. Mit 800 Teilnehmern, darunter Norbert Suter, der die Startnummer 4145 abbekommen hat. 55 Jahre ist er alt und trägt noch ganz schön viel Ehrgeiz in sich. "Ich trainiere nach Plan", erklärt er. "Es muss schließlich neben Beruf und Zuhause noch eine andere Herausforderung geben."
Er kommt aus Leonberg bei Stuttgart. In Nürnberg startet er zum ersten Mal. Daher ist er besonders früh aufgestanden, um sich zu orientieren. Einfahren ging nicht so gut, erklärt er, denn rund um den Hauptmarkt behindern viele Ampeln das gleichmäßige Rollen. Dennoch ist er guter Dinge. Denn der Himmel ist bedeckt und das mag er. "Hauptsache es bleibt trocken", hofft er. Genau in dem Moment versprüht der Himmel allerdings ein bisschen Nieselregen.

Do. 23.05.13
Mi. 22.05.13
Mi. 22.05.13
Mi. 22.05.13
Di. 21.05.13