«Die Liebe in mir»: Adam Sandler wechselt ins Charakterfach
Das wichtigste zuerst: Der deutsche Titel «Die Liebe in mir» ist eine Mogelpackung. Der neue Film mit Adam Sandler ist keine Liebesgeschichte, sondern ein reichlich trauriges Psychodrama um die Freundschaft zweier problembeladener Männer: Da ist der Zahnarzt Alan Johnson (Don Cheadle), der nach außen hin alles zu haben scheint: Praxis, Frau, zwei Kinder – der sich aber nach Freiheit sehnt und nach einem Kumpel, mit dem er dem Familienalltag entkommen kann. Den glaubt er schließlich in Charlie Feinmann (Adam Sandler) gefunden zu haben. Früher ebenfalls ein verheirateter Zahnarzt, hockt dieser jetzt allein daheim, spielt Playstation oder Drums zu alten Platten von Bruce Springsteen und «The Who» (auf deren Musik der Originaltitel des Films ,Reign over me‘ anspielt).
Doch das scheinbar so freie, jugendliche Leben von Charlie hat einen düsteren Hintergrund. Seine Familie kam am 11. September ums Leben, weil sie im falschen Flugzeug saß. Seitdem ist Charlie heftig am Verdrängen...
Man ahnt – das läuft auf einen weiteren filmischen Bewältigungsversuch von «9/11» hinaus , inklusive langwieriger Psychositzungen bei der hübschen Therapeutin Angela (Liv Tyler). Aber immerhin erspart uns Regisseur Mike Binder ein Wiederkäuen der Bilder von den brennenden Türmen und konzentriert sich ganz auf seine Schauspieler.
Und hier macht Komiker Adam Sandler gar keine schlechte Figur! Die Verlorenheit und die plötzlich hervorbrechende Aggressivität sind ebenso glaubwürdig wie seine Trauer: Wenn er weinend von den Erinnerungen an seine Kinder erzählt, ist das wirklich berührend. Und in dem bewährten Charakterdarsteller Don Cheadle hat er einen optimalen Gegenpart: Man nimmt beiden ab, wie viel ihnen diese Freundschaft bedeutet. Wer selbst gerade einen Verlust erlitten hat, der wird in diesem melancholischen und gefühlvollen Film vielleicht Anlass zu Gesprächen finden. Alle anderen sollten sich aber fragen, ob sie so etwas Hundstrauriges wirklich sehen wollen.