Mit Rita hat man nicht viel Spaß: Sie mag sich nicht unterhalten, nicht spielen, kann über nichts lachen. Sie hat keine Arbeit und keine Hobbys – außer vielleicht mit wechselnden Männern immer mehr Kinder zu zeugen. Fünf hat sie bereits. Die Väter: Verschwunden. Genauso wie Ritas eigener Vater, den sie zu Beginn des Films in Belgien wiedertrifft: «Ich habe Fische für den Teich gekauft . . .» versucht der mit der verlorenen Tochter zu reden. «Ich mag keine Fische», antwortet sie. Wenig später gibt sie ihrem Halbbruder – der wissen will wie Muttermilch schmeckt – die Brust und wird rausgeworfen.
Sandra Hüller (bekannt aus «Requiem») spielt diese Rita mit quälender Distanz: Wir sehen sie schreiend, weinend, schimpfend und nackt – doch wir kommen ihr nicht nahe. Warum sie so kalt zu jedem ist – wir erfahren es nicht. Aber wir merken im Blick ihrer Mutter (Susanne Lothar) und ihrer ältesten Tochter (Luisa Sappelt), dass sich die Misere über Generationen fortsetzen wird.
«Madonnen» macht es den Zuschauern nicht leicht: Die Hauptperson ist zutiefst unsympathisch, die Handlung durch Zeitsprünge zerrissen. Doch die Qual hat Sinn und Methode: Wochenlang recherchierte die Autorin und Regisseurin Maria Speth in Gefängnissen, um etwas über Mütter jenseits der Klischees zu erfahren: «Jeder scheint zu wissen, wie eine Mutter sich zu verhalten hat», meint sie, «und wenn die Erwartungen nicht erfüllt werden, folgt sehr schnell sozialer Druck.» Das Ergebnis ist ein Film, der nie moralisch wertet und dessen Darstellerleistungen (gerade vom zentralen Frauen-Trio) so gut sind, dass man wirklich den Eindruck hat, ein Stück Realität zu sehen. Aber kein schönes. pet