Branko (Jakob Knoblauch) ist traurig. Traurig und hungrig. Denn seine Mutter ist gestorben, und der Junge steht alleine da in der fremden Hafenstadt. Als er einen heruntergefallenen Fisch vom Boden aufhebt, wird er vom bösen, reichen Fischhändler Karaman (Ben Becker) ins Gefängnis geworfen. Aber zum Glück gibt es die «Rote Zora» (Linn Sara Reusse), Anführerin einer Bande armer (aber sauberer) Kinder. Sie befreit Branko, der nach einer gefährlichen Mutprobe zu ihnen in die alte Burg der Uskoken hoch über dem Meer zieht. Doch irgendwann spürt Karaman die Bande auf, und sie müssen zum netten, aber armen Fischer Gorian (Mario Adorf) flüchten, der sie den Wert echter Arbeit lehrt. Aber der hinterhältige Karaman gibt nicht auf... Bereits 1941 schrieb Kurt Held, ein deutscher Kommunist im Schweizer Exil, den Roman von der «Roten Zora» - ein fast 400 Seiten starkes Jugendbuch, in dessen Verlauf unter dem Zuckerguss der Abenteuerhandlung immer mehr eine harte Realität zum Vorschein kommt. TV-Regisseur Peter Kahane machte daraus einen 90-Minüter, der die meiste Mühe darauf verwendet, die Kinder so aufzustellen, dass die Sonne besonders malerische Glanzlichter auf ihre wohlfrisierten Haare zaubert, während sie ihren Text aufsagen. Für eine Sekunde fragt man sich dann, was ohne Werbeästhetik und Geigenmusik aus dem Stoff geworden wäre. Bei dieser Zora dagegen macht es «Boing», wenn einer einen Tritt ins Gesicht bekommt, und selbst der tote Hund steht im Abspann wieder auf. Nett ist das. Ehrlich ist es nicht. Peter Romir