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Aus der Ferne

Genre: Dokumentation Land: Türkei  2006
Von: Thomas Arslan
Buch: Thomas Arslan
URL zum Film: www.peripherfilm.de/ausderferne/

DAS MEINEN UNSERE KRITIKER
  

Die Türkei jenseits von Klischees

„Aus der Ferne“
Filmkritik Logo NZDie 90-minütige Odyssee von West nach Ost beginnt mit einem Blick aus einem Hotelfenster in Istanbul. Eine Aufnahme, die sich später an anderen Orten wiederholen wird. Thomas Arslan, 1962 in Braunschweig geborener Sohn eines Türken, besuchte 2005 erstmals nach 20 Jahren das Heimatland seines Vaters.

Eigentlich ist Arslan im Spielfilmbereich beheimatet, und seine bisherigen Arbeiten wie „Der schöne Tag“ und „Dealer“ waren lakonische Porträts junger Türken in Deutschland. „Aus der Ferne“ ist ein Roadmovie, das den Regisseur von Istanbul über Ankara und Diyarbakir bis nahe an die iranische Grenze führt. Der Krieg gegen die PKK oder den Genozid an den Armeniern zu Beginn der 20. Jahrhunderts, die Konflikte des Landes werden - wenn überhaupt - dabei aber nur kurz angerissen.

Auch den Blick auf berühmte Bauwerke wie die Hagia Sophia spart der essayartige Reisebericht aus. Gesprochen wird wenig in dem Film „Aus der Ferne“, auf Hintergrundmusik wird gänzlich verzichtet, und die Zwischentexte von Thomas Arslan würden in ihre Gesamtheit auf einem einzigen Bierdeckel Platz finden.

Arslan erzählt wenig, zeigt aber viel. Der Regisseur verlässt sich gänzlich auf seine Bilder, die — teilweise brillant fotografiert — den Rhythmus des Landes widerspiegeln. Durch diese Arbeitsweise gelingen beeindruckende Momentaufnahmen, abseits von jeglichen Türkei-Klischees. Einmal verfolgt die Kamera längere Zeit einen ungefähr zehnjährigen Jungen, der in einem Bus Fahrgeld kassiert und die Haltestellen ansagt. Wenig später zeigt Arslan einen Teenager, der in einer Markthalle als Metzger arbeitet und als Arbeitskleidung passenderweise ein T-Shirt der Heavy Metal Band Slayer trägt.

Aus solchen Augenblicken, in denen die Kamera einzelne Menschen in den Mittelpunkt rückt, schöpft die Dokumentation ihre Spannung. Doch primär zeigt der Regisseur aus dem Auto gefilmte Bilder und Personen im öffentlichen Raum. Dies verleiht „Aus der Ferne“ meditative Momente, die aber auch etwas Beliebiges haben.

Thomas Susemihl
23.06.2006
  
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