Mittwoch, 14.11.2018

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Filme-Macher von der Schulbank

Davide Grisolia behauptet sich beim mittelfränkischen Jugendfilmfestival - 17.09.2010 10:00 Uhr

Davide Grisolia träumt von einer Karriere als Regisseur in Amerika. Mit dem goldenen „Lobo“, den er beim Mittelfränkischen Jugendfilmfestival 2010 gewonnen hat, ist zumindest der Anfang gemacht. © rbe


Einziges Problem: Noch drückt Davide Grisolia die Schulbank. Der Roßtaler ist gerade einmal 17 Jahre jung. Doch beim 22. Mittelfränkischen Jugendfilmfestival 2010 verwies er mit seinem Beitrag die Konkurrenz aus 53 weiteren Filmen – teils sogar von Filmstudenten erstellt – auf die Plätze. Der begehrte Publikumspreis „Lobo” in Form des gleichnamigen ägyptischen Hundes, dotiert mit 200 Euro, ging an den Fachoberschüler.

Prompt wurde er über Nacht zum Star seiner Heimatgemeinde. Roßtals Bürgermeister Johann Völkl gratulierte und ließ die Glückwünsche sogar im Amtsblatt abdrucken.

Dass einmal einer seiner Filme im Kino zu sehen sein würde, konnte Davide Grisolia, dessen Familie aus Italien stammt, anfangs selbst kaum glauben. Für die 22. Auflage des Jugendfilmfestivals wurden immerhin fast 80 Produktionen von Nachwuchsregisseuren eingesandt. Aber nur 54 schafften es in den Wettbewerb. „Als ich die Nachricht bekam, dass mein Film auch dabei ist, war ich total aus dem Häuschen. Für mich war das eigentlich schon Erfolg genug.” Im Nürnberger Multiplexkino Cinecittà wurden alle Filme im Rahmen des dreitägigen Festivals gezeigt. Doch nur für „L.B. — Deadly Determination Of Cards” spendete das kritische Publikum sogar während des Films Szenenapplaus. Am Ende stand fest: „And the winner is… Davide Grisolia.”

Dabei ist der Film – eine Mischung aus Action, Horror und schwarzem Humor – nichts für schwache Nerven: Auf einem Campingplatz verfolgen Polizisten einen Serienmörder. Seine Opfer markiert der stets mit Anzug, Krawatte und Maske in Erscheinung tretende Täter mit Pokerkarten und den Buchstaben „L.B.” Die Handlung hat Davide selbst geschrieben. Auch für den Schnitt und die Vertonung zeichnete der Schüler verantwortlich. Die 17 Schauspieler für den Film rekrutierte er im Freundes- und Bekanntenkreis. Die Deutschlehrerin von Davides ehemaliger Schule bekam eine Rolle als Nachrichtensprecherin zugeteilt. Der Mathelehrer durfte den Polizeipressesprecher mimen.

Stilecht ausgestattet mit Filmklappe, Megaphon, 35-seitigem Drehbuch, Regiestuhl und -Jacke scheuchte Davide Grisolia sein Filmteam durch die Wälder von Zirndorf, Großhabersdorf und Roßtal. Das Know-how hat sich der Jugendliche im Rahmen des Berufspraktikums an der Hauptschule angeeignet: Während seine Klassenkameraden bei Handwerksbetrieben in Ausbildungsberufe schnupperten, sicherte sich der Jugendliche einen Praktikumsplatz bei einer Nürnberger Filmproduktionsfirma, die eigentlich gar keine Praktikanten nimmt. Doch die Bewerbung von Davide Grisolia überzeugte den Chef der Firma so sehr, dass er eine Ausnahme machte.

Der Berufswunsch steht für den jungen Mann, der bereits im Alter von vier Jahren mit Papas Urlaubskamera Filme drehte, eindeutig fest: „Ich will Regisseur werden.” Steven Spielberg oder James Cameron taugen ihm als Vorbilder ganz und gar nicht. Er nennt statt dessen die italienischen Regisseure Leonardo Pieraccioni und Roberto Benigni. „Beide sind aus einfachen Verhältnissen und haben einen Weg gefunden, anerkannte Regisseure zu werden. Dieser Lebenslauf gefällt mir”, meint Davide Grisolia, dessen Motto lautet: „Wenn man lernt, erreicht man alles.” So hat es der Jugendliche geschafft, nach dem Hauptschulabschluss auf den M-Zweig der Hauptschule Zirndorf zu wechseln und die Mittlere Reife mit einem Notendurchschnitt von 1,6 zu absolvieren. Nächstes Ziel: Fachabitur.

Und natürlich will er, vom Erfolg angespornt, weitere Filme drehen. So überlegt der 17-Jährige – die Blockbuster aus Hollywood machen es schließlich vor – eine Fortsetzung von „L.B. — Deadly Determination Of Cards” zu produzieren. Außerdem will er einen neuen Fan gewinnen: seinen Vater. Der schaut zwar leidenschaftlich gerne Filme. Nur greift er zum Leidwesen seines Sohnes noch immer lieber in die eigene gut sortierte DVD-Sammlung als zu den Roßtaler Eigenproduktionen.

„Mein Vater liebt beispielsweise eine italienische Zeichentrick-Serie, in der ein Roboter namens Goldrake vorkommt. Daraus will ich einen realen Film machen, den mein Vater lieben wird”, verrät der Jung-Regisseur. Die Maske des Roboters hat er bereits in Handarbeit hergestellt, die dem Original täuschend ähnlich sieht. Vorsorglich haben sich die Freunde von Davide und Mama Grisolia schon einmal ein Autogramm des jungen Filmemachers geben lassen. Wer weiß, was es in einigen Jahren mal wert ist. 

rb

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