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14:55: Es gehört schon Galgenhumor dazu, als gut ergraute Band wie die Stranglers ein neues Album herauszubringen, das vier Henkerstricke zieren. Pfefferte die Gruppe doch schon Hits zu einer Zeit auf den Markt, in welcher der Anmoderator ihres Gastspiels auf der Alternastage einräumte, selbst noch in die Hosen gepfeffert zu haben. Ihren frühen Auftritt wussten die vier früheren Dunkelmänner am hellichten Nachmittag als Galgenfrist zu nutzen, in der sie bewiesen, wo bei ihnen noch immer der Hammer hängt: Mit ihrer Mischung aus Punk, Wave und Ska gelang ein Gig voll nostalgischer Momente, bei denen sich nicht nur der pausbäckige Organist ständig sichtbar freute. Und wenngleich der Sänger bei „Always the Sun“ den Höchststand der Sonne stimmlich nicht mehr hinbekam, war beim Ohrwurm „Golden Brown“ der Himmel wieder blau.
15:35: Wer zur Pinkelpause die Toiletten in der Arena aufsuchte. konnte die Ballermannstimmung vor der nahen Bühne nicht überhören. Die schwedischen Partymusikanten von Hoffmaestro frohlockten mit so sonnigen Pop-, Ska- und Elektronikrhythmen, als wäre die Clubstage ein Robinson Club.
16:05: Was der junge Pulloverträger Orlando Weeks mit seiner Indie-Gruppe Maccabees in den höchsten Tönen so sang, war in selbigen nur zu loben. Arrangements voller sphärischer Momente, die von drei sich gegenseitig antreibenden Gitarren aufgebrochen wurden, verliehen dem Konzert etwas Bezwingendes. Leider blies der Wind so ungünstig, dass die zeitgleich rockenden Härte-Vegetarier von Refused auf der Centerstage den Maccabees bei zarteren Passagen ein paar ordentliche Donnerschläge in die Akustik wehten.
17:25Mit Hotpants und Hits zeichnete das englische Duo The Ting Tings für Hitzetänze vor der Alternastage verantwortlich. Gäbe es einen Wimpel für den sexiesten Gig des Programms, sie hätten ihn wohl eingeheimst. Ihren mitreißenden Minimalismus von Stimme, Schlagzeug und Gitarre schubste ab und an Kollege Computer etwas an. Und was man zunächst am Körper von Gesangs-Bunny Katie White für hochgerutschte Schienbeinschoner halten wollte, entpuppte sich bei näherer Betrachtung als tätowierte Knie.
17:55: Der Skandal-Garant Pete Doherty verblüffte. Er war anwesend. Und sogar pünktlich da. Ob es sich bei der Gitarre, die er spielte, um jene handelte, die der rockmusikalische Lausbub und Ex-Lover von Kate Moss 2011 bei einem Einbruch in ein Regensburger Musikgeschäft erbeutet hatte, war nicht zu ermitteln. Als der 33-Jährige dann mit Mundharmonika und Klampfe seine Songs zum Besten gab, während Ballerinas über die Bühne tänzelten, hatte seine Erscheinung etwas entschieden Dylanhaftes. Dazu trug auch noch etwas anderes bei: Alt sah er aus.
18:20: Die kalifornischen Scherz-Rocker von Tenacious D ließen es sich nicht nehmen, ihren großen Auftritt auf der Centerstage mit einem riesigen phallischen Bühnenbild samt Gockelkopf zu garnieren. Wer in Englisch einst aufgepasst hatte, konnte die heitere Anspielung verstehen – und auch manch andere, mit denen Kyle Gass und Jack Black ihr Set belebten. In den hinteren Reihen kam das natürlich nicht alles an – aber auch das war ja schon in der Schule so. Aber zumindest die Facebook-Jünger unserer Tage hatten aufgepasst: Einem Aufruf der Band folgend, brachten viele Fans alle möglichen Luftballons mit. was spektakuläre Bilder ergab. Aufgeblasene Kondome wurden auch gesichtet.
19:25: Das Wortspiel, wonach die Indie-Rocker von Maximo Park erneut das Maximum im Park rausholten, haute diesmal leider nicht hin. Ihre solide Hausmannskost hatte es schwer, nachdem Pete Doherty vorher noch sein Bühnenbier von der Alternastage herunter verteilt hatte. Da mochte Maximo-Sänger Paul Smith noch so sehr den exaltierten Tänzer in Anzug und Hut geben. Selbst sein Versuch, das Wetter zu beschwören, geriet eher lau: Als er ein Lied über einen Sturm ankündigte, verdunkelte sich zwar kurz der Himmel, doch nach ein paar Regentropfen erwies sich auch das als Minimum im Park.
20:10: Eine knappe Stunde, bevor Metallica als erstes großer „Headliner“ des diesjährigen Festivals auf die Bühne gehen sollten, taten sich die kanadischen Alternative-Rocker von Billy Talent leider schwer. Dass Billy-Sänger Benjamin Kowalewicz sein Talent verschwendet, stets hart an der Nölgrenze zu intonieren, machte die Sache auch nicht viel mitreißender. Ruhe vor dem Sturm an der Centerstage bei laufendem Konzertbetrieb.
20:30: Die derzeit überaus erfolgsverwöhnten Briten von Keane als Aufwärmübung für Metallica zu nutzen, machte ebenfalls wenig Sinn, die mit gut gemachtem, melodiös gelingendem Ohrwurmsound an der Alternastage Applaus einheimsten. Nett, doch mitunter an der Grenze zum Kitsch.
22:10: Dass Metallica, bevor sie auf die Bühne kamen, die Friedhofsszene eines Westerfilms auf die Leinwand projizierten, passte prima zu dieser Band – die stets dafür stand, auf Härte statt auf Haarspray im Metal-Geschäft zu setzen. Dass James Hetfield und seine Bande tatsächlich noch immer die Magnetfunktion haben, die bei Riesenfestivals wie Rock im Park die Tickets weggehen lässt wie warme Semmeln, war gestern Abend unübersehbar. Da rockte sie, die Band, die alle sehen wollten – vom Schulmädchen im Park bis zum totaltätowierten Monstermann. Die Konzentration des knackigen Quartetts auf die Songs seines Millionenerfolgs „Black Album“, mit dem es 1990 massentauglich wurde, geriet zur Steilvorlage für einen Auftritt, an dem es handwerklich nichts zu mäkeln gab. Der Sound passte, das Wetter schien zu passen, die Nacht war noch jung – und der erste von drei Tagen unter 60000 Menschen wohl gut gelaunt überlebt. Was will man mehr, oder, wie Metallica sagen: „Nothing else matters.“
Di. 05.06.12
Mo. 04.06.12
Mo. 04.06.12
Mo. 04.06.12
Mo. 04.06.12