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So haben Anwohner mehr Spaß als die Fans

Tipps zu "Rock im Park" - 30.05.2012 17:47 Uhr

Diese Band heißt Deichkind und beglückt ihr Publikum gerne mit den Attraktionen "Bierdusche" und "Wodka-Zitze". Bei diesen Worten dürfte so mancher Anwohner denken: Eigentlich geht’s mir doch gut, auf der sicheren Seite des Zaunes!

Diese Band heißt Deichkind und beglückt ihr Publikum gerne mit den Attraktionen "Bierdusche" und "Wodka-Zitze". Bei diesen Worten dürfte so mancher Anwohner denken: Eigentlich geht’s mir doch gut, auf der sicheren Seite des Zaunes! © PR


Das Prinzip ist einfach: Man macht seinen Tagesablauf zu einer persönlichen Gegenveranstaltung zum Festival. Und versucht, stets das bessere Programm zu haben.

Das geht schon beim Frühstück los. Bei den meisten Parkrockern kommt abgepackter Fertigfraß auf einen wackeligen Klapptisch. Wenn überhaupt. Der genussvolle Anwohner hingegen verwöhnt sich jetzt mal so richtig. Mit Obst, gebratenem Speck, frisch gepresstem Fruchtsaft – all diesen Dingen, die auch ein bisschen nach Urlaub schmecken. Wer dabei an verkaterte Menschen denkt, die gerade mit Plastikbesteck eine fade Pampe mampfen, der kann ihnen schon fast nicht mehr böse sein über den nächtlichen Lärm. Falls doch: Bei der nächsten Mahlzeit noch dicker auftragen.

Duschen mit Stiefeln,...

Duschen mit Stiefeln,... © dapd


Leicht übertrumpfen lassen sich die Rockfans auch im Bereich der Körperpflege. Statt Toiletten haben diese armen Geschöpfe nur klaustrophobische Plastikkabinen mit fragwürdigem Odeur. Eine Dusche gibt’s dafür garantiert – aus den dunklen Wolken, die sich traditionsgemäß jedes Jahr über dem Zeppelinfeld formieren. Der Anwohner hingegen schreitet würdevoll und ganz ohne Schlangestehen in sein wohltemperiertes Badezimmer und genießt eine Verwöhndusche mit allem Schnickschnack, den die Wellnessabteilung zu bieten hat. Und wenn im Laufe des Tages draußen ein eisiger Wind aufkommt, Regen auf dünne Zeltwände prasselt und in undichte Schuhe sickert, dann lässt sich der Bonvivant noch ein wohlig warmes Schaumbad ein.

...kochen im Knien und...

...kochen im Knien und... © Fengler


Immer noch genervt vom Gesindel da draußen? Man kann das Badevergnügen natürlich weiter auf die Spitze treiben. In der Wanne eine Havanna anstecken. Dazu einen Cocktail oder edlen Wein trinken, während das Fußvolk im Freien schales Bier aus Plastikbechern schlabbert. Und dazu hört man ganz gepflegt Klassik oder Jazz.

...kaum Alternativen zum Dixi-Klo: Das Leben der Parkrocker ist härter als das Los der Anwohner.

...kaum Alternativen zum Dixi-Klo: Das Leben der Parkrocker ist härter als das Los der Anwohner. © Distler


Ja, überhaupt, Musik! Alle Lieblingsplatten auflegen. Zuhause ist das Leben eben doch ein Wunschkonzert. Ohne Umbaupausen. Und man bekommt so viele Zugaben, wie man will. Mit etwas Ehrgeiz kann man sogar den Spielplan des Festivals konterkarieren: Wenn draußen die Toten Hosen grölen, laufen im Wohnzimmer Die Ärzte. Oder alle angesagten Indie-Bands, die nicht bei Rock im Park spielen. Allerdings: In Sachen HipHop und Elektro ist das Festival diesmal schwer zu übertrumpfen. Und Metallica in der Masse zu feiern, das hat auch was. Man muss also als Anwohner beim Wellness nicht vor Mitleid mit den Parkrockern zerfließen – die haben schon auch ihren Spaß. 

Erik Stecher

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