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Wenige Meter von der Bürgerhalle entfernt, gleich am Beginn der Dürrenhembacher Straße, hatten Anlieger klar gemacht, was sie davon halten, dass ihre Straße ausgebaut werden soll (wir berichteten). Schließlich sollen sie 50 Prozent der Baukosten – nach Abzug von Fördergeldern belaufen sich die auf 350.000 Euro – beisteuern. Mit großen Transparenten an Zäunen sagten sie ihrem Bürgermeister „Nein zum Ausbau“.
Kritik und Bedenken hörte sich Ernstberger bei der Versammlung in der Schwarzenbrucker Bürgerhalle an. Bevor die Bürger das Wort ergreifen konnten, nutzte der Rathauschef die Gelegenheit, die etwa 150 Anwesenden in der Bürgerhalle für 90 Minuten über das vergangene Jahr sowie Ziele und Aufgaben für 2013 zu informieren.
Ernstberger sprach über Abwasser- und Abfallgebühren, das ländliche Entwicklungskonzept sowie den Haushalt der Gemeinde. Als es anschließend an die Fragerunde ging, waren viele der Besucher bereits nach Hause gegangen. Vor allem in Sachen Dürrenhembacher Straße setzten viele ihre Hoffnungen stattdessen auf die Anliegersitzung am Montagabend.
Die Sicherheit auf der steilen Straße bereitet vielen Anwohnern Kopfzerbrechen. Denn die bisherige Kurve soll begradigt werden. Doch diese veranlasste Raser bislang nach Auffassung vieler Anwohner, den Fuß vom Gas zu nehmen.
Ernstberger verwies darauf, dass ein verbreiterter Gehweg von 2,30 Metern sowie eine Bordsteinkante zur Verkehrsberuhigung beiträgt. Außerdem wird die Fahrbahn nicht wie bislang angedacht ausgebaut, sondern die 3,70 Meter Breite werden beibehalten.
Für Ernstberger ist mit dem Wegfall der Kurve auch ein Gefahrenpunkt beseitigt. Er sei froh, dass an dieser Stelle bislang nichts passiert sei. Für den Ärger über die Kostenbeteiligung der Anlieger zeigte Ernstberger Verständnis. „Wir machen es nicht gerne, aber es ist die momentane Rechtslage.“ Auch beim Thema Rodung an der Schwarzach-Klamm konnte er sich in einem Punkt den Kritikern anschließen. „Es sieht schlimm aus“, sagte er zu Beginn und nahm damit so manchem ein wenig die Luft aus den Segeln.
Viele Bürger waren gekommen, um ihren Bürgermeister dafür zur Rechenschaft zu ziehen, dass im November dutzende alte Fichten im Naturschutzgebiet am Fluss gefällt worden waren. Seitdem herrscht freie Sicht auf die Kläranlage des Kanalisationszweckverbandes (KZV).
Auf Fragen zur Rodung an der Schwarzachklamm hatte sich Ernstberger genauestens vorbereitet. In einer Präsentation stellte er den Verlauf der Vorgänge dar. Bereits im März vergangenen Jahres waren die Fichten Thema in der Verbandsversammlung des KZV.
Die Mitglieder sprachen an, dass die Bäume ein Risiko für die Gasbehälter darstellen, wenn sie beispielsweise durch einen Sturm umknickten. Von Explosionsgefahr war die Rede. Deshalb gab am 16. April 2012 die obere und untere Naturschutzbehörde grünes Licht: Trotz strenger Auflagen im Naturschutzgebiet sollte es den Fichten ans Holz gehen. Die Bedingung der Behörden: Wiederaufforstung mit Linden, Eichen oder Hainbuchen.
Im September überzeugten sich auch Vertreter der Regierung, des Landkreises, des KZV, der Forstbetriebsgemeinschaft und des Amtes für Landwirtschaft und Forsten von der Dringlichkeit der Fällaktion. Jetzt, nach der Rodung des Hanges, wollten die Verantwortlichen ein Jahr warten, was von allein aus dem Hügel sprießt. Nachdem aber kaum Sprösslinge zu entdecken sind, soll nun nachgeholfen werden.
Anfang März werden die ersten Schösslinge in der Erde versenkt. Den Bürgern reicht das nicht. Doch das Kind ist nun schon in den Brunnen gefallen. „Dass der Hang wieder so aussieht wie vorher, wird noch 50 Jahre dauern. Das wird niemand hier im Saal noch erleben“, sagte einer von ihnen und erntete damit Applaus.
Er sprach von einer „brutal möglichsten Totalrodung“. Für ihn und auch viele andere hat die Gemeinde bei den Themen Natur- und Umweltschutz ihre Glaubwürdigkeit verloren. Er zweifelte das Gutachten an, dass die ganze Sache erst ins Rollen gebracht hatte. „Ist das wirklich stichfest?“
Der Bürgermeister konterte, dass sich die Fachbehörden selbst ein Bild vor Ort gemacht hatten: Die Fichten stellten eine Gefahr dar. Wenn etwas passiert wäre, hätte die Gemeinde grob fahrlässig gehandelt, die Versicherung nicht gezahlt und der Bürger hätte für entstandene Kosten in die Bresche springen müssen. Trotz der Argumente des Rathauschefs sprachen manche hinter vorgehaltener Hand von einem „Rumgeeiere“.
In unserer Fotoserie "Mittags in der Stadt" finden Sie an den fünf Werktagen ein aktuelles Foto aus Nürnberg.