Den Teufel im Leib: Das US-Drama «Black Snake Moan»
Bekanntlich sagen Bilder mehr als tausend Worte. Wer also das Kinoplakat zum Hollywood-Melodram «Black Snake Moan» betrachtet - dominanter schwarzer Mann über einer mit einer schweren Eisenkette gefesselten, knienden weißen Frau, die knapp bekleidet und kokett zum Betrachter blickt -, weiß eigentlich genug über die Absichten des Films. Der Kommentar der Unterzeile, im Süden sei alles heißer, ist da eigentlich gar nicht mehr nötig.
Man fragt sich lediglich, was eigentlich zwei Vertreter des Cool Cinemas, Samuel L. Jackson und Christina Ricci, in diesem angeblich so heißen Film zu suchen haben. Dann aber überrascht doch, was dem Zuschauer in den nächsten zwei Stunden geboten wird. Denn Regisseur Craig Brewer («Hustle and Flow») begnügt sich eben nicht mit einem albern voyeuristischen Südstaaten-Erotikdrama in farbgesättigtem Mainstream-Look wie es das Plakat mit seiner bewussten Schundfilm-Ästhetik der 60er Jahre verspricht. Nein, er kombiniert seine komplett unglaubwürdige Geschichte - Bluesmusiker mit Liebeskummer und Gottvertrauen kuriert superheiße Kleinstadtgöre von ihrer Sexsucht - auch noch mit einer kitschigen Rassenversöhnungsnummer.
Das sieht dann kurzgefasst so aus: Erst räkelt sich das sündige Kind ausführlich, dann spielt der schwarze Onkel ein wenig therapeutisch Bluesgitarre, woraufhin wieder das Räkeln einsetzt, was erneutes Bluesgezupfe auslöst . . . Dazwischen darf Boy-Wunder Justin Timberlake kurz den harten Kerl mit weichem Kern mimen.
Mit Helge Schneider im Regiestuhl wäre dieser gleichzeitig auf Verrucht-heit und politische Korrektheit zielende Stoff vielleicht ein echter Hit geworden. So jedoch bleibt nur das große Kopfschütteln. Vielleicht endet «Black Snake Moan» aber auch bei Gender-Debatten im Uni-Seminar als besonders dämliches Beispiel für den männlichen Blick im Film. Oder er mutiert zum Kultfilm für alle, die in Pubertätsnöten stecken.
Auf jeden Fall wird Christina Ricci nach dieser Rolle auf der imaginären Pin-up-Skala deutlich nach oben rücken, Dämlichkeit hin oder her. Gegen Hormone helfen eben keine Argumente.
Ralph Martin
Wer mit dem Dämon kämpft
Ein kleines Südstaatendorf: Nach zwölf Jahren wird der alte Bluesman Lazarus (Samuel L. Jackson) von seiner Frau verlassen. Zuerst macht er ihr Rosenbeet mit dem Trecker platt, dann packt er seine Gitarre aus, und schließlich findet er eine bewusstlose, blutig geschlagene Blondine in der Farm-Einfahrt: Rae (Christina Ricci). Seit sie als Kind von ihrem Vater missbraucht wurde, hat sie einen unstillbaren Hunger nach Männern entwickelt, der ihr in Momenten der Einsamkeit mit dem Geräusch einer Schlange durch den Körper fährt.
Lazarus nimmt Rae mit ins Haus und versucht – obwohl er heftig mit seinen eigenen Dämonen zu kämpfen hat – den Exorzismus. Er legt das Mädchen an eine Eisenkette, liest aus der Bibel und spielt ihr den Blues vor. Doch so leicht weicht der Teufel nicht – und es gibt noch andere im Dorf, die dringend Hilfe benötigen.
«Black Snake Moan» ist ein Bastard: In einem Moment bietet der Film genau die dubiosen Schauwerte, welche das Poster mit dem großen Neger und der halbnackten Frau an der Kette suggeriert, im nächsten verwandelt er sich zum Musikvideo, zur Psycho-Sitzung oder zum Kitsch. Aber letztlich spielt sich doch eine erstaunlich zarte Liebesgeschichte ab.
Regisseur Craig Brewer hat keine Scheu, sich zwischen alle Stühle zu setzen. Er präsentiert einen Film, der es niemandem recht machen will, sondern sein eigenes Ding durchzieht: herb, ungewöhnlich, vielschichtig, oft eher Punk als Blues. Über alle Zweifel erhaben sind aber Jackson und Ricci: Wie die beiden ihre schrägen Charaktere glaubwürdig zum Leben bringen, ist allein schon das Eintrittsgeld wert.