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14:50 Ein Pandabär hüpft auf die Bühne: Der Rapper Cro trägt sein Markenzeichen, die Maske mit dem putzigen, aber leicht derangierten Bärengesicht. „Die trag ich, weil ich so mega schüchtern bin“, schwindelt der charmante Jungspund. Später bittet er das Publikum noch, wie ein Panda zu rufen – aber es sind zu wenige Zoologen vor Ort. Sonst gehen die Fans aber mächtig mit, wenn der heiß gehandelte Nachwuchsrapper in erfrischenden Songs „aus Mucke Elefanten“ macht.
16:10Der Reserve-Elvis Dick Brave – als zweite Identität des deutschen Schmusesängers Sasha – erweist sich mit seinem Rock’n’Roll-Repertoire und viel Pomade im Haar als gut gelaunter Muntermacher auf der Centerstage. Von Chuck Berrys „Come on“ über „Kiss“ von Prince als Rockabilly-Schmatzer bis zum eigenen Songkreationen mit der Retro-Truppe The Backbeats knallen die Stehbass-Saiten, klimpert das Honky-Tonk-Piano und wird das Tanzbein aktiviert: Eine tolle Stunde 60er-Jahre-Kunde klingt da vorne an der Tafel, pardon, Centerstage an.
17:25 Punks mit Dudelsack: Die Dropkick Murphys leben an der amerikanischen Ostküste, pflegen aber die Tradition der schottischen und irischen Einwanderer. Geige, Akkordeon, Banjo: alles dabei, einer der reichlich tätowierten Herren trägt sogar einen Kilt. Stimmgewaltig grölt die Truppe hymnische Folk-Kracher und rockt sich in die Herzen der Masse. Bei einer ergreifenden Seemannsballade sieht man im Publikum sogar gestandene Mannsbilder mit feuchten Augen, dann wird aber wieder Pogo getanzt. Vor der Hauptbühne ist es schon fast so voll wie tags zuvor erst bei Metallica. Es herrscht Bombenstimmung in Nürnbergs größtem Freiluft-Pub.
19:15Caligola verdienen den Preis für das kitschigste Bühnenbild: Zwei weiße Pferdeskulpturen machen Männchen auf der Alternastage. Dazwischen musizieren Menschen in schwarzen Mönchskutten. Mit diesem Mummenschanz wollen sie sich als Kunst-Projekt inszenieren, Caligola ist nur ein Nebenjob der beiden Frontmänner von Mando Diao. Das Mikrofon überlassen die Schweden nun einem schwarzen Rap-Sänger, statt Indie-Rock spielen sie eine unausgegorene Mischung aus HipHop, Dance und Pop. Musik, die die Welt nicht braucht, aber auch nicht weiter stört.
19:25 Die Skatepunks von Offspring klappern – noch immer – ohne Rollator über die Bühne, wenngleich sie seit den 80ern natürlich gealtert, musikalisch aber ihrem Trittbrett treu geblieben sind. Dass sich bereits massenweise an den T-Shirts erkennbare Fans der Toten Hosen schon mal vor der Centerstage in Stimmung bringen und ihre Plätze sichern, während der optisch an Heino erinnernde Offspring-Offizier Bryan Dexter Holland seine Punk-Parade durchschreitet, erweist sich als Vorteil für die Band bei einem ansonsten reichlich vorhersehbaren Gig.
20:20Die Band Mia und ihre Sängerin Mieze polarisieren: Die einen finden sie nur nervig, andere hingegen originell. So richtig frisch wirken die vielen 80er-Anleihen in ihren Liedern aber nicht mehr. „Wie weit willst du gehen?“, singt die bunt und flauschig gekleidete Frau, dann lobt sie die gut mitgehenden Fans: „Mit euch gehe ich – ein ganzes Stück.“ Andere hätten weniger spröde gelobt und „bis ans Ende der Welt“ gesagt, aber Miezekatzen sind keine anhänglichen Hunde.
21:50Die Beginner beginnen überpünktlich, werden aber schon sehnsüchtig erwartet. Nach langer Sendepause rappen Jan Delay, Denyo und DJ Mad wieder mit vereinten Kräften. Beim Einstiegs-Hit „Hammerhart“ näselt Jan Delay den Hammerhammerhammer durch die gesamte Tonleiter, die Fans singen alle Kapriolen mit. Die Beginner gelten als die deutschen Beaste Boys, deren Band-Shirt trägt Delay aber auch aus anderem Grund: Er würdigt damit den kürzlich verstorbenen Beastie Boy Adam Yauch, später auch noch mit einem Beastie-Medley. Doch die Beginner blicken nicht nur zurück, sondern auch nach vorn, ihren Gute-Laune-Hit „Gustav Gans“ garnieren sie sogar mit Konfetti. Als Zugaben folgen das „Liebeslied“ und „Danke“ – so positiv kann HipHop sein. „Nachher könnt ihr euch bei Deichkind kaputtmachen“, kündigt Jan Delay grinsend den nächsten Kracher auf der Alternastage an, während nebenan die „Punkrock-Millionäre“ von den Toten Hosen grölen.
22:10Nach der eben vollendeten „Wohnzimmertour“ ist es das erste große Konzert für die Toten Hosen nach zwei Jahren und Campino macht klar: „Wir haben heute Lust zu pogen, zu spielen und zu schreien“. Pogen gestaltete sich weiter hinten freilich als etwas schwierig in Anbetracht des Wahnsinns-Andrangs vor der Centerstage. Aber spielen und schreien klappt wie gehabt. Ob „Ballast der Republik“ vom neuen Nummer-Eins-Album, ob „Alex“, oder „Wünsch dir was“: Die Band, die seit 30 Jahren mit ihrer Piratenflagge durch die Bühnenlandschaft kracht weiß längst souverän, wie man begeistert. Campino geiselt den Einsatz von Bengalos, spricht provokante Sätze über Fortuna Düsseldorf, während er das Frankenstadion vor Augen hat. Doch wer wirklich „Hose ist“, nimmt ihm das kaum krumm – nicht nur, weil Hosen manchmal blau sind. Einzig die Hymne „Steh auf, wenn du am Boden bist“ geht dezent am Szenario vorbei. Denn zum Umfallen braucht man im Gedränge schon Talent, zum Aufstehen wiederum dringend Hilfe.
Di. 05.06.12
Mo. 04.06.12
Mo. 04.06.12
Mo. 04.06.12
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